Handball – Oberliga Herren: Wittingen bricht gegen Hameln kapital ein – 21:25

Das ging gewaltig ins Auge!

Ringkampf: VfL-Kreisläufer Marten Schultze (l.) wird in dieser Szene von seinem Hamelner Pendant Heiko Heemann bearbeitet.

Wittingen. Dieser Einbruch war fa-Tal! Jahresübergreifend stecken die Handballer des VfL Wittingen in ihrem größten (Form-)Tief seit dem Aufstieg in die Oberliga. Beim 21:25 (11:9) am Sonnabend gegen den VfL Hameln knickten die Brauereistädter unerklärlich ein. Die vierte Pleite in Serie!

Wittingen augenscheinlich in der Schaffenskrise. Patzte eine Woche zuvor in Soltau noch die Abwehr ganz massiv, so musste sich der Neuling die geglückte Punkte-Entführung der Rattenfänger-Handballer dieses Mal offensiv ankreiden lassen. „Es ist mir unbegreiflich, dass man so einbricht“, zeigte sich Trainer Axel Bühlow rat- und fassungslos.

Wenn sich die Gastgeber in der ersten Halbzeit überhaupt etwas vorzuwerfen hatten, dann war es gegen Ende die sträfliche Chancenverwertung. 20 Minuten lang machte der VfL praktisch „alles richtig“, so Bühlows Bestandsaufnahme bis dahin. Körpersprache, Deckung, Kampfgeist: alles rattenscharf. Die Blau-Gelben spielten konsequent durch und scorten aus allen Lagen. Die 9:5-Führung die logische Konsequenz. Hameln steuerte meist Kreisläufer Heiko Heemann an: Doch der Strafzeiten-König der Oberliga, der später noch in einen Wittinger Wermutstropfen verwickelt sein sollte, wurde von der Deckung zu Ratatouille verarbeitet. Trotzdem: Statt 11:9 hätte der VfL gut und gerne 14:9 oder 15:9 in Front liegen müssen. „Wir haben auf einmal klare Dinger liegen gelassen“, haderte auch Bühlow.

Womöglich ein erstes Indiz für das Unheil/-vermögen, das nach dem Wechsel über seine Mannschaft hereinbrach. All die Vorab-Tugenden wie weggeblasen! Der schwache Wiedereinstieg (12:13) nagte wie eine Ratte am Wittinger Nervenkostüm. „Wir haben viele Bälle aus dem Nichts hergeschenkt“, verzweifelte Bühlow zusehends an der Seitenlinie. Ein Kardinalproblem: Angezeigte Zeitspiele für den Gegner seien „wie eine Einladung zum Torewerfen“.

Der eigene Angriff wiederum kam fast völlig zum Erliegen. Die vorab so starke Flügelzange: abgetaucht. Der eingangs so treffsichere Kai Lemke: abrupt völlig von der Rolle. Die Hauptwaffen des VfL kamen zum Erliegen. Das perfekte Aufbau-Programm für Hameln. Der Ex-Bundesligist machte ohne Schwankungen einfach weiter. „Das ist der Unterschied zu den Spitzenteams: Egal, ob sie mit vier Toren vor- oder zurückliegen, sie spielen 60 Minuten ihren Stiefel runter. Die Cleverness haben wir noch nicht“, meinte Bühlow und kreidete seinen Schützlingen ein moralisches Ungleichgewicht an: „Sie können sich an guten Dingen hochpuschen, aber schlechte Aktionen ziehen uns doppelt runter.“

Die Augenblicke der Hoffnung, etwa beim 16:18 oder 18:21, vergingen. Zu allem Überfluss ließ sich Stefan Tietz kurz vor Schluss (58.) gegen Heemann auch noch zu einer handfesten Auseinandersetzung hinreißen. „Er wird wohl zwei Spiele gesperrt werden“, seufzte Bühlow. Es passte zu dem verkorksten Abend.

Von Ingo Barrenscheen

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