Überraschendes Reform-Modell durch den Bezirks-Spielausschuss

Drei regionale Sechser-Gruppen: So sieht die Fußball-Bezirksliga in der neuen Saison aus

Aufgrund des neuen Staffel-Modells für die Saison 2021/22 in der Fußball-Bezirksliga könnten der FC Brome (M. Marvin Keller) und VfL Wahrenholz (r. Daniel Müller) gleich viermal im Nordkreis-Derby aufeinandertreffen.
+
Dieses Derby könnte es in der kommenden Bezirksliga-Saison gleich viermal geben: Wenn die hocheingeschätzten Teams FC Brome (M. Marvin Keller) und VfL Wahrenholz (r. Daniel Müller) sich gemeinsam für die Aufstiegsrunde qualifizieren, kommt es zum Dauer-Duell.
  • Ingo Barrenscheen
    vonIngo Barrenscheen
    schließen

Rein von der Anzahl der potenziellen Spiele abgeleitet, klingt es inmitten der vielen Modell-Varianten nach dem goldenen Mittelweg. Der Fußball-Bezirk Braunschweig switcht für die neue Spielzeit 2021/22 in der Herren-Bezirksliga noch einmal um. Nachdem in der annullierten Vorsaison die vier Staffeln zweigeteilt worden waren, wird es nun in erster Instanz noch kleinteiliger.

Erst eine Quali, dann Auf- und Abstiegsrunden

Die bisherige Bezirksliga 1 (mit den drei Nordkreis-Klubs VfL Wahrenholz, FC Brome und VfL Germania Ummern) wird künftig sogar dreigeteilt. In Sechser-Divisionen. Praktisch eine Vorrunde mit insgesamt zehn Spieltagen. Im Anschluss geht es mit einer Aufstiegs- und Abstiegs-Gruppe weiter. Die jeweils ersten Drei (also insgesamt neun Teams) machen den künftigen Landesligisten unter sich aus, die jeweils letzten Drei ermitteln wiederum die drei Absteiger. Summa summarum käme dann jeder Klub auf 26 Paarungen. Auf diese durchaus überraschende Variante hat sich der Bezirks-Spielausschuss in seiner jüngsten Sitzung festgelegt.

In den Play-Offs geht es von Null wieder los

Besonderheit: „Die Punkte und Tore aus den Qualifikationsspielen werden nicht mit rübergenommen. Wir beginnen dann wieder bei Null“, erörtert Bernd Naujoks, im Ausschuss zuständig für die Bezirksliga 1. Gleichwohl treffen alle Teams noch einmal aufeinander. Sprich: Es könnte also zu vier Derbys zwischen Wahrenholz und Brome binnen einer Serie kommen!

Die Punkte und Tore aus den Qualifikationsspielen werden nicht mit rübergenommen in die Auf- und Abstiegsrunde. Wir beginnen dann wieder bei Null.

Bernd Naujoks, Staffelleiter der Bezirksliga 1

Lange Winterpause als Contra für Zweiteilung

Der Widerhall der hiesigen Vereine ist zwiegespalten (siehe Info-Kasten). Während der wegweisenden Sitzung hätten die Verantwortlichen die verschiedenen Modelle durchleuchtet, so Naujoks. Eine zweigeteilte Liga wie in der abgelaufenen Runde hätte eine „sehr, sehr lange Winterpause“ nach sich gezogen. Von Mitte November bis Ende März. „Das erschien uns doch recht lang.“ Auch der Gedankengang, zur normalen Staffelstärke zurückzukehren, wurde diskutiert. Aber aufgrund von Skepsis bei dann 34 Spieltagen verworfen. „Keiner weiß genau, was im Herbst/Winter passiert. Ob wir noch eine vierte Corona-Welle kriegen.“

Notfall-Plan für Abbruch noch offen

Wie übrigens mit dem Auf- und Abstieg verfahren wird, sollte es wieder zu einem Pandemie-Cut kommen, ist für die Bezirksliga noch nicht geklärt. Angenommen, zur Winterpause ist schon wieder Schicht im Schacht – angesichts von drei Gruppen lässt sich nicht mal eben unkompliziert, wie in der Landesliga vorgesehen, eine Relegation inszenieren. Den dritten Saison-Abbruch in Folge will sich der Staffelleiter ohnehin nicht ausmalen: „Das wäre langsam fatal.“

Starttermin mit kleinem Fragezeichen versehen

Noch nicht in Stein gemeißelt, aber zumindest anvisiert: Saisonstart wäre am 15. August mit der ersten Runde im Bezirkspokal, eine Woche später würden dann die Punktspiele angepfiffen werden. Dieser Kalkulation zufolge wäre die Vorrunde am 24. Oktober vollendet, skizziert Naujoks. Alles sei aber noch „mit einem kleinen Fragezeichen“ versehen. Weil der Bezirk noch auf den Rahmenspielplan des Niedersächsischen Fußball-Verbands für die übergeordnete Oberliga wartet.

