Fußball: Michael Kutz ist beim VfL Ummern „die Mutter der Kompanie“

Einmal Germania, immer Germania

Jawoll! Am Seitenrand fiebert, jubelt und dirigiert Michael Kutz (r.) stets kräftig mit.
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Jawoll! Am Seitenrand fiebert, jubelt und dirigiert Michael Kutz (r.) stets kräftig mit.

Ummern – Die glatte 20 wird er zwar nicht mehr ganz vollmachen, doch Michael Kutz hat nach dem Ende der laufenden Saison seinen Dienst beim VfL Germania Ummern zweifelsohne getan. Dann geht der 54-Jährige nach 19 Jahren als Betreuer der ersten Herrenmannschaft von Bord.

So viel dürfte feststehen: Der Abschied wird schwerfallen. „Die Jungs sind mir sehr ans Herz gewachsen, doch man wird nicht jünger und muss irgendwann aufhören“, so der Ur-Ummeraner.

Einmal Germania, immer Germania: Dieses Motto galt für Michael Kutz ein Leben lang. Nicht nur, dass er ab seinem achten Lebensjahr selbst im Nachwuchs, in der zweiten Herren sowie für immerhin anderthalb Jahre auch bei den Altsenioren als Torhüter aktiv war – auch als Funktionär kam für Kutz nie ein anderer Verein in Frage. Nach vielen Verletzungen hing der Nordkreisler seine Schuhe schon vor mehreren Jahren an den Nagel. Im Jahr 2001 rutschte er eher durch Zufall in die Rolle, in der der 54-Jährige – zwischenzeitlich übrigens auch elf Jahre lang Nachwuchstrainer – noch bis heute steckt.

Als sein Schulfreund Michael Alms als Trainer bei den Germanen anheuerte, holte er Kutz als Betreuer mit ins Boot. „Michael hat mich damals gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich habe daraufhin gesagt: Mit dir auf jeden Fall“, blickt das Urgestein zurück. Alms ist längst nicht mehr da, Kutz dagegen immer noch. „Ich habe hier bestimmt fünf oder sechs verschiedene Trainer miterlebt“, schmunzelt das „Mädchen für alles“ – mittlerweile 18,5 Jahre in Amt und Würden und auch vom aktuellen Coach Jörg Drangmeister („Er hat mich gebeten, weiterzumachen“) sehr geschätzt.

„Eigentlich hatte ich ja vor fünf Jahren bereits meinen Ausstand gegeben“, verrät Kutz. Doch es kam anders als gedacht: Als Alms erneut auf die VfL-Trainerbank zurückkehrte, wollte er Kutz unbedingt an seiner Seite haben. Letzterer wollte seinen Kumpel nicht im Stich lassen und stieg wieder mit ein. Er erlebte 2016 den Aufstieg in die Kreisliga sowie ein Jahr später den Sieg im Wittinger Kreispokal hautnah mit – all das bleibt unvergessen. Mittlerweile haben sich die Germanen in der Kreisliga zu einer Spitzenmannschaft entwickelt – das zumindest untermauern die Ergebnisse aus den letzten Jahren.

Kutz bezeichnet sich selbst als „Mutter der Kompanie“. Er kümmert sich um die Getränke, kocht Tee, bestückt den Arztkoffer, bearbeitet den Elektronischen Spielbericht und gibt an der Seitenlinie auch gut gemeinte Ratschläge. „Die Jungs akzeptieren mich, sind ein eingeschworener Haufen“, schwärmt der 54-Jährige. Allerdings fügt er auch grinsend an: „Sie wissen nach den Spielen aber auch, dass sie durchaus mal etwas liegen lassen können. Ich räume schließlich auf.“ Doch der Ummeraner ist sich für keine Aufgabe zu schade: „Für mich persönlich gibt es dabei keine Vorteile, doch ich mache es gern.“ Dazu stellt er sich auch häufig die Frage: „Was mache ich sonntags sonst!?“

Im Verein schätzt Kutz vor allem den tollen Zusammenhalt. „Wenn man mal bedenkt, dass Ummern nur rund 1600 Einwohner und dennoch zwei Herren- sowie mehrere Nachwuchsteams hat, ist das schon aller Ehren wert und zeigt, wie toll im Vorstand gearbeitet wird“, lobt Kutz. Er wünscht sich für die Zukunft, dass der Verein noch mehr Nachwuchs dazugewinnt und die erste Herren in der Kreisliga weiter eine solide Rolle („Bei Erfolg ist auch die Lust da“) spielt.

Erlebt hat der Straßenwärtermeister in seiner Laufbahn viele tolle Partien. Einen Höhepunkt kann und möchte er gar nicht herausfiltern. „Vor allem die Derbysiege gegen Groß Oesingen gingen immer runter wie Öl“, grinst Kutz. Diese wird er zwar bald nicht mehr als Funktionär an der Seitenlinie des VfL erleben, dafür aber als Fan und stetiger Begleiter. Ganz ohne Fußball – das geht für Michael Kutz schließlich nicht...

VON FLORIAN SCHULZ

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