Doch mehr als nur ein Luftschloss?

Fußball: DFB plant Revolution im Nachwuchs mit Minimierung der Mannschaftsstärken

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(Symbolbild)

Isenhagener Land – Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) plant, den Nachwuchsfußball womöglich schon zur nächsten Saison zu revolutionieren.

Während in Bayern bereits in der laufenden Spielzeit nach genau diesem Modell gespielt wird, würde es der DFB gern deutschlandweit durchsetzen, dass im Jugendbereich die Anzahl der Spieler minimiert und sogar in den jüngsten Altersklassen ohne „echten“ Torhüter agiert wird. Allerdings muss diesbezüglich jeder Landesverband selbst entscheiden.

„Wir wollen kleinere Mannschaftsgrößen bei unseren jüngsten Fußballern, damit die Kinder mehr Ballkontakte haben und ihre Individualität gefördert wird“, äußert sich Dr. Hans-Dieter Drewitz, seines Zeichens DFB-Vizepräsident Jugend, in einem Beitrag auf der Kicker-Homepage zum Sachverhalt. Bereits seit zwei Jahren befasst man sich beim DFB mit diesem Thema, doch zu einer Umsetzung kam es bislang noch nicht. Das könnte sich aber schon bald ändern.

Für die G-Jugend hätte diese Maßnahme zur Folge, dass im Modus „Zwei gegen zwei“ oder „Drei gegen Drei“ ohne Torhüter auf vier Minitore gespielt wird. Im F-Junioren-Bereich würden demnach drei oder vier Akteure jeder Mannschaft die Klingen kreuzen, wobei es ebenfalls keinen Keeper gibt. Dazu wäre in der E-Jugend vom „Fünf-gegen-fünf“ bis hin zum „Sieben-gegen-sieben“ alles möglich, wobei es dort dann aber einen festen Schlussmann gibt. Alles beim Alten bliebe in der D-Jugend, wo im Modus „Neun gegen neun“ mit Torhüter gespielt wird.

Steckt hinter der ganzen Sache doch mehr als nur ein „Luftschloss“? Das IK hat sich bei den Nachwuchs-Verantwortlichen im Nordkreis umgehört und sie zur Thematik befragt.

Die Funktionäre im Kreisfachverband (KFV) Gifhorn sind geteilter Meinung, was dieses Projekt angeht. Auch Jens Bomball, Jugendleiter beim Wesendorfer SC, kann sich nicht so recht zwischen Pro und Contra entscheiden. „Generell könnte ich mich damit schon anfreunden. Einen Versuch wäre es wert. Doch ab der E-Jugend halte ich das schon für unangebracht“, äußert sich Bomball, der ergänzt: „Ob das hier eintritt, muss man abwarten. Aber natürlich muss sich der NFV schon ein wenig an die DFB-Vorgaben halten.“

Bei der JSG Brome/Ohretal sieht es aktuell personell so rosig aus, dass Jugendchef Domenik Traue nicht sonderlich begeistert von dieser kleinen Revolution wäre. „Allein in der F-Jugend haben wir momentan 23 Kinder, so dass wir dort in der kommenden Saison vermutlich sogar zwei Mannschaften bilden. Wenn man mal überlegt, wie das laufen würde, wenn da nur drei oder vier Spieler pro Team auf dem Platz stehen, halte ich von dieser Thematik nichts“, so Traues Ansicht. Natürlich: Die JSG könnte dann mit ihren Möglichkeiten sogar fünf oder gar sechs Vertretungen ins Rennen schicken, doch Domenik Traue weiß: „So viele Ehrenamtliche, die die Kinder betreuen, können wir fast gar nicht finden.“ Auch in der G- und E-Jugend ist Brome/Ohretal so gut aufgestellt, dass eine Minimierung der Mannschaftsstärke keine gute Option wäre. „Ich denke, dass das auch eher ein Luftschloss ist und glaube nicht, dass sich das durchsetzt“, erklärt der JSG-Nachwuchschef.

Etwas anders schätzt Dirk Asmus, Trainer der B- und C-Junioren der JSG Isenhagen, die Sache ein. Er würde eine Umsetzung dieser Revolution sogar begrüßen. „Wir bauen das schon jetzt mit ins Training ein. Jeder Spieler ist dadurch natürlich häufiger am Ball“, erklärt Asmus. Allerdings äußert er Bedenken an der Umsetzung: „Es wird schwierig, denn man braucht nicht nur viele Spielfelder, sondern auch dementsprechend viele Mannschaften, damit alle Spieler zum Einsatz kommen. Darin könnte das Problem liegen.“

„Offen für Neues“ ist man laut Jugendchef Sven Hardel generell beim SV Hankensbüttel. „An sich finde ich das gar nicht schlecht, denn die Spielanteile für die Kleinen werden ja deutlich größer. Aber das Problem liegt eben vor allem darin, wie man das mit den vielen Mannschaften managt. Dazu bleiben ja die Fragen offen, ob es dann auch mehr Spiele und mehr Spielzeit gibt“, so Hardel. Beim SVH sind momentan allein in der G-Jugend 30 Akteure gemeldet, so dass diese Maßnahme dem Verein nicht unbedingt weiterhelfen würde. „Ich kann mir aber schon vorstellen, dass sich das irgendwann durchsetzt“, verrät der Hankensbütteler Nachwuchsleiter.

Laut KFV-Jugendausschussvorsitzender Uwe Wolter wird über dieses Thema bei der Beiratssitzung im November in Barsinghausen diskutiert. Bis dahin bleiben noch viele Fragen offen.

VON FLORIAN SCHULZ

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