Wahrenholz, Ummern und Brome zusammen!?

Ebenfalls noch offen ist die genaue Zusammenstellung der Bezirksliga-Staffeln. Der Bezirk will zunächst einmal den Meldeschluss am 21. Juni abwarten, „damit wir keine bösen Überraschungen erleben“, verdeutlicht Naujoks. Der Grundgedanke sei aber, die einzelnen Fraktionen „nach regionalen Begebenheiten“ einzuteilen. Vermutlich bildet demzufolge, ins Unreine gesprochen, das Nordkreis-Dreigestirn Wahrenholz, Brome und Ummern mit dem MTV Gamsen, VfR Wilsche-Neubokel und der SV Gifhorn demnächst eine Einheit.

„Dieser Misch-Masch erschließt sich mir nicht“

Das nochmals revolutionierte Bezirksliga-Saisonmodell im Fußball-Bezirk Braunschweig haben die drei Nordkreis-Vertreter durchaus mit Erstaunen und teils auch mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen. Die Meinungen driften auseinander, es gäbe Vor- und Nachteile der Variante mit den kleinen Vorrunden-Staffeln und anschließender Zwei-Klassen-Gesellschaft. Das sagen die hiesigen Verantwortlichen:

Mark-Oliver Schmidt, Trainer des FC Brome, winkt perplex ab: „Es wird immer verrückter, was die sich einfallen lassen...“ Er könne den Ansatz des Spielausschusses „nicht wirklich verstehen. Einerseits jammern sie rum, dass die Pandemie noch nicht überstanden ist, andererseits hauen sie uns so doch wieder mehr Spiele rein. Genau das erschließt sich mir nicht. Wir leben im Corona-Zeitalter, wo man die Liga einfach hätte wieder teilen können.“ So wie in der Vorsaison eben. Was dann im Maximalfall zu 20 Begegnungen in der Spielzeit geführt hätte. Mit der Vorrunden-Dreiteilung plus Auf- und Abstiegsdivision sind es nun 26 Partien. Das seien „trotzdem viele Spiele“. Schmidt hätte es lieber gesehen: Entweder eine vollwertige Saison oder eben die Light-Version. Aber nicht „dieses Mischding“.

Auch Jan Schöbel, Spartenleiter und Co-Trainer beim VfL Wahrenholz, ist „tatsächlich ein bisschen verwundert“ ob der angedachten Regelung, schlägt in die gleiche Kerbe. „Erst hieß es direkt nach dem Abbruch, es soll kleine Staffeln geben. Unter diesem Aspekt sind die Playoffs schwer nachzuvollziehen, weil es nicht zur Argumentation von damals passt.“ Die nunmehr gewählte Variante hätte in Gänze ja „ähnliche Dimensionen“ wie eine klassische Serie. Gerade für die Teams in der Abstiegsrunde würde sich „enormer Druck“ aufbauen. Andersherum: Wer es in die Aufstiegs-Gruppe schafft, dem eröffnet sich ein neuartiger Reizpunkt. Das sieht auch Schöbel so. „Das ist dann wie beim Eishockey. Du kannst befreit aufspielen. Das ist etwas, was noch nie da war, und schon relativ spannend“. Eine regional gestaltete Vorrunde fände er „gar nicht so schlecht“. Aber letztlich zähle schlichtweg der Re-Start. „Nach so langer Zeit nehmen wir sowieso alles so, wie es kommt.“

Alles andere als begeistert reagiert auch der neue Coach des VfL Germania Ummern auf die Perspektive. Hartmut Müller erklärte: „Ich bin nicht so erbaut darüber, fand die bisherige Einteilung etwas besser. Da wusste man nach 18 Spielen, das Ding ist erledigt.“ Gerade für den Underdog, der eine zweite Bewährungschance auf diesem Niveau erhält, ist die große Anzahl an Matches aufgrund des kleinen 18er-Kaders eher nachteilig. Verletzungen könnten sich massiv niederschlagen. Gerade die Quali könnte eine „harte Runde“ werden. Müller: „Weil jeder so gut wie möglich abschneiden will, ist fast jedes Spiel ein Endspiel.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare