Fußball – PfiffIKus: Deutschland ist bei der Indoor-Variante Entwicklungsland, im Kreis Gifhorn gewinnt sie zunehmend Akzeptanz

Futsal – der (nicht ganz so neue) Hallensport

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Gar nicht so neuartig, wie viele meinen: Futsal wird in Südamerika bereits seit den 40er-Jahren gespielt. Brasiliens Ballvirtuosen (wie hier bei der WM 2016) sind Rekord-Weltmeister.

Gifhorn. Neon- statt Sonnenlicht: Draußen werden die Tage dunkler und das Wetter ungemütlicher – ergo wechselt auch der Fußball-Spielbetrieb im NFV-Kreis Gifhorn in den kommenden Wochen vom Feld in die Halle.

Etwa bei der großen Jugendfußball-Hallenrunde, die in der nächsten Woche angepfiffen wird. Nicht nur beim Nachwuchs hält seit einigen Jahren der Futsal immer mehr Einzug und wird auch im Kreis Gifhorn verpflichtend (mit einigen Anpassungen durch Ausschreibungen) gespielt. Auch wenn diese Variante keine neuartige Erscheinung ist, so hat sich der Schiedsrichterkamerad Daniel Lange im Zuge der Monats-Serie „PfiffIKus“ vor dem Start in die Indoor-Saison Gedanken zu der Frage gemacht: Was genau ist Futsal eigentlich? Und wo kommt der Name her?.

Futsal goes Gifhorn: Im hiesigen NFV-Kreis ist die Hallen-Variante aus dem Spielbetrieb, insbesondere bei der Jugend, nicht mehr wegzudenken. Es gibt keine Banden und zwei Schiedsrichter.

Futsal (abgeleitet aus dem Spanischen: „Futbol Sala“) ist als offizieller Hallenwettbewerb der FIFA an und für sich nichts Ungewöhnliches oder eine Modeerscheinung – denn es wird bereits seit den 40er-Jahren gespielt. Die Wiege liegt in Südamerika, später schwappte die Futsal-Welle auch nach Südeuropa und mittlerweile auf die ganze Welt über. Dass Deutschland wohl gemerkt immer noch als Futsal-Entwicklungsland gesehen werden kann, zeigt ein Blick auf die Weltrangliste: Mit Platz 67 bewegt sich der DFB im Moment eher mit Ländern wie Suriname oder Jordanien (Plätze 68 und 64) auf Augenhöhe als mit den Spitzenteams aus Brasilien und Spanien, die es also nicht nur auf dem Feld mit dem normalen Fußball können...

Wenn kommende Woche in den Hallen im Kreis Gifhorn die Wettbewerbe der Junioren beginnen, so hat sich Futsal dort mittlerweile etabliert und erfreut sich immer größerer Akzeptanz. „Denn nach gewissen Startschwierigkeiten werden auch anfänglich Unbeteiligten die Unterschiede zu der Outdoor-Variante immer klarer“, betont Lange.

Aber was sind die Diskrepanzen – insbesondere zum altklassischen Budenzauber – eigentlich?

Punkt 1: das Spielfeld. Es gibt keine Banden, sondern Begrenzungslinien auf allen Seiten. Gespielt wird auf Handballtore. Fortgesetzt wird die Begegnung entweder per Abwurf durch den Torwart, per Eckstoß oder per Einkick (statt Einwurf).

Punkt 2: der Ball. Dieser ist kleiner und schwerer, wodurch er sprungreduziert ist. Dafür hat er bessere Rolleigenschaften und lässt sich besser kontrollieren und abspielen. Ein Vorteil für Kicker der feinen Klinge – Gebolze unterm Hallendach soll so vorgebeugt werden.

Besondere Rollen kommen den Torhütern und Schiedsrichtern beim Futsal zu. Die Torhüter dürfen sich zwar auf dem ganzen Spielfeld aufhalten (und auch selbst Tore schießen), sind aber in der eigenen Spielhälfte durch besondere Regeln weitestgehend vom Spiel eliminiert.

Derweil leiten die Referees das Spiel zu zweit – gleichberechtigt. Sie überprüfen nicht nur die korrekte Spielfortsetzung, sondern müssen zusätzlich die Foul- und Handspiele der Mannschaften zählen. Pro Partie hat jede Mannschaft eine feste Anzahl von Vergehen frei (in Gifhorn sind es wegen der kurzen Spielzeit nur zwei). Bei jeder weiteren Regelwidrigkeit erhält die gegnerische Mannschaft einen Strafstoß aus zehn Metern (ohne Mauer). Weiterhin müssen die Unparteiischen darauf achten, dass eine Dauer von vier Sekunden nicht überschritten wird, die die Mannschaften für die Spielfortsetzungen – wie zum Beispiel den Einkick – Zeit haben.

Das alles fördert ein schnelles und technisch versiertes Fußballspielen. Denn ohne Banden müssen die Akteure unter Druck schnellstmöglich nach Lösungsmöglichkeiten suchen. „Dass Futsal vielfach noch als emotionsloses Gekicke abgetan wird, mag durchaus an der mitteleuropäischen Mentalität liegen, Neues argwöhnisch zu beäugen“, mutmaßt Lange. Dennoch seien sich viele Experten einig, dass Spieler wie die Superstars Messi und Neymar oder Dortmunds Julian Weigl ohne Futsal nicht zu den Spielern geworden wären, die sie heute sind. Wer kommt schon bei deren Tempodribblings nicht ins Staunen!? Und genau das macht Futsal aus, bekräftigt Lange.

Von Ingo Barrenscheen

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