Handball: Ob Kiels einstiger „Finanzminister“ oder der Doppel-Europapokalsieger – das Oldie-Treffen des VfL will keiner missen

Einmal Wittingen, immer Wittingen: Alte Liebe rostet nicht

Sie hatten sich wieder viel zu erzählen: Die Handball-Heroen des VfL Wittingen bei ihrem Jahrestreffen. Foto: Barrenscheen

ib Wittingen. Günther Dittmer hat in seinen 17 Jahren als Finanz-Fachmann des großen THW Kiel Gott und die Welt kennengelernt. Und doch zieht es ihn, wie von magischer Hand geleitet, immer wieder zurück zu seinen Wurzeln. Nach Wittingen. Der Wiege seines (Handball)-Lebens.

Einer von vielen Handball-Heroen vergangener Tage, die – teils fernab des Isenhagener Landes – ihr fortwährendes Band zum VfL nie losgelassen haben.

Einmal Wittingen, immer Wittingen. Bereits zum vierten Mal pflegten am vergangenen Wochenende exakt 50 Oldies ihr heutiges wie damaliges Netz-Werk. Eine runde Summe. Eine runde Sache. Findet Dittmer. „So etwas schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Die Organisation ist so etwas von anerkennenswert“, überschüttet der heutiger Kieler seinen früheren Weggefährten Horst-Jürgen Günther und Klaus Metzner mit Lob. Diese finden Jahr für Jahr aufs Neue in akribischer Detektiv-Arbeit aktuelle Adressen ehemaliger VfL-Handballer heraus.

Dittmer deutet auf ein historisches Foto an der Wand im Hotel Nöhre und gerät prompt ins Schwärmen: „Die Zylinder-Truppe werde ich nie vergessen.“ Kameraden, Freunde fürs Leben. Gemeinsam mit Metzner bildete Zahlen-Jongleur Dittmer einst die personifizierten PC beim Wittinger Jugendhandball-Turnier.

Erinnerungen, die ihm mindestens so lieb und teuer sind wie die exklusiven Einblicke beim deutschen Spitzenclub THW Kiel. Dittmer prägte die Blütezeit der Zebras mit. Tourte mit dem Serienmeister quer durch Europa und wurde vom damaligen Manager Uwe Schwenker liebevoll „Finanzminister“ genannt. Dittmer saß etwa mit Spaniens König Juan Carlos in einer Loge – und musste drei Stunden ohne Gang aufs stille Örtchen ausharren, schmunzelt er noch heute.

Längst nicht der einzige Weltenbummler unter den Altvorderen. Fritz Schillmann ist der Brauereistadt – die Grand Seigneurs besichtigten übrigens die heiligen Bier-Hallen – stets treu geblieben. Und kam doch weit herum. Beim VfL lernte er von der Pieke auf den Handball-Sport – und avancierte zum größten Sohn der Stadt. Vier B- folgten acht A-Länderspiele. Inklusive der Teilnahme an der Hallen-WM in der damaligen CSSR. Deutschland wurde Vierter, Schillmann erzielte im kleinen Finale drei Treffer. „Schon ein Erlebnis“, schwelgt Schillmann.

Von den Jahren danach ganz zu schweigen. 1966 wechselte er zu GW Dankersen, dem Vorläufer von GWD Minden. Schillmann als Mann der ersten Stunde in der frisch gegründeten Bundesliga. Wohl gemerkt: Der bevorzugte Halblinke blieb in Wittingen wohnen, tingelte allein fürs Training zweimal die Woche 165 Kilometer hin und wieder zurück. Dafür gab’s läppische 40 DM Aufwandsentschädigung. „Ein kleines Negerküsschen“, schmunzelt Schillmann. Früher war alles halt noch anders. „Doch ich wollte das Abenteuer mitmachen.“ Es lohnte sich allemal. Mit Dankersen wurde er auf Anhieb Deutscher Feldhandball-Meister, 1968 und 1969 jeweils Europapokalsieger.

Kurios und pikant zugleich: Beim vierten Oldie-Konvent weilten auch Hans-Jürgen Kalm und Gerhard Mandel. Letzterer sieht sich selbst als „Vater vom Handball“ bei der HSG Plesse-Hardenberg. Dorthin verschlug es ihn nach seiner Wittinger Hoch-Zeit mit dem Oberliga-Aufstieg. Am kommenden Wochenende kämpfen die Ahnen beider Clubs ebenfalls um den Sprung in die Oberliga. Mendel wird auf der Tribüne sitzen. Erst eine kurze Stichelei mit Metzner („Ich werde den Jungs sagen, sie sollen sich zurückhalten. Neun Tore Unterschied wären mir ein bisschen unangenehm“). Dann gerät Mendel doch ein wenig ins Wanken. „Ich habe da wirklich zwei Seelen. Handball hat eine ewige Verbindung nach Wittingen. Ich gönne es beiden.“ Tja, alte Liebe rostet eben nicht. Erst Recht, wenn sie immer wieder neu entflammt wird wie beim VfL.

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