Enttäuschung statt Nordderby

Ein trauriger Haufen: Die HSV-Legenden aus Brome, hier vor mehreren Monaten vor einer Partie, müssen sich auf ein weiteres Jahr der Hanseaten in Liga 2 einstellen.
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Ein trauriger Haufen: Die HSV-Legenden aus Brome, hier vor mehreren Monaten vor einer Partie, müssen sich auf ein weiteres Jahr der Hanseaten in Liga 2 einstellen.

Ummern/Brome – Kommt der Hamburger SV überhaupt noch einmal zurück? Eine berechtigte Frage, denn die Rothosen verpassten zum zweiten Mal in Folge nur knapp den Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga.

Selbst die Steilvorlage aus Bielefeld am letzten Zweitliga-Spieltag konnten die Hanseaten nicht nutzen. Frust pur natürlich auch bei den HSV-Fanclubs „HSV-Legenden Brome“ und „Ummern 03“ aus dem Isenhagener Land.

Heute Abend gilt es: Bleibt der SV Werder Bremen im Oberhaus oder schafft der 1. FC Heidenheim den Überraschungs-Aufstieg? Ab 20.30 Uhr kreuzen die beiden Teams im Relegations-Hinspiel die Klingen – zunächst im Bremer Weserstadion. Duell Nummer zwei steigt am Montag (20.30 Uhr) beim (Noch-)Zweitligisten.

Gerade ein Duell gegen den Nord-Rivalen aus Bremen wäre natürlich auch für den Hamburger SV reizvoll gewesen. Dieser scheiterte aber erneut an der geplanten Rückkehr in Liga 1. Das Heidenheimer 0:3 am Sonntag in Bielefeld nutzte die Elf von Trainer Dieter Hecking nicht und unterlag dem SV Sandhausen mit 1:5. Dadurch landeten die Rothosen zum zweiten Mal in Folge auf Rang vier.

Hatten es die Hamburger Anhänger kommen sehen? „Naja, eigentlich teils, teils. Ich persönlich hatte mit dem Aufstieg nach Pfingsten schon abgeschlossen. Aber einige unserer Mitglieder hatten die Hoffnung bis zum Ende nicht verloren“, berichtet Tobias Dankert von den Bromer HSV-Legenden. Die Vorstellungen nach dem Re-Start seien laut Dankert ohnehin „nicht erstligatauglich“ gewesen. Daher sind die Burgherren sogar „ganz froh, dass wir jetzt nicht gegen Bremen spielen“. Die über 50 Personen umfassende Bromer Fangemeinde, in deren Reihen sich rund eine Handvoll Dauerkartenbesitzer tummeln, feiert 2021 übrigens ihr Fünfzehnjähriges – und in diesem Rahmen vielleicht dann auch (endlich) den Aufstieg? „Wenn wir es die nächsten zwei Jahre nicht schaffen, wird die 2. Liga wohl ein Dauerläufer für uns sein“, vermutet Dankert. Seiner Ansicht nach hätten die fehlenden Anhänger im Stadion schon eine wichtige Rolle gespielt, aber: „Wir waren zuletzt konditionell nicht mehr wirklich auf der Höhe, und dann spielt auch der Kopf eine Rolle.“ Dankert würde daher an Coach Hecking und Sportchef Jonas Boldt („Ein gutes Duo, das eigentlich auch nach Hamburg mit seinem schwierigen Umfeld passt“) festhalten, stattdessen vorwiegend daran arbeiten, „die Abwehr stabil zu bekommen. Unsere Tore haben wir zuletzt eigentlich immer gemacht.“

Ein klares Konzept in der Hansestadt würde sich hingegen Mathias Heilmann, Vorsitzender des HSV-Fanclubs Ummern 03, bestehend seit 2003 und aus etwa 50 Mitgliedern, wünschen. „Man muss da endlich mal Stabilität reinbekommen“, verdeutlicht Heilmann, der an Hecking, Boldt & Co. festhalten würde. Stattdessen nimmt der Nordkreisler die Akteure in die Pflicht. „Ich kann das gar nicht wirklich in Worte fassen, was da passiert ist. In meinen Augen war das eine reine Kopfsache“, erklärt Heilmann, um weiter auszuführen: „Die Spieler haben einfach körperlos agiert. Die letzten Partien waren alles andere als berauschend.“ Ob es vielleicht auch an den nicht anwesenden Fans im Stadion lag? Heilmann glaubt nicht zwingend daran: „Überlegt habe ich auch schon, aber mit diesem Umstand hatten ja alle Mannschaften zu kämpfen. Von daher glaube ich nicht, dass das ausschlaggebend war.“

In der Relegation – das scheint wenig verwunderlich – drücken die Rauten-Anhänger dem 1. FC Heidenheim die Daumen. Damit es zumindest in Liga 2 zum Derby gegen den SV Werder Bremen kommt. Heilmann beispielsweise gibt zu verstehen: „Vor zwei Jahren haben die Bremer über uns gelacht, als wir abgestiegen sind. Nun würden wir Gleiches natürlich gern andersherum machen.“ Dankert versicherte hingegen, dass eine „imaginäre Heidenheim-Fahne“ aus seinem Fenster hängen würde.

VON FLORIAN SCHULZ

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