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Ludwig: So plant der neuen Taterbusch-Taktiker

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Von: Ingo Barrenscheen

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Als Spieler hatte Sebastian Ludwig (hier 2021 noch im Dress des MTV Gamsen) noch eine andere Sicht auf die Dinge. Als Trainer hat sich die Perspektive verändert... bald coacht er den Fußball-Landesligisten VfL Wahrenholz.
Als Spieler hatte Sebastian Ludwig (hier 2021 noch im Dress des MTV Gamsen) noch eine andere Sicht auf die Dinge. Als Trainer hat sich die Perspektive verändert... bald coacht er den Fußball-Landesligisten VfL Wahrenholz. © Ingo Barrenscheen.

Wahrenholz – Wenn der Trainer Sebastian Ludwig über den Spieler Sebastian Ludwig spricht, dann wird schnell deutlich, dass sich vieles im Laufe der Zeit verändert hat. „Man sieht vieles schon anders“, lacht der frisch engagierte und couragierte Chefcoach des Fußball-Landesligisten VfL Wahrenholz.

Einst gegen Odonkor

Zwar kann er mit 38 Jahren und bisherigen Posten beim SSV Kästorf II (Aufstieg in die Kreisliga) und MTV Gamsen (Abstieg aus der Bezirksliga) noch keine hochklassigen Meriten als Übungsleiter vorweisen, hat aber eine prägende aktive Karriere hinter sich, die auch in seinem neuen Job miteinfließen sollen. Allein in den fünf Jahren in der Jugend des Bundesligisten VfL Wolfsburg (dort kickte er gegen die späteren Profis Cédric Makiadi oder David Odonkor) hätte er „vieles mitgenommen“. Hinzu kommen stolze zehn Jahre mit dem SSV Kästorf, die meisten davon eben in jener Landesliga, die nun für den Wagenhoffer zur Bewährungsprobe als Dirigent des schwarz-gelben Orchesters wird. „Das ist auch für mich eine Herausforderung“, gibt Ludwig unumwunden zu. „Das sind noch einmal zwei Klassen höher, andere Spielertypen. Aber ich habe keine Angst vor der Aufgabe.“

„Taktik-Genie“ als Vorbild

Ganz im Gegenteil. Der auserkorene Nachfolger von Thorsten Thielemann bringt eine spürbare Portion Selbstbewusstsein mit. Damals als Spieler wäre er auf der grünen Spielwiese „intuitiv unterwegs“ gewesen. „Da hat man sich nicht so die Platte gemacht.“ Her mit dem Ball, mal schauen, was ich draus mache. Das war einmal. Er wolle die Gegner mit Wahrenholz in Zukunft „mit taktischen Kniffen auskontern. Den Ball laufen lassen, sich nicht hinten einigeln. Wir wollen immer flexibel sein. Das ist eine Stärke, die ich mir angeeignet habe.“ In diesem Kontext habe er in seiner Kästorf-Ära sehr viel von Georgios Palanis gelernt, der heute den Oberligisten MTV Gifhorn coacht. „Er ist ein Taktik-Genie.“

„Horizont erweitern“

Mit diesem Werkzeugkasten will er auch das Taterbusch-Team mitreißen. Und noch eine Spur besser machen, als der Landesliga-Novize ohnehin schon ist. „Ich will die Mannschaft nicht umkrempeln. Aber man kann jedes Team noch auf ein neues Level bringen. Weil man doch ein paar Dinge anders sieht als die vorherigen Trainer und so den Horizont der Spieler erweitern kann. Fußball wird immer mehr zum Rasenschach. Ich traue mir schon zu, dass ich Wahrenholz noch ein paar Prozentpunkte nach vorne bringen kann. Dann geht man auch als Mannschaft den nächsten Schritt.“

Das Potenzial reizt

Wobei der VfL bereits einen Riesen-Satz gemacht hat seit dem erstmaligen Sprung in die deutsche Sechstklassigkeit. Schwarz-Gelb hat sich vom Underdog zu einem ernst zu nehmenden Team auf den Liga-Verbleib gemausert. Wenngleich die Schwarz-Gelben aktuell den ersten von fünf knackigen Abstiegsplätzen belegen. Ludwig: „Dass sie sich so gut halten, hätte ich vor einem halben Jahr auch nicht gedacht.“ Die Bezirksliga-Aufsteiger hätten es in der Vergangenheit immer sehr schwer gehabt. „Das ist schon eine Hausnummer.“ Doch Ludwig konnte sich jüngst mehrfach von der Wahrenholzer Weiterentwicklung einen Eindruck verschaffen und ist imponiert. Nun kann er selbst daran mitwirken, dass das Märchen wahr wird. Der Mix aus gestandenen Akteuren wie Niklas Germer und jungen Wilden à la Marlon Hanse oder Marten Richter sei spannend. „Ich sehe da viel Potenzial und eine Chance, in der Landesliga zu bleiben. Und nachhaltig etwas aufzubauen. Genau das ist auch der Reiz.“ Hinzu käme die Geschlossenheit. Des Teams, aber auch des ganzen Ortes. „Das ist ein kleines Dorf, was komplett hinter dem Verein steht. So hat es auch in Kästorf und Hillerse angefangen.“

Das Glück im Unglück

Deswegen ließ er sich die vielleicht einmalige Chance nicht entgehen, als Spartenleiter Jan Schöbel anrief. So schnell nach dem unverhofften Aus in Gamsen nach „Unstimmigkeiten mit dem Verein“ hatte er mit so einem lukrativen Angebot nicht gerechnet. „Alles im Leben hat einen Sinn. Wäre ich dort nicht entlassen worden, hätte Wahrenholz wohl gar nicht angefragt. Glück im Unglück.“ Das hätte einst selbst der Spieler Ludwig schon so gesehen...

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