Zukunft des Fußball-Nachwuchses soll gesichert werden

Fußball: Klubs der Samtgemeinde Brome planen Jugendfußball-Förderverein ab 2023/24

Gemeinsames Fußballspielen: Die Fußball-Klubs aus der Samtgemeinde Brome planen einen Jugendfußball-Förderverein.
+
Gemeinsame Zukunft!? Die Fußball-Klubs aus der Samtgemeinde Brome planen einen Jugendfußball-Förderverein. Die aktuelle A-Jugend der JSG Bergfeld/Parsau/Tülau (r.) etwa ist das einzige Team aus der Samtgemeinde im ältesten Nachwuchsjahrgang.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
    schließen

Bergfeld/Samtgemeinde Brome – Da könnte etwas Groß(artig)es entstehen: In der Samtgemeinde Brome werden derzeit die Weichen für die Zukunft des Jugendfußballs gestellt. Ein samtgemeindeweiter Jugendförderverein soll auf den Weg gebracht werden. Schon in der übernächsten Saison könnte der Spielbetrieb starten, wenn alles nach Plan verläuft.

Kein neues Thema. Aber eines, das offenbar Fahrt aufnimmt. Bei der Jahreshauptversammlung jüngst ging der TSV Fortuna Bergfeld (das IK berichtete) in die Offensive – stellvertretend erläuterte Lars Fischer den Plan. Seitens der JSG Bergfeld/Parsau/Tülau habe man sich überlegt, „wie die Zukunft unter Beachtung der Entwicklung der Anzahl der Jugendmannschaften“ aussieht.

Alarmierender Schwund

So würden laut DFB etwa 500 Jugendmannschaften in jedem Jahr abgemeldet, erörterte Fischer. Im Landkreis Gifhorn habe es im Jahr 2010 etwa 500 Jugendmannschaften gegeben. Zehn Jahre später seien es bloß noch etwa 280 gewesen – also fast eine Halbierung. Es sei aktuell immer schwieriger, Kinder und Ehrenamtliche für den Fußballsport zu gewinnen, führte Fischer aus. Auch in der Samtgemeinde Brome würden die Mitgliederzahlen im Juniorenbereich sinken.

Ein Beispiel: Die JSG Bergfeld/Parsau/Tülau habe derzeit die einzige A-Jugendmannschaft in der Samtgemeinde. Derzeit gebe es in dieser Mannschaft 26 Spieler – inklusive fünf Spielern aus Brome, die nach der Saison wieder dorthin zurückkehren. Nach der Saison werde es dann aufgrund von Personalmangel vermutlich keine A-Jugend mehr geben. Insgesamt gebe es in Wolfsburg bloß vier, im Kreis Gifhorn acht Mannschaften im ältesten Nachwuchs-Jahrgang. In der B-Jugend seien es in Wolfsburg und Gifhorn insgesamt 16 Teams.

Im Ergebnis zeige sich das Bild eines Tannenbaumes: Während es bei den Jüngeren noch eine hohe Anzahl an Mannschaften gebe, dünne sich dies mit steigendem Alter nach und nach aus.

Alle zehn Klubs gewillt

Um die Zukunft im Fußballnachwuchs zu sichern, soll etwas getan werden: Es gebe „die konkrete Planung als umfassende Lösung“, ab der Saison 2023/24 einen Jugendförderverein (JFV) für die gesamte Samtgemeinde Brome zu bilden.

Dieser JFV soll ein Verein beziehungsweise ein Bündnis aller Mannschaft der Samtgemeinde werden. Erste konkrete Gespräche hätten stattgefunden. Bisher gebe es keine Absagen, zehn Vereine (FC Brome, TuS Ehra-Lessien, TSV Fortuna Bergfeld, SV Teutonia Tiddische, Hoitlinger SV, SV BW Rühen, TSV Brechtorf, SV Tülau-Voitze, FC Germania Parsau, SV Eischott) hätten sich prinzipiell zum JFV bekannt.

Vorbilder aus Umland

Beispiele für ein entsprechendes Konstrukt gebe es auch in der Nachbarschaft: etwa den JFV Boldecker Land, den JFV Sassenburg oder auch den JFV Kickers (Hillerse-Leiferde-Volkse-Dalldorf). Bei dem geplanten Modell blieben die Spieler Mitglied in ihren jeweiligen Stammvereinen. Der JFV soll ein eigenständiger Verein werden, welcher die Spieler von ihren Vereinen „entleihen“ würde. Derzeit bestehende Mannschaften von Jugendspielgemeinschaften – wie die JSG Bergfeld/Parsau/Tülau – werde es dann so nicht mehr geben.

