Nach Aussagen von Aues Profi-Keeper Martin Männel

Wie groß muss ein Torwart sein? Für Wahrenholzer Justus Ganz zählt mehr das Talent

Torwart Justus Ganz fliegt mit gerade einmal 1,78 Meter Körpergröße beim VfL Wahrenholz durch den Strafraum.
+
Torwart Justus Ganz fliegt mit gerade einmal 1,78 Meter Körpergröße beim VfL Wahrenholz durch den Strafraum.
  • Rouven Peter
    vonRouven Peter
    schließen

Wie groß muss ein Fußball-Torwart sein? Martin Männel, Keeper von Zweitligist Erzgebirge Aue, hält eine Diskussion über die Körpergröße eines Torhüters für „typisch Deutsch“. Wahrenholz-Schlussmann Justus Ganz und sein Ummern-Pendant Marvin Kuhls pflichten ihm bei.

Wahrenholz/Aue – 1,83 Meter misst Martin Männel – und hat jüngst die 300-Spiele-Marke in der 2. Bundesliga geknackt, gehört im deutschen Unterhaus zu den besten Keepern. Und doch wird immer wieder auf seine Maße geschaut, die der Auer gut kompensiert. „Ich finde, das ist auch eine typisch deutsche Diskussion“, sagte Männel der Neuen Osnabrücker Zeitung, angesprochen auf seine Größe. Einst wurde der Kapitän der Erzgebirgler bei Energie Cottbus aussortiert – zu klein, hieß es.

Viele Beispiele

Doch Männel ist seinen Weg gegangen und in Aue zum unangefochtenen Stammspieler gereift – und hat sogar ein Kopfballtor erzielt. „Sprungkraft und Reaktionsschnelligkeit kann man gut trainieren, was auch die fehlenden Zentimeter wettmacht“, findet Männel. „Ich habe versucht, schon in früheren Jahren durch Trainingsfleiß die Nachteile gutzumachen. Und wenn ich mir die vergangenen Jahre anschaue, dann habe ich vieles richtig gemacht.“

Und es gibt reihenweise kleiner Keeper, die es weit geschafft haben: Patrick Pemberton war bei der WM 2014 und 2018 im Kader von Costa Rica – und nur 1,78 Meter groß. Jean-Luc Ettori kam mit seinen 1,72 Metern mit Frankreich bis ins WM-Halbfinale 1982. Auch der mehrmalige Welttorhüter Iker Casillas war mit seiner Körpergröße von 1,82 Metern vergleichsweise klein, dafür in seinem Fach einer der Größten. Männel: „Er war bis zu seinem Karriereende eine Legende. Da gab es solche Diskussion nicht. Allein durch die Körpergröße hat man nicht automatisch mehr Präsenz.“ In der Bundesliga ist Yann Sommer (1,83 Meter) von Borussia Mönchengladbach ein prominentes Beispiel.

Für kleingewachsene Torhüter ist Sprungkraft-Training das A und O

Auch das zuletzt beste Team im Nordkreis, der VfL Wahrenholz, setzt auf einen vergleichsweise kleineren Schlussmann: Justus Ganz. Der hält eine Debatte im Profibereich für verständlicher als bei den Amateuren: „Da machen ein paar Zentimeter noch mehr aus.“ Als Großer habe man zwar „einen kleinen Vorteil“, aber „wenn man Talent hat, hat man einen größeren Vorteil. Das Talent kann man mit der Körpergröße vergleichen. Man kann beides nicht beeinflussen.“ Wie auch Männel rät Ganz kleingewachsenen Torhütern, primär die Sprungkraft zu trainieren: „Ab dann ist es egal, was man trainiert, solange man im Tor schnell jede Ecke erreichen kann.“

„Die Position ist so besonders; man kann superschnell der Held und Loser sein.“ 

Wahrenholz-Schlussmann Justus Ganz über die Torhüter-Position

Seit der B-Jugend steht der Ex-Wesendorfer zwischen den Pfosten. Den Schritt von der Innenverteidiger-Position ins Tor bereut er bis heute nicht: „Die Position ist so besonders; man kann superschnell der Held und Loser sein.“ Und dabei spielt es nicht mal eine Rolle, wie groß man letztlich ist...

