Fußball: Neuaufbau nach unverhofftem Kreisliga-Absturz könnte für VfL schwierig werden / Pavlov zurück

„Einfach nur traurig“ für Wittingen

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Zum Verzweifeln: Der VfL Wittingen/S. vergeigte die Endspiele wie gegen Vorhop und tritt den Gang in die 1. Kreisklasse an. Bleiben Leistungsträger wie Philipp Greve (l.) und Christoph Pörschke?

Wittingen. Tatsächlich also 1. Kreisklasse. In diesen Niederungen des Gifhorner Fußballs bewegte sich der VfL Wittingen/Suderwittingen, seines Zeichens fünftgrößter Sportverein im Kreis, das letzte Mal in der Saison 1991/92.

Doch nach einem beispiellosen Absturz in der gerade beendeten Kreisliga-Serie ist dieser bittere Gang nach dem finalen 2:5 beim Meister VfR Wilsche-Neubokel am vergangenen Sonntag Realität.

Nicht nur in den Augen des künftigen Trainer-Rückkehrers Naim Fetahu „einfach nur traurig und unfassbar“. Alle Alteingesessenen seien „bitter enttäuscht“, bestätigt auch Fußball-Spartenleiter Thomas Engwer. Aber wie konnte es überhaupt zu diesem Worst Case in der Brauereistadt kommen? Immerhin waren die Blau-Gelben nach der Vizemeisterschaft und dem Einzug ins Pokal-Endspiel in der Spielzeit zuvor eigentlich mit der Zielsetzung angetreten, ganz oben ein Wörtchen mitzureden. „Und dann stehst du ganz unten“, seufzt Engwer.

Ein Unheil, dass sich nach der Hinrunde anbahnte. Die Vereinsführung hätte nichts unversucht gelassen, um das Ruder nach der herumzureißen, bekräftigt Engwer. Nach der Trennung von Trainer Torsten Haase zum Jahreswechsel und der Installierung von Feuerwehrmann Peter Dierks seien immer wieder Teambuilding-Maßnahmen eingestreut worden, um die Laune (und damit vielleicht auch das Tabellenniveau) zu heben. Vergebliche Liebesmüh. „Spielen muss die Mannschaft“, sagt Engwer mit einer gewissen Hilflosigkeit. „Wir hätten es schaffen können – wenn man einfach gegen die direkten Konkurrenten Vorhop und Wasbüttel gewinnt. Aber dann hat man es auch nicht verdient.“

Letztlich ist der tiefe Fall die Quittung einer verhängnisvollen Gemengelage. Die Verletzungen, speziell in der ersten Saisonhälfte, „gingen auf keine Kuhhaut mehr“, meint das Wittinger Fußball-Oberhaupt. Die Mannschaft sei unzufrieden geworden, es seien einige Unruheherde entstanden, die Leistungen litten darunter. Ein Teufelskreis. „Das entwickelt dann eine Eigendynamik“, weiß Engwer aus eigener Erfahrung. Zu seiner aktiven Zeit ging er mit dem SV Hankensbüttel, der VfL-Gesamtvorsitzende Otmar Mertens war gerade als Trainer verpflichtet worden, in der Bezirksklasse ebenfalls als Topfavorit in die Runde. Am Ende stand der Kreisliga-Abstieg... Ohne direkt Einfluss darauf gehabt zu haben, sagt auch der alte und neue Coach Fetahu, mit dem die Wittinger vor nicht allzu langer Zeit noch die Bezirksliga enterten: „Alle haben es gemeinsam verbockt. Es ist nicht normal, dass Wittingen so tief steht – dann ist einiges schief gelaufen.“

Dieser Betriebsunfall müsste also direkt wieder ausgebügelt werden – sollte man glauben. Doch Engwer zeigt sich in diesem Punkt eher skeptisch. Denn nach dem Abstieg, ein normaler Prozess, ist noch gar nicht klar, wie die künftige Mannschaft aussehen wird. Fest stünden die Abgänge von Tim Bendig (SV Gifhorn), Mario Winkler (Diesdorfer SV), Marco Börstler (TuS Bodenteich) und wohl auch Lars Jübermann (wird mit dem SV Hagen-Mahnburg in Verbindung gebracht), erklärt Engwer. Zudem wecken Leistungsträger wie Torjäger Sven Arndt, Torhüter Christoph Pörschke oder Abwehrspieler Philipp Greve Begehrlichkeiten. „Wahrenholz schläft nicht. Aber da sind noch keine finalen Gespräche geführt. Wir müssen das Pokalfinale abwarten, danach wird sich alles entscheiden.“

Da im Umkehrschluss auch die Neuzugänge – gestern bestätigte Fetahu die Rückhol-Aktion von seinem früheren Schützling Dennis Pavlov (zuletzt Wesendorfer SC) – erst einmal integriert werden müssen und der Übungsleiter sein System einbringen muss, glaubt Engwer nicht an den direkten Wiederaufstieg. „Ein Jahr müssen wir uns wohl damit abfinden, im zweiten werden wir angreifen.“

Von Ingo Barrenscheen

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