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WSC-Oldie Grühl: „Habe mal bis Mittwoch Muskelkater“

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Von: Ingo Barrenscheen

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Er ist da, wenn man ihn braucht und gibt alles, wenn er auf dem Platz steht: Wesendorfs Dennis Grühl (l.) will seinem Team in der Fußball-Kreisliga-Saison weiter helfen.
Er ist da, wenn man ihn braucht und gibt alles, wenn er auf dem Platz steht: Wesendorfs Dennis Grühl (l.) will seinem Team in der Fußball-Kreisliga-Saison weiter helfen. © Ingo Barrenscheen.

Wesendorf – Weiterhin wichtig! Mit seinen 38 Jahren gehört Wesendorf-Kicker Dennis Grühl noch immer zum Inventar des Fußball-Kreisligisten.

An und für sich wollte sich Dennis Grühl so langsam aufs Amateurfußball-Altenteil zurückziehen. So zumindest der Gedankengang im Sommer. Doch durch das eklatante Personal-Dilemma beim Wesendorfer SC ist der, mit Verlaub, alte Mann beim Kreisligisten weiterhin gefragt. Alles für den Dackel, alles für den Klub in der 21. (!) Herrensaison für das Team aus dem Heidelandstadion.

Als 14. Mann auf die Bank setzen, mal für eine Viertelstunde aushelfen. So in etwa hatte sich der 38-Jährige seinen sportlichen Vorruhestand eigentlich ausgemalt. Die Realität sieht seit Wochen anders aus. Zuletzt musste Grühl drei Partien in Serie voll durchziehen. „Damit habe ich nicht gerechnet“, gibt er unumwunden zu. Doch der Innenverteidiger ist keiner, der seine blau-weißen Farben einfach hängen lässt. „Uns fehlt die gesamte Mittelachse.“ Deshalb hatte er auch seinen ursprünglichen Plan über den Haufen geworfen. „Ich habe immer gesagt: Nach 20 Jahren 1. Herren möchte ich eigentlich aufhören.“ Doch der Zusammenhalt und die Mentalität stimmten ihn um. „Das sind fast alles Wesendorfer Jungs. Man kann stolz sein, dass die Truppe so zusammenhält.“ Und sich selbst in wieder einmal schwierigen Zeiten wie in diesem Herbst 2022 nicht zerfleischt. „Hauptsache Teil der Mannschaft“, ist Grühls Credo.

Fußball zweitrangig

Dafür erduldet Grühl auch gerne den einen oder anderen Schmerz. Weil er seit einiger Zeit „viel Energie“ in seinen Posten als 1. Vorsitzender der Wesendorfer Schützengesellschaft steckt, bleibt das Fußball-Training notgedrungen oft auf der Strecke. Das wiederum zehrt an der Fitness. Manches Mal habe seine Absage auch mit dem Muskelkater nach den 90 Minuten zu tun, grinst er. „Ich habe dann auch schon einmal in unsere Whatsapp-Gruppe geschrieben, dass ich es dienstags nicht schaffe, weil mir alles wehtut ... Mit 38 ist mir das auch nicht peinlich.“ Adduktoren und Muskeln würden sich häufig bis zum Bergfest der Woche bemerkbar machen.

„Keinen Unmut“

Trotz der verzwickten Lage – der WSC steht mit drei Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz und wartet seit geschlagenen acht Spielen auf einen Punktgewinn – bleiben Akteur Grühl und seine Team-Kollegen aber stets positiv. „Jeder im Verein – ob Spieler, Zuschauer oder Vereinsführung – ist sich der aktuellen Situation bewusst. Es gibt keinen Unmut, keiner, der meckert. Wir haben noch eine Rückserie. Wenn die Verletzten wieder da sind und wir eine kleine Serie starten, kommen wir da unten auch wieder raus.“

Immerhin ist man in Wesendorf seit Jahren Abstiegskampf gewöhnt. In der Vorsaison rettete erst ein Last-Minute-Tor vom eigentlichen Kapitän Lasse Bomball, den Routinier Grühl schon mehrfach mit der Binde um den Arm vertreten hat, das Team vor dem Sturz in die 1. Kreisklasse. Die Spielzeit davor wurde annulliert, der WSC stand zur Winterpause mit null Punkten am Tabellenende. Selbstredend hofft der ewige Grühl, dass sein Karriereherbst in der Ersten nicht mit dem Sturz eine Etage tiefer ausklingt. Er selbst hatte 2009/10 mit dafür gesorgt, dass der Klub im Gifhorner Oberhaus gelandet ist. Auch den Kreispokalsieg 2012 erlebte er mit. Kurzum: Der Ur-Wesendorfer hat eine ganze Epoche mitgeprägt.

Auf seinen Ehrgeiz wird es auch am Sonntag im Auswärtsspiel beim Tabellenführer FC Schwülper (14 Uhr) wieder ankommen. „Mal gucken, was uns da blüht“, skepselt Grühl. Doch der WSC sei immer eine Riege gewesen, „die gegen die guten Mannschaften gut ausgesehen“ hätte. „Es kann alles passieren.“ Tatsächlich gewann Wesendorf die beiden zurückliegenden Duelle jeweils mit 2:1. Für den Oldie, but Goldie könnten gerne aller guten Dinge drei sein ...

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