Die TrIKot-Wäscher – IK-Serie mit Zeugwarten aus der Region: Renate Lindwor wäscht seit 25 Jahren für Teschendorf/Schneflingen

Gold-Geheimnis zur silbernen Vereinshochzeit

Mit Gold nicht aufzuwiegen! Seit mehr als einem Vierteljahrhundert wäscht Renate Lindwor (l.) die Trikots des SV Teschendorf/Schneflingen. Ehemann Peter engagierte sich auch sehr beim SVT.

Teschendorf-Schneflingen. Er fällt in jedem Spiel der 3.  Kreisklasse 1 sofort auf: Pit Reichmann. Wahrscheinlich sind es nicht unbedingt die fußballerischen Fähigkeiten des Verteidigers vom SV Teschendorf/Schneflingen, mit denen er die Blicke auf sich zieht.

Viel mehr handelt es sich um ein Detail an seiner Sportkleidung, das den Zuschauern sofort ins Auge sticht. Der Namenszug des Vereins und Reichmanns Rückennummer 3 sind nicht wie bei seinen Mitspielern in schwarzer, sondern in goldener Schrift gehalten.

Warum ist Reichmann nun der „Golden Boy“ des Vereins? Vielen bleibt das wohl ein Rätsel. Renate Lindwor nicht. Die 51-Jährige wäscht seit über 25 Jahren die Trikots des SV Teschendorf/Schneflingen und kennt den wahren Grund.

„Auf aufgeweichtem Rasen ist Pit damals über die Außenlinie gerutscht. Die Kreide hat sich dann in der Beflockung festgesetzt. Ich habe das Trikot ausnahmsweise in die Reinigung gegeben und es kam mit der goldenen Nummer wieder zurück“, lüftet Renate Lindwor das Geheimnis.

Hilfe bei der Reinigung der Leibchen nimmt sie nun aber nicht mehr in Anspruch. Warum auch? Nach der langen Zeit kennt Renate Lindwor nahezu alle Kniffe.

Den Grad der Verschmutzung erkennt sie schon beim Auspacken des Koffers. „Dafür entwickelt man ein Auge“, lacht Renate Lindwor. Sind die Trikots besonders dreckig, werden die Kicker-Klamotten auf mehrere Ladungen aufgeteilt oder häufiger gewaschen. Mittlerweile hat Renate Lindwor, die für ihre Arbeit eine Aufwandsentschädigung erhält, schon die dritte Waschmaschine verschlissen.

Danach wird die Spielkleidung auf den fünf Leinen im benachbarten Heizungskeller aufgehängt, getrocknet, aufgefaltet und nach nummerischer Reihenfolge wieder in den Koffer einsortiert.

Sohn Oliver, Kapitän des SV und für die Anlieferung der Schmutzwäsche verantwortlich, kann den gepackten Koffer dann aus dem von Vater Peter (56) selbst gezimmerten Regal, in dem gleich vier Sätze zeitgleich aufbewahrt werden können, zum Spiel mitnehmen.

Das Waschen der Trikots hat im Hause Lindwor jetzt also System. Ganz im Gegensatz zu den Anfängen beim SV Teschendorf/Schneflingen. „Damals haben die Jungs noch zu Hause gewaschen“, erinnert sich Peter Lindwor zurück. Die Folge: Trikots und Stutzen wurden manchmal vergessen. Teilweise reichte die vorhandene Kleidung nicht mal für die gesamte Mannschaft. „Es gab Partien, da liefen unsere Kicker in Trainingsleibchen auf oder traten in kunterbunter Spielkleidung an“, kann Peter Lindwor heute über die farbenfrohen Anfänge schmunzeln.

Damals war es ihm, der Anfang der 80er Jahre Geschäftsführer in Teschendorf-Schneflingen war, aber ein Dorn im Auge. „Die Aufgabe musste zentralisiert werden. Es war wichtig, dass es einen Ansprechpartner für diese Aufgabe gab und die Trikotsätze komplett am Spieltag zur Verfügung stehen“, meint der heutige Ortsvorsteher, der nach längerem Herumfragen letztlich seine Frau in die Vereinsarbeit aktiv einband.

Und wie! Anfangs rotierte nicht nur die Waschmaschine im Hause Lindwor. Auch Renate Lindwor, die auch schon seit 25 Jahren Mitglied beim SV Teschendorf/Schneflingen ist, kam bei den gelieferten Wäschebergen beinahe ins Schleudern. Zu Spitzenzeiten türmten sich die dreckigen Shirts von zwei Herren- und einer Jugendmannschaft im Keller.

Die Menge wurde mittlerweile reduziert, die Eile beim Waschen ist manchmal in der Saison dennoch geboten. „Bei Turnieren, wenn der SV an mehreren Tagen in Folge spielt, muss ich den Jungs schon kurz nach dem Schlusspfiff sagen, dass sie die Trikots ausziehen sollen“, meint Renate Lindwor, die dann die gemütliche Nachspielzeit der Kicker unterbricht.

Eile kennt sie im privaten Bereich nicht. Leidenschaftlich gerne wird gepuzzelt oder gelesen. „Auf einem Brett stelle ich Puzzle mit bis zu 2 000 Teile fertig“, sagt Renate Lindwor, die alle Heimspiele besucht.

Ein noch treuerer Fan ist ihr Mann. „Ich schaue mir eigentlich jede Partie an. Schon als Junge bin ich mit meinem Vater zu den Spielen des SV gefahren“, erzählt Peter Lindwor. „Hin- und Rückreise haben immer eine Zigarrenlänge gedauert. Mein Vater steckte sich beim Einsteigen ins Auto die Zigarre an und war zurück in Schneflingen fertig mit dem Rauchen.“

Die Begeisterung für die Vereinsarbeit haben die Lindwors, die wie Sohn Oliver Fan von Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg sind, an ihre Tochter Franziska weitergegeben. Die 22-Jährige betreut die Zweitvertretung des VfL Knesebeck, in der ihr Verlobter Nils Bohne mitspielt.

Von Matthias Jansen

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