Judo: Scoccimarro kämpft um ihr Olympia-Ticket und guten VW-Abschluss

Die duale Weichenstellung

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Dieser Kampf war eine Enttäuschung: Giovanna Scoccimarro (l.) unterliegt im DM-Halbfinale Alina Böhm. Nun warten die Grand Slams.

Lessien/Stuttgart/Paris – Die kommenden Wochen und Monate: Sie werden zur Weichenstellung für Giovanna Scoccimarro. In sportlicher wie in beruflicher Hinsicht.

Das Judo-Ass aus Lessien muss den Spagat zwischen wertvollen Weltranglistenpunkten im Kampf um das Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio und der entscheidenden Prüfungs-Phase ihrer VW-Ausbildung bewältigen.

Beides soll selbstverständlich von Erfolg gekrönt sein. Ihrem Olympia-Ziel kann die 21-Jährige im Februar bei zwei Grand-Slams näher kommen: Der erste steigt an diesem Wochenende in Paris.

Im Gepäck hat Scoccimarro eine semi-geglückte Generalprobe. Bei den Deutschen Meisterschaften in Stuttgart verpasste die Kämpferin vom MTV Vorsfelde die Titelverteidigung in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm, musste sich nach dem Halbfinal-Aus gegen Alina Böhm (Heubach) mit Bronze begnügen. Die Niederlage an sich sei nicht das Schlimme gewesen, meinte die Favoritin.

„Die Art und Weise hätte nicht sein dürfen. Ich wusste eigentlich, was sie macht, bin aber direkt am Anfang abgeschmiert“, grantelte Scoccimarro nach dem Kampf, der nicht einmal eine Minute dauerte und von Böhm durch einen Hüftwurf (O-goshi) jäh beendet wurde. Dabei war sie zuvor souverän durch den Wettbewerb marschiert, hatte Katrin Seide (Wermelskirchen), Mina Ricken (Großhadern) und Julia Höterhoff (Homburg) geschlagen.

Abgehakt. Denn nun liegt der Fokus voll und ganz auf den internationalen Auftritten, die ohnehin wichtiger sind mit Blick auf den Tokio-Traum. In Paris und Düsseldorf will die ehrgeizige Athletin „versuchen, viele Weltranglistenpunkte einzuheimsen, damit ich mich weiter nach oben absetzen kann.“ Um tatsächlich bei den Olympischen Spielen 2020 starten zu können, muss sie im April/Mai nächsten Jahres unter den Top 18 der Welt rangieren.

Und obendrein beste Deutsche in ihrer Klasse sein. Derzeit steht die U21-Weltmeisterin von 2017 auf Position 19, direkt gefolgt von Hauptkonkurrentin Miriam Butkereit (Glinde), die übrigens in Stuttgart DM-Gold gewann. Die aktuelle Platzierung würde womöglich reichen, da noch einige Japanerinnen vor Scoccimarro in der Weltrangliste stehen. Denn: Jede Nation darf aber nur eine Kämpferin zum größten Sportereignis der Welt entsenden.

Scoccimarro wünscht sich, dass ihr Fortuna – anders als bei den vergangenen Grand-Slams – hold ist. 2018 schied sie jeweils früh gegen die Top-Judoka aus Japan aus. „Ich hoffe auf ein gutes Los und dass ich das Bestmögliche herausholen kann.“ Rivalin Butkereit ist in Paris ebenfalls am Start.

Das anschließende, obligatorische Trainingslager vom Deutschen Judo-Bund muss sie übrigens sausen lassen. Wegen der Berufsschule. Immerhin stehen die Abschlussprüfungen bei VW in Hannover bevor – im Mai schriftlich, im Juni/Juli mündlich. Deshalb müsse sie abwägen zwischen Lernphasen und Wettbewerben. Ende Juni etwa steigen die European Games in Minsk. Scoccimarro: „Zwei Turniere werden zu wenig sein, um zu punkten.“

VON INGO BARRENSCHEEN

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