Fußball: DFB-Schiedsrichter-Chef Fröhlich zu Gast beim Gifhorner Lehrabend

„Ein Riesen-Vorteil für junge Leute“

Gifhorns Schiedsrichter-Boss Herbert Schacht (l.) freute sich über die riesengroße Zuhörer-Runde beim Lehrabend in Dannenbüttel.
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Gifhorns Schiedsrichter-Boss Herbert Schacht (l.) freute sich über die riesengroße Zuhörer-Runde beim Lehrabend in Dannenbüttel.

Dannenbüttel – Der berühmt-berüchtigte Kölner Keller: Er ist Woche für Woche in aller Munde im deutschen Profifußball. Die Diskussionen um den Videobeweis kochen immer wieder hoch. Wenn jemand zu diesem brandheißen Thema etwas beisteuern kann, dann Lutz Michael Fröhlich.

Er ist der Chef von 26 Schiedsrichtern plus Videoassistenten in der 1. Bundesliga und hat selbst eine lange Karriere als Referee hinter sich. Nun stand der DFB-Oberste der Schiri-Zunft am Montagabend beim Lehrabend des NFV-Kreises Gifhorn Rede und Antwort. Kein Wunder, dass der Saal der Gaststätte Zum Landhaus in Dannenbüttel rappelvoll war.

Promi-Gast: DFB-Schiri-Chef Lutz Michael Fröhlich (r.) im Austausch mit dem Kreisvorsitzenden Ralf Thomas.

Fröhlich referierte über die vielfältigen Entwicklungen im Schiedsrichterbereich. Angefangen mit organisatorischen Dingen bis hin zu technischen Neuerungen. Der gebürtige Berliner (den Kontakt hatte der frühere Weggefährte Wolfgang Gollnick vom FC Oerrel hergestellt) hatte seine Karriere als DFB-Schiedsrichter 1985 begonnen, gab 1988 sein Debüt in der 2. Liga und leitete seit 1991 Spiele in der 1. Bundesliga. Auch international brachte er es zu Ruhm und Ehre: Als FIFA-Schiedsrichter (1994 bis 2002), Referee in zehn A-Länderspielen und 14 Europapokalspielen. Seit April 2008 ist er beim DFB beschäftigt, hat die Sportliche Leitung der DFB-Elite-Schiedsrichter inne.

Klar, dass über 120 hiesige Unparteiische der Einladung ihres Lehrwartes Dennis Laeseke folgten. Um aus erster Hand zu hören, was der höchste Fachmann im Schiriwesen in Deutschland zu sagen hat. Nach Robert Schröder, Harm Osmers und Florian Meyer war es dem Schiedsrichterausschuss unter Leitung von Herbert Schacht erneut gelungen, einen namhaften Kollegen für einen Lehrabend zu gewinnen. Das hob auch Gifhorns Fußball-Chef Ralf Thomas hervor. „Wir können stolz auf unsere Schiedsrichter im Kreis sein, die eine hervorragende Arbeit im Kreisverband Gifhorn leisten und mit ihren Lehrabenden immer für ein volles Haus sorgen.“

Fröhlich brachte die große Runde auf den neuesten Stand der Dinge, erörterte auch den Aufbau beim Deutschen Fußballbund. Er selbst sieht sich gewissermaßen als Coach respektive Mentor für die ihm unterstellten Referees von der 1. bis zur 3. Liga. „Wir bereiten die Spiele sachlich auf, arbeiten viel individuell mit den Schiedsrichtern. Man muss auf die verschiedenen Charaktere eingehen und sie stärken“, erklärte der Star-Gast.

Wie wird sich möglicherweise das Aufgaben-Bild des Schiedsrichters verändern in den nächsten Jahren? Die Arbeit als Unparteiischer sei absolut lehrreich für den Nachwuchs, bekräftigte Fröhlich. „Die Ausbildung zum Schiedsrichter dient auch der Persönlichkeitsentwicklung und ist ein Riesenvorteil für junge Leute. Weil Sport treiben, Konflikte lösen und Entscheidungen treffen, das sind drei Aspekte, die für den weiteren Lebensverlauf von großer Bedeutung sind.“ Und so sprach er der nächsten Generation Mut zu.

Auf die Frage, wann der Bundesliga-Schiedsrichter womöglich zu einem vollwertigen Beruf wird, antwortete Fröhlich (selbst Bankkaufmann), dass man mit der derzeitigen Situation zufrieden sei. Weil die Arbeitgeber den Vorreitern der Zunft den nötigen Freiraum gewähren würden. Freiberufler könnten sich die Zeit ohnehin entsprechend einteilen, so dass es in Zukunft wohl keinen hauptberuflichen Schiedsrichter geben werde.

Was es sehr wohl (weiterhin) geben wird, sind Meinungsverschiedenheiten zum Videobeweis. Das hatte gerade der zurückliegende Spieltag im deutschen Oberhaus gezeigt. Ob der VAR Fluch oder Segen für die Schiedsrichter sei? Fröhlich, der seine aktive Laufbahn 2005 nach 200 Erstligaspielen im Alter von 47 Jahren beendet hatte und in diesem Jahr auch wesentlich zur Aufklärung im Fußball-Wettskandal beitrug, bewertet den Assistenten positiv. Denn dadurch würden die Referees aus einem Spiel herauskommen, ohne Fehler gemacht zu haben. Das dürften viele Profis und Fans allerdings anders sehen nach den bisherigen Erfahrungen...

VON SIEGFRIED GLASOW

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