Massive Vorwürfe an MTV Wittingen nach Übungsleiter-Aus: „Fast Rufmord!“

Eine folgenschwere Trennung...

Im Schaukasten der Kritik: Rund um den MTV Wittingen hat sich Konfliktpotenzial angestaut.
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Im Schaukasten der Kritik: Rund um den MTV Wittingen hat sich Konfliktpotenzial angestaut.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Wittingen – Es rumort gerade – mehr oder minder hinter den Kulissen – gewaltig in der Sport-Stadt Wittingen. Auslöser ist die Trennung des MTV von Bärbel Raabe, die stolze 26 Jahre lang als Übungsleiterin und auch als Jugendwartin beim alteingesessenen Verein tätig war.

Per se ein normaler Vorgang im Leben. Aber nicht das Warum, sondern das Wie ist vielen Personen sauer aufgestoßen. Wie Lars Dreyer-Winkelmann. Der Wittinger Bürger, dessen Kinder selbst bis vor wenigen Jahren unter Flagge des MTV turnten, prangert ein Rundschreiben des MTV an, mit dem Raabe in seinen Augen öffentlich bloßgestellt wird und „durch die Hintertür fast eine Rufmord-Kampagne gestartet wird“. Harter Tobak. Zumal die brisante Personalie noch weitere Kreise zieht innerhalb der Stadtgrenzen.

Eines direkt vorweg: Weder Bärbel Raabe selbst noch Heinz-Günter Schwarz, 2. Vorsitzender des MTV Wittingen, wollten sich auf IK-Nachfrage zu den Hintergründen der Demission oder auch den angeprangerten Nebengeräuschen äußern. Der Dissens soll nicht noch weiter befeuert werden. „Diese Entscheidung haben wir im Gesamt-Vorstand getroffen“, erklärt Schwarz. Man hätte sich „schweren Herzens“ von der Übungsleiterin getrennt, doch offenbar gab es unüberbrückbare unterschiedliche Vorstellungen.

Dreyer-Winkelmann aber als neutraler Beobachter will nicht den Mantel des Schweigens über die heikle Thematik hüllen. Als ihm das besagte Info-Schreiben vom 13. August – 250 Mal vom MTV an Mitglieder verschickt – in die Hände fiel, traute er seinen Augen nicht. Er empfindet das von uns im Wortlaut übernommene Schriftstück (siehe Info-Kasten) nicht nur als „sehr verwunderlich, sondern empörend“. Seiner Ansicht nach hätte der Verein seine Mitglieder schlichtweg darüber informieren können, dass es neue Übungszeiten für die zwei Kinderturn-Gruppen geben wird. Punkt. Aus. Doch stattdessen wurde noch ein Absatz hinterhergeschoben, der durch die Zeilen größere Dissonanzen erahnen lässt. Ohne wirklich konkret zu werden. Dreyer-Winkelmann: „Da werden schwammige Aussagen und diffuse Anschuldigungen in den Raum gestellt, die Anlass für Spekulationen bieten. Und das nicht zu knapp! Mit dem offensichtlichen Ziel, die ehemalige Übungsleiterin zu diskreditieren – in unprofessioneller und rufschädigender Weise.“ Die Gerüchteküche in der Brauereistadt sei dadurch unweigerlich ins Brodeln geraten und hätte „zu wildesten Erzählungen“ geführt.

Für Dreyer-Winkelmann hat dieses Vorgehen „nichts mit den Werten eines Sportvereins zu tun“. Es sei nun den Mitgliedern überlassen, ob sie weiterhin hinter dem Verein stehen, „der offen langjährige freiwillige Mitarbeiter in ihrer Würde verletzt und gesellschaftlich in Verruf bringt.“ Sein klares Plädoyer lautet: „In meinen Augen kann sich solch ein Vorstand nicht halten.“

Eine Meinung, mit der er augenscheinlich nicht allein dasteht. Zwar könne nicht – wie zu hören war – von einer Austritts-Welle die Rede sein, wiegelte MTV-Vize Schwarz ab. Aber es hätten bislang 16 Frauen aus der Gruppe Haltung und Bewegung ihre Mitgliedschaft aufgelöst.

Das Pikante: Raabe hat mit diesem Angebot, aber auch mit dem Kinderturnen – seit jeher MTV-Domäne – prompt eine neue sportliche Heimat in der Berg- und Wintersportsparte des Stadtnachbarn VfL Wittingen/S. gefunden. Da der Männerturnverein seine Kinderturn-Gruppen (die ab kommenden Montag, 16. September, wieder zu den klassischen Zeiten trainieren) aber ebenfalls unter Leitung von Kathrin Kröger weiterführt, treten die Vereine auf diesem Sektor in Konkurrenz. Weiteres potenzielles Konflikt-Potenzial...

VON INGO BARRENSCHEEN

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