Ummern-Keeper Marvin Kuhls meint: „Die Leistung hat nichts mit der Größe zu tun“

Ummern – Auch Keeper und Spartenleiter Marvin Kuhls vom Fußball-Bezirksligisten VfL Ummern gehört mit 1,70 Metern zu der Riege der kleinen Torhüter. Dem Isenhagener Kreisblatt stand er zur Körpergrößen-Debatte Rede und Antwort.

Muss ein Keeper zwangsläufig auch ein Schrank sein?

Nein, wobei ein Schrank schwieriger zu umspielen ist als ein kleiner Strich (lacht). Man muss kein Schrank sein. Wenn man gut auf den Beinen ist, geht das auch. Die Leistung hat nichts mit der Größe zu tun.

Wieso bist du mit 1,70 Metern Körpergröße im Tor gelandet?

In der Jugend war ich eigentlich Libero, dann hatten wir keinen Torwart mehr. Mein damaliger Trainer hat mir gesagt: ‘Marvin, wir versuchen es mit dir!’. Dann hat es ihm wohl gefallen, so dass ich sehr lange im Tor geblieben bin. Fast die Jugend durch bis zur B- oder A-Jugend. Dann durfte ich erst wieder raus.

Was ist für einen verhältnismäßig kleinen Keeper wichtig?

Ein kleiner Torhüter muss eine gute Reaktion haben, schnell auf den Beinen sein und eine gute Sprungkraft besitzen.

Gab es schon den einen oder anderen Spruch in deine Richtung, wieso denn ein solch kleiner Keeper im Tor stehe?

Gab es tatsächlich. Ich kann mich erinnern, da haben wir gegen eine Reserve gespielt. Die Spieler aus der ersten Mannschaft waren schon da und haben zugeguckt. Und die haben sich lustig gemacht hinter dem Tor, das weiß ich noch ganz genau. Und dann kam ich halt und habe die eines Besseren belehrt. Das Lachen hat schnell aufgehört.

Gibt es sonst noch eine besondere Geschichte aus der Vergangenheit?

In der C-Jugend war ich damals für die Kreisauswahl vorgesehen und wurde zum Spiel gegen den Kreis Braunschweig eingeladen. Der erste Torwart von uns hat sich in der ersten Halbzeit drei Dinger gefangen. Danach kam ich rein und habe keinen Ball mehr reingelassen und sogar zwei Tore für meinen damaligen Mitspieler Waldemar Bier vorbereitet. Das hat richtig Spaß gemacht. Aber damals hieß es, ich sei zwar ein guter Torhüter, aber aufgrund der Größe wäre ich letztlich doch nur die Nummer drei. Da war auch der Punkt, wo ich dachte, dann brauche ich auch nicht mehr in der Kreisauswahl zu spielen. Aber es ist auch ein Zeitpunkt gewesen, wo ich den Fokus auf draußen gelegt habe, weil mir eben aufgrund der Größe Steine in den Weg gelegt wurden.

Was bedeutet für dich die Position, was macht sie so besonders?

Die Torhüterposition ist in meinen Augen eine sehr wichtige Position. Mache ich einen Fehler, resultiert daraus meistens gleich ein Gegentor. Macht ein Stürmer einen Fehler, hat er oder die Mannschaft noch andere Möglichkeiten, den Ball zurückzugewinnen. Es ist schwierig, einen guten Torwart zu finden. Als Spartenleiter merke ich das auch gerade.

Torwart oder Feldspieler – was gefällt dir mehr?

Ich war ja sehr lange draußen. Mir gefällt aber wirklich beides; ich helfe meiner Mannschaft gern im Tor und auch draußen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare