IK-Nachspielzeit: Bier wettet mit Ex-Kollegen / Wesendorfer Elferpech hält an

Ehrenschulden bei der Reunion

Missglückter Aushilfs-Job: Sergej Löwen (3. v. r.) bei der Wittinger Pleite.
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Missglückter Aushilfs-Job: Sergej Löwen (3. v. r.) bei der Wittinger Pleite.

Die schönste Nebensache der Welt ist wieder in vollem Gang. Und damit natürlich auch die IK-Nachspielzeit.

. Jörg Drangmeister hatte stoisch auf der Bank gesessen.

Wenngleich es beim Vizemeister VfL Ummern über weite Phasen der ersten Halbzeit gegen den SV BW Rühen überhaupt nicht nach seinem Geschmack lief. Gewohnheits-Sache für den Germanen-Coach. „Was wir nach dem 1:0 gemacht haben, war klasse. So würde ich mir das über 90 Minuten vorstellen. Aber wir hatten schon letzte Saison immer unsere Phasen in den Spielen – damit muss ich wohl leben.“ Nun ja, der Teilzeit-Glanz lässt sich aushalten, wenn am Ende dennoch ein 3:0 auf dem Papier steht...

.  Was momentan beim VfL Wahrenholz passiert, geht schon langsam nicht mehr auf die sprichwörtliche Kuhhaut. Allein im sonntäglichen Bezirksliga-Duell beim SV GW Calberlah (1:1) verletzten sich fünf Akteure. Am schlimmsten erwischte es Niklas Germer, der sich bereits nach gut einer Viertelstunde einen Schlüsselbeinbruch zuzog.

Dazu mussten auch Jonas Tetzlaff und Norman Balke bereits zur Pause vom Platz. Daniel Schmidt und Jan Reitmeier gingen zudem angeschlagen in die Partie, konnten diese dann auch zu Ende bringen. Bereits eine Woche zuvor musste VfL-Coach Thorsten Thielemann aufgrund der Verletzungen von Jan-Patrick Schön, Simon-Miles Soika und Marcell Meyer dreimal wechseln. „Da kommt momentan einfach alles zusammen“, gab Thielemann zu. Immerhin läuft es sportlich bei den Schwarz-Gelben bislang sehr ordentlich. Auch wenn zehn Punkte aus vier Spielen nicht über die Verletzungen hinwegtrösten.

. Er hätte dem aus der Ferne mitfiebernden, eigentlichen Chefcoach Naim Fetahu gern eine positivere Kunde überbracht. Doch die Aushilfs-Beförderung von Sergej Löwen am Sonntag beim VfL Wittingen/S. war nicht von Erfolg gekrönt. Mit dem Spielertrainer der Zweiten an der Seitenlinie verloren die Brauereistädter ihre Kreisliga-Renaissance beim SSV Kästorf II mit 1:2. „Naim war auch ein bisschen geknickt“, erzählte Löwen nach dem Telefonat mit seinem Fußball-Vorgesetzten, der am Freitag erfolgreich am gerissenen Kreuzband operiert worden ist und gestern aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Ein Dreier hätte den Heilungsprozess vielleicht noch ein wenig begünstigt. Doch dafür waren die Wittinger vor dem Tor nicht abgezockt genug. „Natürlich fehlen uns ein Sven Arndt oder Lennard Emmermann“, bedauerte Löwen. Er selbst sei, das gab er zu, vor der Partie richtig hibbelig gewesen. „Ich war so aufgeregt den ganzen Tag – viel nervöser, als wenn ich selbst gespielt hätte...“ Lampenfieber, das offenbar auch auf die Mannschaft übergriff.

.  Manchmal muss es der Trainer eben selbst richten. Schon als Gültekin Gültas vom TSV Fortuna Bergfeld im Auftaktmatch der 1. Kreisklasse 1 gegen den SV Hankensbüttel noch neben dem Spielfeld stand, hatte man das Gefühl, dass er am liebsten selbst auf dem Platz stehen würde. Er gestikulierte, kommunizierte und bewegte sich immer wieder auf und ab. Nach einer Stunde war es dann soweit. Fast ein wenig trotzig zog sich Gültas sein Trikot über und wechselte sich selbst ein. Zu diesem Zeitpunkt führte seine Mannschaft durch ein Strafstoßtor von Robin Weber bereits mit 1:0. Mit dem Coach auf dem Feld verteidigten die Fortunen ihren knappen Vorsprung und sorgten somit für einen Auftakt nach Maß.

.  Der Hintergrund der Geschichte ist ein äußerst trauriger. Und doch half er Maik Szillat zumindest ein wenig über schwierige Stunden hinweg. Der derzeitige Torhüter des VfL Knesebeck wurde beim 5:1-Auswärtserfolg in Osloß zunächst geschont, weil zwei Tage vor der Partie seine Mutter verstorben war. Stattdessen begann Fabian Laumann, der sich schon im Bezirkspokal-Match gegen den FC Brome als starker Vertreter erwiesen hatte. „Ich wollte Maik eigentlich gar nicht spielen lassen. Aber am Samstag haben wir telefoniert und er meinte, er möchte mit, weil ihn das Spiel ablenkt“, schilderte Knesebecks Übungsleiter Detlef Weber.

„Ich habe ihm dann gesagt: Wenn du dich fühlst, dann spielst du eine Halbzeit.“ So kam es nach der Pause zum ungewöhnlichen Torwart-Tausch bei den Einhörnern. Weber bekräftigte: „Maik war mit den Jungs zusammen, das war für den Kopf gut.“ An dieser Stelle auch noch einmal vom IK herzliches Beileid.

.  Nicht schon wieder... Eigentlich dachten die Kicker des Wesendorfer SC, sie hätten ihr kleines Elfmeter-Problem überwunden. Nachdem Manuel Schupp bei der Sportwoche in Vorhop einen Strafstoß verschossen und beim Pokalsieg über Müden stattdessen sein Nebenmann Dennis Pavlov verwandelt hatte (das IK berichtete), trat Letzterer auch im Gastspiel bei der SV Leiferde kurz vor Schluss an den Punkt. Und scheiterte dieses Mal am Pfosten. Gab es denn im Umkehrschluss nun einen Spruch von Schupp? Trainer Matthias Hopp schmunzelte: „Er hat nur gesagt, dass bei ihm zumindest noch der Torwart den Ball an den Pfosten gelenkt hat.“ Explizites Elfmeter-Training wird es beim WSC nun aber nicht geben, relativierte Hopp. Vielmehr werde er sich für die heutige Einheit „Gedanken über eine gewisse Körperspannung und das Verhalten bei Eckbällen machen.“ Klingt so, als könnten seine Spieler ins Schwitzen kommen...

.  In der Bundesliga schließt in wenigen Tagen das Transferfenster. Und auch der FC Brome hat sich, relativ still und heimlich, kurz vor Toreschluss noch verstärkt. Dustin Jackwerth ist vom Nachbarn SV Tülau-Voitze an die Steimker Straße gewechselt und soll zunächst in der Reserve „Spielpraxis sammeln“, erklärte deren Trainer Stefanos Karavaras. Kurios: Jackwerth hätte sich beim 3:1-Erfolg in Hoitlingen perfekt einführen können, vollbrachte aber das Kunststück, das Tor aus einem Meter nicht zu treffen. Wie geht das? Karavaras grinsend: „Das haben wir uns auch alle gefragt. Statt mit links zu schießen, hat er den rechten Außenrist genommen. Das sah irgendwie komisch aus...“

.  4:0 siegte der TSV Brechtorf II zum Start der 2. Kreisklasse gegen Teutonia Tiddische und grüßt nun von der Pole Position. Nicht nur das Team, sondern auch Youngster Philipp Rusch feierte einen Einstand nach Maß. Nachdem er schon eine Woche zuvor beim Pokal-Aus gegen Bokensdorf (2:4) geknipst hatte, schlug der 18-Jährige gegen Tiddische doppelt zu. Drei Tore in den ersten zwei Herren-Pflichtspielen, „da kann man nicht meckern“, scherzt sein Trainer Björn Krögerrecklenfort. Ginge es nach ihm, hätte sein junger Stürmer schon in der Rückrunde auf Torejagd gehen können, doch da lag keine Spielberechtigung vor. Blöd: Im Duell mit dem Hoitlinger SV (2:5) hatte Krögerrecklenfort seinen Akteur dennoch eingesetzt – da er nicht spielen durfte, wurde das Duell im Nachhinein 5:0 für den HSV gewertet. Übrigens traf Rusch auch in dieser Partie.

. Wiedersehen macht Freude. Waldemar Bier, Spielertrainer des SV Sprakensehl, freute sich im Vorfeld auf das Duell mit seinem Ex-Club Wesendorfer SC II. Und er sollte nicht enttäuscht werden: „Es war ein schönes Spiel.“ Aufsteiger Sprakensehl siegte furios 5:3, sehr zur Freude von Bier. Nicht nur trug sich der Ex-Wesendorfer drei Mal in die Torschützenliste ein, auch eine Wette mit seinen Ex-Kollegen hatte er gewonnen und erklärte: „Der Verlierer schuldete dem Gewinner eine Kiste Bier.“ Das Siegerbier dürfte geschmeckt haben. Wettschulden sind eben Ehrenschulden...

VON INGO BARRENSCHEEN, FLORIAN SCHULZ UND ROUVEN PETER

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