Das Ziel eines JFV bestehe darin, „der Sozialverantwortung gerecht zu werden und den Kindern das Fußballspielen zu ermöglichen“, unterstrich Fischer.

Macht auch Ohretal mit?

Es ist, gewissermaßen als Task Force, eine Arbeitsgruppe mit fünf führenden Köpfen gegründet worden. Weitere Treffen der Vereine sind geplant, um eine Vereinsgründung anzugehen – das nächste steigt bereits am heutigen Sonnabend in Brome. Dann dürfte on top sogar der FC Ohretal mit dabei sein, der aktuell noch mit dem FCB eine Jugendspielgemeinschaft bildet. „Ohretal ist erst einmal mit im Boot, wir haben sie zu dem Thema abgeholt. Wenn sie Interesse haben, können sie mit einsteigen. Aber das bleibt abzuwarten“, meinte Bromes Jugendleiter Domenik Traue. Als möglicher Start werde im Moment der 1. Januar 2023 anvisiert, der Spielbetrieb könnte dann bestenfalls ab der Saison 2023/24 starten.

„Riesengroße Aufgabe – aber wir kommen auf lange Sicht nicht drumherum“

Der TSV Fortuna Bergfeld ist mit der Preisgabe des geplanten Jugendfußball-Fördervereins in der Samtgemeinde Brome vorgeprescht. Grundsätzlich sind alle beteiligten Vereine bestrebt, diese schon länger gärende Idee auch in die Tat umzusetzen. Das IK hat sich dazu ein Meinungsbild von einigen Jugendleitern eingeholt und nach Beweggründen gefragt – dabei zeigt sich: Noch ist eine Machbarkeitsstudie vonnöten, es müssen noch sehr viele Fragen und Punkte geklärt werden, um den Weg für einen JFV zu ebnen. Gerade bei alteingessenen Mitgliedern müssen noch Denk-Blockaden ausgeräumt werden. Die Zeiten, in denen die Orte eigenständig Nachwuchsteams bilden konnten, sind passé.

Patrick Friedrich, SV BW Rühen: „Ich weiß nicht, wo die Reise hingeht. Es müssen noch viele Punkte und Strukturen geklärt werden. Was uns die größte Sorge macht, ist die Distanz. Von Eischott nach Brome etwa sind es 17 Kilometer. Wenn man das den Eltern erklärt, dann melden sie ihr Kind vielleicht ab und bringen es lieber nach Wendschott. Wir vom SV Rühen haben selbst kein Problem mit der Anzahl an Kindern. Wenn der JFV zustande kommt, stellen wir die meisten Spieler. Derzeit kommen wir auf knapp 130. Bei uns ist es aus der Not der Plätze heraus – wir kämpfen seit fast zehn Jahren um einen zweiten Sportplatz. Ein anderer Grund sind die ehrenamtlichen Trainer.“

Christoph Kaufmann, Hoitlinger SV: „Beim Blick in die Zukunft ist uns schon länger bewusst, dass wir auf auf lange Sicht nicht drumherum kommen. Aber solch ein JFV ist ein tiefer Eingriff ins Vereinsleben. Die Interessen von zehn Vereinen zu vereinen, die gewohnt waren, sich zu duellieren, ist eine riesengroße Aufgabe. Die Zahl der Bedenkenträger wird aber geringer. Wir versuchen gerade, den Jugendfußball-Förderverein auf dem Papier zu bauen, damit wir überhaupt eine Grundlage haben. Sprich: Wir stehen ganz am Anfang. Aber ich glaube, dass wir das hinbekommen. Dabei gibt es noch viele Frage links und rechts zu beantworten. Im Süden grenzen die Orte an Wolfsburg an, aus Sicht der Eltern sind das kürzere Wege. Eines ist klar: Wenn wir das Modell nicht durchsetzen können oder es in ein paar Jahren krachen geht, werden wir die Vereine nicht mehr so schnell an einen Tisch bekommen.“

Domenik Traue, FC Brome: „Wir haben das Ganze mit initiiert und sind positiv gestimmt, wollen das Projekt in jedem Fall auf die Beine stellen. Aber es muss noch viel passieren – das steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt bestimmt noch Reibungspunkte. Da hängt ja ein ganzer Rattenschwanz hinter. Auch: Wie sollen wir heißen? Welche Vereinsfarben nehmen wir? Wenn wir ein Konzept vorstellen können, sind die Trainer die Ersten, die wir abholen werden. Dann geht es weiter mit den Mitgliedern bei den Jahreshauptversammlungen.“

Mehr zum Thema

Kommentare