Fußball: NFV-Kreis lehnt Verlegungen wegen Wölfe-Sonntagsspielen wie im Nachbarkreis Wolfsburg ab

Gifhorn nimmt keine Rücksicht auf VfL-Fans – und löst Frust aus

Einen Kniefall macht der NFV-Kreis Gifhorn nicht vor den Sonntagsspielen der Wölfe (wie hier in Berlin).
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Einen Kniefall macht der NFV-Kreis Gifhorn nicht vor den Sonntagsspielen der Wölfe (wie hier in Berlin).

Gifhorn – Der VfL Wolfsburg ist gerade obenauf, spielt international und gewinnt in seiner aktuellen Verfassung natürlich auch im Kreis Gifhorn immer mehr Fans. Viele der Anhänger spielen allerdings auch selbst Fußball – und zwar sonntags.

Da die Wölfe nach einer starken vergangenen Spielzeit mittlerweile unter ihrem neuen Trainer Oliver Glasner in der Europa League aktiv sind und somit oftmals ihre Heimspiele in der 1. Bundesliga am Sonntag austragen, hat sich der NFV-Kreis Wolfsburg etwas einfallen lassen, damit noch mehr Zuschauer, die selbst dem runden Leder nachjagen, ins Stadion gehen können.

Bei den VfL-Heimspielen gegen Union Berlin (6. Oktober), den FC Augsburg (27. Oktober) und Bayer Leverkusen (10. November) werden die jeweiligen Spieltage in der Kreisliga Wolfsburg jeweils am Sonnabend über die Bühne gehen. Der Großteil der Vereine rund um die VW-Stadt ist erfreut und begrüßt diese Entscheidung.

Wenn wir damit anfangen, können wir unseren Spielbetrieb einstellen.

Timo Teichert (Spielausschuss-Vorsitzender)

Doch ist so eine Maßnahme auch im NFV-Kreis Gifhorn denkbar? „Nein!“, winkt Spielausschussvorsitzender Timo Teichert direkt ab. Um auch direkt die Begründung zu liefern: „Wenn wir damit anfangen, können wir unseren Spielbetrieb einstellen. Das wird ein riesiger Rattenschwanz.“ Damit meint Teichert, dass sich in diesem Fall zwar die Wolfsburger Fans – von denen es auch im Isenhagener Land viele gibt – freuen, „doch dann bekomme ich Anrufe von Anhängern vom Hamburger SV, Eintracht Braunschweig oder Hannover 96, warum wir sie nicht berücksichtigen“. Folgen solcher Spieltagsverlegungen wären eine Verzerrung des Spielplans sowie womöglich auch eine Verlängerung der Spielzeit. „Daher kommt das hier nicht infrage. Das ist nicht zu rechtfertigen“, meint Teichert.

Allerdings – und darauf weist der Spielausschuss-Chef noch einmal ausdrücklich hin – steht es den Vereinen frei, die Partien eigenmächtig zu verlegen. „Allerdings geht das gemäß den Statuten auch nur dann, wenn beide Mannschaften damit einverstanden sind“, so Teichert. Dazu gibt es eine weitere Bedingung: „Wenn die Herrenspiele auf einen Sonnabend verlegt werden, muss Rücksicht auf die Jugend genommen werden. Die hat an diesem Tag nämlich Vorrang.“ Nachwuchspartien dürfen aus diesem Grund also nicht verlegt werden. „Daher müssen die betreffenden Vereine entweder genügend Plätze zur Verfügung haben oder die Partien eben sinnvoll auf den ganzen Tag verteilen“, erklärt Teichert.

Ich finde das Verhalten des NFV-Kreises Wolfsburg vorbildlich.

Sören Henke (Trainer des FC Germania Parsau)

Einen Kniefall macht der NFV-Kreis Gifhorn nicht vor den Sonntagsspielen der Wölfe, was Parsaus Trainer Sören Henke kritisch sieht.

Dass der NFV-Kreis Gifhorn gar nicht erst über eine solche zentrale Verlegungs-Maßnahme nachdenkt, verärgert den einen oder anderen VfL-Fan der Region. So zum Beispiel Sören Henke, Trainer des FC Germania Parsau und selbst wie fast eine Handvoll seiner Spieler Dauerkarten-Inhaber in Wolfsburg. „Ich finde das Verhalten des NFV-Kreises Wolfsburg vorbildlich und würde mir wünschen, dass das hier auch so kommt. Der VfL ist das Aushängeschild im gesamten NFV und wenn wir zeitgleich selbst spielen müssen, nehmen wir uns gegenseitig die Zuschauer weg. Das schadet natürlich dann auch wieder der Stimmung auf den Sportplätzen“, begründet Henke. Das Argument Teicherts, dass sich womöglich Anhänger anderer Klubs darüber echauffieren würden, kann der Parsauer Coach („Man sollte darauf einfach vielleicht mal Rücksicht nehmen“) nicht nachvollziehen.

Die Germanen befinden sich bereits in Gesprächen mit ihren Kontrahenten SV Tülau/Voitze, SV Eischott und Hoitlinger SV, dass an den betreffenden Terminen die Partien verlegt werden. Das ist möglich – und in diesem Fall können nicht nur die VfL-Anhänger auf Parsauer Seite dann doch auf zwei Hochzeiten tanzen.

fs

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