Interview: Verletzungen, Reha, Zukunft und der Karriereplan

Fußball-Profi Bjarne Thoelke: Mental stark – optimistisch in die Zukunft

Bjarne Thoelke (1. FC Saarbrücken) - 3. Liga Fußball Saison 2020-2021 Punktspiel Hallescher FC Halle vs. 1. FC Saarbrücken
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Vielleicht bald ein Weg ohne Stolpersteine: Abwehrspieler Bjarne Thoelke spielte bis zuletzt in der 3. Liga für den 1. FC Saarbrücken. Derzeit arbeitet er eisern an seinem nächsten Comeback.
  • VonMarvin Scholz
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Eine Fußball-Karriere geprägt von Verletzungen, Rückschlägen, aber auch bedingungslosem Optimismus. Innenverteidiger Bjarne Thoelke, gebürtig aus Betzhorn, hat schon extrem viel durchgemacht.

Saarbrücken/Betzhorn – Bjarne Thoelke genoss die fußballerische Ausbildung beim VfL Wolfsburg, bevor er die Stationen Dynamo Dresden, Karlsruher SC, Hamburger SV und Admira Wacker (Österreichische Bundesliga) durchlief. Dann in der Saison 2018/19 der Schock. Thoelke zog sich im Dress der Wiener einen Schien- und Wadenbeinbruch zu. Der 1,91 Meter-Hüne steckte nicht auf und kam zurück. Nach einer siebenmonatigen Vereinslosigkeit nahm ihn der 1. FC Saarbrücken unter Vertrag. Nach nur wenigen Spielen für den Klub dann der nächste Stillstand. Wieder ein Wadenbeinbruch! Wieder raus! Wieder Reha! Bis heute. Aktuell arbeitet der 29-Jährige an seinem Comeback. Offiziell ist der 38-fache Zweitligaspieler vereinslos, aber der ehemalige Arbeitgeber kam ihm entgegen – Thoelke darf den Platz des FCS nutzen. Der Nordkreis-Profi über sein unfassbares Verletzungspech, die gefühlt niemals endenden Reha-Einheiten, seinen unkaputtbaren Optimismus und den weiteren Karriereplan.

Bjarne, schön, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch nimmst. Die wichtigste Frage vorab: Wie geht’s dir aktuell?

Thölke: Zur Zeit ist es voll okay. Es war schon einmal besser, aber auch schon schlechter. Da sind Tage, die für den Kopf nicht einfach sind. Ein Auf und Ab halt.

Du befindest dich nach dem zweiten Wadenbeinbruch in der Reha auf dem Sportgelände vom 1. FC Saarbrücken. Wie kommst du voran?

Ehrlich gesagt läuft die Reha nicht so, wie geplant. Ich habe im Moment vier verschiedene Baustellen – das Wadenbein, den Knochen vom Schienbeinknochen, die Adduktoren und eine kaputte, sogenannte „weiche Leiste“. Es läuft nicht so ganz nach meinem Wunsch, weil bei einer Verletzung mehrere kleine Wehwehchen hinzukommen.

Was natürlich auch viele Menschen aus Wahrenholz und Umgebung interessiert: Ist das Comeback schon in Aussicht?

Meine Wunschvorstellung wäre, in drei bis vier Wochen wieder beim Mannschaftstraining einzusteigen. Aber es ist insgesamt noch zu früh, um etwas einzuschätzen oder irgendwas vorauszusagen. Ich bin seit anderthalb Monaten nun in der Reha.

Nun bist du ein Spieler, der schon mit extrem vielen Verletzungen zu kämpfen hatte. Angefangen hat alles 2012/13 mit Oberschenkelproblemen und mündete nun im zweiten Wadenbeinbruch. Wie geht man mit diesen schockierenden Nachrichten immer um?

Ich habe ein Ziel vor Augen. Wenn ich fit bin, kann ich noch auf diesem Niveau spielen. Das gibt mir eine gewisse mentale Kraft. Es ist auch ein Lernprozess, mit diesen Diagnosen umzugehen. Der Kopf ist dabei wichtig. Ich probiere damit locker umzugehen – so schnell haut mich nichts mehr um. Ich bin überzeugt, dass ich wieder zurückkomme.

Der Schock 2.0: Bjarne Thoelke zog sich im Drittliga-Spiel mit dem 1. FC Saarbrücken in Halle zum zweiten Mal einen Wadenbeinbruch zu.

Wie schaffst du es, dich immer für die neu anstehende Reha aufzurappeln und immer wieder bereit zu sein?

