Fußball: Horst Hrubesch ist kein Freund des revolutionären UEFA-Turnierprojekts / „Man versucht, das Rad neu zu erfinden“

Europaweite EM 2020: „Verrückte Idee“

Der revolutionäre EM-Plan von UEFA-Präsident Michel Platini (links) stößt bei Horst Hrubesch (im Hintergrund) auf wenig Gegenliebe. Fotos: dpa / picture alliance

Uelzen. Es ist ein verrückter Plan. Das findet selbst der Initiator und UEFA-Präsident Michel Platini. 2020 findet erstmals eine europaweite Fußball-EM statt. Was sagt eigentlich ein Europameister dazu? Das IK hakte bei Horst Hrubesch nach.

Der 61-Jährige muss es schließlich wissen. Das einstige Kopfballungeheuer, das seit vielen Jahren in Klein Ellenberg bei Suhlendorf lebt, absolvierte Anfang der 80er Jahre 21 Länderspiele für Deutschland. 1980 wurde Hrubesch Europameister, 1982 Vize-Weltmeister. Doch meisterlich findet Hrubesch Platinis Plan nicht.

„Wenn man sieht, wie die EM bisher gelaufen ist, dann finde ich, dass es die beste Form und ideal ist. Man versucht, das Rad neu zu erfinden“, sagt der aktuelle Trainer der deutschen U19-Nationalmannschaft, der weitere Bedenken hegt. Bereits bei der EM 2016 in Frankreich wird die Anzahl der Mannschaften von 16 auf 24 erhöht. Dabei bleibt es auch 2020. „Ob das Sinn macht, weiß ich nicht. Es wird schon jetzt über zu viele Spiele geklagt. Deshalb weiß ich nicht, ob das so klug ist“, hinterfragt Hrubesch.

Damit einher gehen die Reisestrapazen, die ebenfalls zum Problem werden könnten, findet der ehemalige Fußball-Profi. „Der Reisestress spielt auch eine Rolle. Innerhalb eines Landes ist er ja verkürzt. So aber steigt er. Und ich weiß nicht, ob das die Bundesliga/DFL (Deutsche Fußball Liga, Anm. d. Red.) will.“

Kritiker befürchten, dass angesichts der Aufsplittung ein richtiges EM-Flair bei den Fans nicht aufkommt. „Das ist schwer zu beantworten“, so Hrubesch, der aber davon ausgeht, „dass die Fanmeilen in Deutschland erhalten bleiben“. Die Skepsis verlässt ihn aber nicht. „Ich frage mich, ob es Sinn macht, ein, zwei Spiele in Deutschland zu machen. Es ist schwer, jedem gerecht zu werden. Wo findet das Eröffnungsspiel, wo das Endspiel statt.“ Fragen, auf die selbst die UEFA noch keine Antwort hat, dennoch viele Befürworter findet. So wie den DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. „Aus Sicht der UEFA und der europäischen Idee ist der Gedanke des EM-Turniers, das sich über den gesamten Kontinent erstreckt und möglichst viele Länder einschließt, sehr reizvoll“, hatte dieser erklärt. Fußball als verbindendes Element zwischen Moskau und Madrid, Stockholm und Rom? „Fußball-Europa ist doch schon lange zusammengewachsen. Wir haben ja schon seit langem die Champions-League oder die EM-Qualifikationsspiele“, entgegnet Hrubesch, der sich in einem Punkt mit Platini einig ist. Der UEFA-Präsident hatte selbst erklärt, dass es vielleicht eine verrückte Idee, aber eine gute sei. „Verrückt ist die Idee allemal. Ob sie gut ist, wird sich erst im Nachhinein zeigen“, sagt Hrubesch.

Von Arek Marud

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