Fußball – Tolles Revival beim SV Hagen-Mahnburg erinnert an das erste deutsch-deutsche Spiel nach dem Mauerfall

Es war (fast) alles wie vor 25 Jahren...

Zeitzeugen: Manfred Gades (v. l.), Hartmut Förster und Carsten Borchert erinnerten sich an die ersten Begegnungen.

Mahnburg. Die Bedenken waren unbegründet.

Auch 25 Jahre nach dem geschichtsträchtigen ersten deutsch-deutschen Fußballvergleich nach dem Fall der Berliner Mauer machten die einstigen Spieler des SV Hagen/Mahnburg und von BSG Traktor (heute FC) Jübar/Bornsen eine sehr gute Figur auf dem Platz.

Körperlich um 25 Jahre reifer, aber im Kopf jung geblieben präsentierten sich die Spieler auf beiden Seiten zum Finale der HaMa-Sportwoche. Schiedsrichter Stefan Theuerkauf, seit vielen Jahren beim VfL Wahrenholz aktiv und damals Linienrichter beim Rückspiel in Jübar, hatte sogar sein original 5-DDR-Mark-Stück dabei, mit dem die Seitenwahl am Sonntag wie damals entschieden wurde. Taktisch klug aufgestellt, technisch gut am Ball zeigten sich die Oldies im Revival-Spiel. Und diesmal gelang den Gästen aus Jübar auch das, was sie vor 25 Jahren in zwei Spielen nicht geschafft hatten. Sie siegten am Ende des zweimal 20-Minuten-Spiels 4:1.

Dabei zeigte der heimische Torwart Matthias Bürke etliche Glanzparaden. Sein Gegenüber Stefan Meyer, vormals Libero, diesmal im Tor („Damals war ich schlanker“), hielt sogar einen Foulelfmeter. Die Sprüche seitens der Zuschauer reichten von „Mensch, ist der langsam geworden“ bis „Die spielen ja sogar mit Abseitsfalle“.

Die Wiedersehensfreude überwog ohnehin, nicht nur beim Spiel. Im Vorfeld gab es für die Gäste von beiden Seiten der ehemaligen Grenze eine Zeitreise. In Interviewform erinnerten sich Manfred Gades (Spielertrainer des SV HaMa), Carsten Borchert (Spieler und Vorsitzender von BSG Traktor Jübar/Bornsen) und Pastor Hartmut Förster, kurz vor und nach der Wende Vorsitzender des Ost-Clubs. „Ich war während der Wendezeit direkt im Vorstand“, erinnerte sich Förster, der schon kurz nach dem Mauerfall Predigten in Radenbeck und Zasenbeck hielt. Dass es überhaupt zu dem deutsch-deutschen Premierenspiel am 22. November 1989 kurz nach dem Fall der Berliner Mauer kam, war auf eine Initiative von Gades zurückzuführen. „Ich schrieb mehrere Gemeinden in Sachsen-Anhalt an, Jübar hatte als erste geantwortet. Und dann ging alles sehr schnell.“

Das Traktor-Team hätte „ohne große Formalitäten in den Westen reisen dürfen“, berichtete Förster. Andersherum war es allerdings komplizierter. „Wenn die damaligen BRD-Bürger zu uns wollten, mussten sie wie bisher Anträge stellen, Pässe abgeben, da war nichts mit vereinfachtem Grenzverkehr“, sagte Förster. Doch auch der Gegenbesuch am 16. Dezember 1989 in Jübar klappte.

Nach der Wende wurde es schwierig für die Fußballfreunde in den neuen Bundesländern. „Auf einmal musste wir alles selber organisieren und alles musste bezahlt werden. Eine Satzung musste her, wir hatten mit Steuer-, Finanz- und Vereinsrecht zu tun“, erzählte Förster. Zum Glück fand sich mit Horst Gaedeke, der früher die zweitgrößte private Firma in der DDR unterhielt, ein großzügiger Sponsor.

Präsent war für die Hagen/Mahnburger auch die Gaststätte in Jübar. „Die Schnapsbecher waren erheblich größer als bei uns, und die Stufen hatten nicht DIN-Norm“, schmunzelte Gades. „Aber auf das Fußballspiel könnt ihr stolz sein. Das fand nicht in Berlin und München oder Magdeburg statt, sondern in Mahnburg, mit Jübar/Bornsen“, meinte Gades am Sonntag in Richtung der jüngeren Gäste. „Das wird euch in den nächsten 100 Jahren niemand nehmen können. Sorgt dafür, dass es in den nächsten 50 Jahren noch aktuell ist.“

Auch das Medieninteresse damals war sehr groß. Im NDR gab es einen siebeneinhalb Minuten Bericht in der Sportschau. Allerdings musste Gades noch knabbern, wenn er an die Interviews dachte. „Carsten war im Fernsehen, ich nur im Rundfunk“, meinte er und lachte: „Das nagt heute noch an mir.“

Die Verbindungen zwischen den Orten wurden nach der Grenzöffnung noch intensiver. Einige Spieler wechselten die Seiten, gleich nach der Grenzöffnung, aber es geht auch etwas zurück. „Ich beziehe meine Kartoffeln seit zehn Jahren aus Mahnburg“, betonte Förster.

Wittingens Stadtbürgermeister Karl Ridder war als Zuschauer mit dabei. „Ich habe damals auch gespielt, beim TSV Suderwittingen. Wir haben nach diesem historischen Spiel dann gegen Kakerbeck in der Altmark gespielt“, erinnerte er sich. „Aber das war nicht mehr ganz so aufregend.“

Nach dem Jubiläums-Erinnerungsspiel traten die aktuellen Herren-Teams zum Freundschaftsspiel an – nach 0:2-Rückstand holte HaMa dank der Last-Minute-Tore von Felix Weitemeier (87.) und Marco Jäkel (89.) noch ein schiedlich-friedliches 2:2.

Zuvor hatte der SV-Vorsitzende Torsten Haase allen gedankt. „Von den Kuchenbäckerinnen über die Cocktailmixerinnen bis hin zu denjenigen, die immer für Ordnung gesorgt haben. Ohne die ist so eine Sportwoche nicht machbar.“

Von Burkhard Ohse

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