Wie gesagt, ich habe immer das Ziel vor Augen. Ab und zu muss ich dann auch von der Reha mal den Kopf frei kriegen. Dann spreche ich mit meinem Trainer, ob ich dann ein paar Tage zu Familie und Freunden kann, um dort abzuschalten. Ich kann mich dann auch selbst gut motivieren, wenn ich Fortschritte erziele.

Etwaige Verletzungen können eventuell auch aus leichtsinnigen Fehlern im Training oder Spiel passieren. Glaubst du, dass du ausschlaggebende Fehler gemacht hast?

Ja, ich habe teilweise zu früh mit Übungen oder anderen Trainingsmethoden angefangen. Im jungen Alter wollte ich dann auf die Zähne beißen und war an manchen Stellen zu überehrgeizig.

Bei all den Rückschlägen: Was war bisher die bitterste Verletzung in deiner Karriere?

Der erste Schien- und Wadenbeinbruch bei Admira Wacker. Anschließend folgten ein paar Wochen, in denen ich dachte – war’ s das jetzt? Und die Frage auf die Reha bezogen – die jetzige ist auf jeden Fall die Intensivste. Da habe ich am meisten zu kämpfen, weil ich mich zwei OP’s unterziehen musste.

In deiner Reha hast du auch eine Seelsorgerin und Trainingspartnerin an deiner Seite. Deine Freundin. Inwiefern hat sie einen Anteil an deiner mentalen Stärke?

Einen sehr Großen. Sie ist ja ebenfalls verbissene Leistungssportlerin. Sie zeigt dementsprechend auch viel Verständnis. Es ist auch in sportlicher Hinsicht eine gute Beziehung und es herrscht eine gute Stimmung. Sie unterstützt mich super.

Nochmal rückbetrachtend: Hättest du bei deinen Rehas, aus heutiger Sicht, irgendetwas anders gemacht?

Nein, ich würde heute alles genauso machen.

Training bei der Reha: Unermüdlich arbeitet Thoelke an seiner körperlichen Verfassung.

Mal ein kleiner hypothetischer Blick auf deine Karriere. Was könntest du einer Mannschaft sportlich anbieten, wenn du fit wärest?

Ich bin da eigentlich bescheiden. Aber ich glaube, dass ich gewisse Stärken als Innenverteidiger mitbringe. Meine Kopfballstärke, ein guter Spielaufbau und Kampfgeist. Ich versuche möglichst, mich überall reinzuhauen.

Was sind, mal abgesehen von der gesundheitlichen Ebene, deine Ziele?

Spiele zu machen. Es liegt alles in meiner Hand. Ich beschäftige mich aber auch schon jetzt mit dem beruflichen Schritt nach der Karriere. Ich überlege, ein Studium im Sportbereich anzufangen. Aber eigentlich will ich lieber etwas in Richtung Wirtschaft machen. Zahlen und Daten interessieren mich wirklich sehr. Aber einen konkreten Plan habe ich noch nicht.

Aktuell bist du vereinslos. Gibt es denn laufende Gespräche mit Saarbrücken bezüglich eines neuen Vertrags, oder vielleicht sogar mit anderen Klubs?

Also mit anderen Vereinen spreche ich nicht, das würde auch aktuell keinen Sinn ergeben. Allerdings habe ich mit Saarbrückens Sportmanager kommuniziert. Ich darf erstmal hier weitertrainieren und mit der Mannschaft zusammen sein. Der Verein sagte mir auch, dass ich weiterhin ein interessanter Spieler bin. Aber Gespräche über eine konkrete Vertragslaufzeit gibt es noch nicht. Wenn meine Leistung stimmt, könne man sich einen weiteren Weg mit mir vorstellen. Eine weitere Zusammenarbeit ist also nicht ausgeschlossen.

Bjarne Thoelkes Krankenakte

Saison 2012/2013: Oberschenkelprobleme (24 Tage), Bänderriss Sprunggelenk (35 Tage Pause); 2015/2016: Gehirnerschütterung (vier Tage), Oberschenkelverletzung (21 Tage); 2016/2017: Knöchelverletzung (sieben Tage); 2017/2018: Innenbandriss Knie (70 Tage), Syndesmosebandanriss (89 Tage); 2018/2019: Nasenbeinbruch (zehn Tage), Schien- und Wadenbeinbruch (471 Tage); 2020/2021: Adduktorenabriss (260 Tage), Wadenbeinbruch (260 Tage)

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