Fußball – Halbzeitwertung im VGH-Fairness-Cup 2014/15: Nur sechs Teams in Niedersachsen schlechter als Sprakensehl

SSV als Enfant Terrible: „Nicht stolz drauf“

Vorhop (Florian Schneider) geht fairer mit den Gegnern um.

Gifhorn. Nomen ist nicht immer gleich Omen. Anders, als es der Name vermuten ließe, hat sich der TSV Rothemühle im ersten Halbjahr zum Vorzeige-Verein im Fußball-Kreis Gifhorn gemausert.

Keine Rote Karten, keine Gegner zerschrotet: Das bringt dem Kreisligisten in der Halbzeitwertung des VGH-Fairness-Cups Platz 14 im Sportlichkeits-Barometer von Niedersachsen ein! Auf der Kehrseite dieser mannschaftlichen Manieren-Medaille findet sich der SV Sprakensehl wieder.

Von der Bundes- bis runter zur Kreisliga sind gut 8400 Begegnungen von 1014 Teams in die NFV-Wertung miteingeflossen. Sprakensehl gehörte eindeutig zu den schwarzen Schafen: Nur sechs Vertretungen im kompletten Bundesland rangieren im Rüpel-Ranking noch hinter dem SSV.

„Da sind wir nicht stolz drauf“, bekräftigte Trainer Goran Spiroski. Er hatte schon geahnt, dass sein Club nicht die beste Benimm-Bilanz vorweisen würde. Aber nicht, dass es so drastisch wird. „Das lag an der Anfangsphase der Saison“, meint der Coach der Schwarz-Gelben. „Nach dem Abstieg herrschte doch viel Chaos. Einige Spieler waren noch nicht soweit für die Kreisliga.“ Und wussten sich offenbar nur mit Fouls zu helfen. Zum Ende der Hinserie sei aber schon ein Aufwärtstrend deutlich geworden, so Spiroski. Dieser soll sich fortsetzen. „Wir geloben Besserung, wollen uns nicht selbst schwächen und versuchen zur Rückrunde in der Wertung noch zu klettern.“

Auf- und Abstiege unsportlicher Natur haben auch andere Nordkreis-Teams hinter sich. So rutschten der VfL Knesebeck (Platz 376, Vorjahr 55), VfL Wahrenholz (380./118.), FC Brome (689./359.) oder der SV Hankensbüttel (835./607.) in der Sünder-Kartei doch kräftig ab.

Es gab aber auch Gegen-Beispiele. Etwa den VfL Vorhop. Nach dem Mega-Absturz im Winter 2014 (Platz 966) haben sich die Rot-Weißen ins solide Mittelfeld vor(bildlich)gearbeitet. Einflussnahme vom neuen Trainer Thorsten Thielemann? „Ich habe nicht eingewirkt“, erwidert dieser. „Aber auch einige Schiedsrichter haben zu mir gesagt: Deine Jungs sind richtig ruhig geworden.“ Und die drei Ampelkarten, die Vorhop locker fast 300 Plätze kosteten, empfand Thielemann als extrem fragwürdig: „Darüber lache ich mich tot.“

Ein neues Leitbild statt Leidbild scheint auch der SV Groß Oesingen zu verfolgen. Mit Position 156 niedersachsenweit stellt die Riege von Detlef Weber das leuchtende Beispiel im Isenhagener Land dar.

Noch mustergültiger präsentieren sich bisher aber die Knaben vom TSV Rothemühle. Nur 18 Mal Gelb in 14 Spielen und damit Gifhorns Halbzeit-Krone: „Das ist das erste Mal in der Vereinsgeschichte“, staunte Coach Felix Wintgen. Die Ideallinie hänge auch mit der sportlichen Entwicklung zusammen. „Die Spieler können sich auf ihre spielerischen Qualitäten konzentrieren – und nicht aufs Treten.“

Die Südkreisler dürfen nun sogar davon träumen, auf dem Treppchen zu landen. Die drei fairsten Teams im NFV werden mit stattlichen Gewinnen ausgezeichnet. Der Sieger kommt in den Genuss eines Wochenend-Trainingslagers im Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen, Platz zwei wird mit dem Besuch eines Bundesliga-Spiels belohnt.

Übrigens: Im Kreisvergleich ist Gifhorn wieder ein Stück weit abgesegelt nach dem jüngsten Positiv-Trend. Platz 23 von 43 berücksichtigten Kreisen steht zur Winterpause zubuche. Gesundes Mittelmaß, aber ausbaufähig.

Von Ingo Barrenscheen

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