Fußball – Bezirksliga-Rückblick: VfL Wahrenholz bestes Rückrunden-Team

Drei Spitzenwerte für die Spätzünder

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Da geht’s lang! Trainer Thorsten Thielemann hat sich in seiner ersten Bezirksliga-Saison in Wahrenholz reingefuchst und zieht eine positive Bilanz.

Wahrenholz – So sehr er seine neuen Schützlinge vom VfL Wahrenholz auch lieb gewonnen hat: Trainer Thorsten Thielemann ist froh, dass er sie jetzt erst einmal gut vier Wochen lang nicht mehr zu Gesicht kriegt (was vermutlich auf Gegenseitigkeit beruht. . . ).

Nach der lockeren Abschlusseinheit am Mittwoch hieß es am Taterbusch: Runterfahren. Abstand gewinnen. Um mit neuem Elan am 29. oder 30. Juni in die Vorbereitung auf die neue Serie in der Fußball-Bezirksliga zu starten.

Wobei die abgelaufene Spielzeit, für Thielemann die erste auf der schwarz-gelben Kommandobrücke, nach Tiefen und Höhen letztlich zur besten Saison der vergangenen drei Jahre avancierte mit Platz acht, 44 Punkten und 63:61 Toren. Auch dank des wilden 5:4-Sieges im letzten Spiel beim 1. FC Wolfsburg, das in mehrerlei Hinsicht als Sinnbild für die Wahrenholzer Attribute in den zurückliegenden Monaten diente. Auch wenn er gerne Platz fünf im Schlussspurt erobert hätte, sagt Navigator Thielemann: „Ziel erreicht.“ Das IK hat für den Rückblick einige interessante Schlaglichter herausgefiltert:

Rückrunden-Könige

Applaus für den Blick zurück: Der VfL Wahrenholz (M. Lars Koch) überwand die Talsohle in der Hinserie mit Bravour.

Kaum zu glauben, aber wahr: Der VfL avancierte eben auch dank des finalen Dreiers tatsächlich noch zur besten Mannschaft in der Rückrunden-Tabelle mit 28 Zählern (punktgleich mit dem MTV Gamsen). Auch deshalb verlebten die Schwarz-Gelben nach zwei Jahren akuten Abstiegskampfes eine recht entspannte Runde. Die Statistik hätten sich seine Spieler „gleich hin- und hergeschickt“, verrät Thielemann. Indiz für Wohlgefallen. Wobei der Coach die Kehrseite der Medaille nicht außer Acht lässt. „Die Hinrunde war nicht so prall.“ Gekennzeichnet von einem suboptimalen Dreiklang. Problemfeld 1: das Beschnuppern. „Anfangs hat es noch ein bisschen geknirscht, wir mussten uns erst einmal kennenlernen, Das ein oder andere hat noch nicht so gefruchtet“, meint Thielemann. Problemfeld 2: die personellen Altlasten. Einige Führungsspieler stießen erst im Laufe der Serie wieder richtig fit zum Team. Problemfeld 3: die Heimmisere in der ersten Halbserie. Die Wahrenholz aber „gut relativiert“ hätte, unterstreicht Thielemann. Überhaupt hätte sich das Kollektiv letztlich „reingefuchst“.

Als der Club am Ende der Hinserie wieder nur knapp über der roten Linie sein Dasein fristete, blieb der Übungsleiter – zu seinem eigenen Erstaunen – tiefenentspannt. „Ich war die Ruhe selbst, bin nie ins Zittern gekommen. Ich wusste, wenn die Leute zurückkommen, sind wir stark genug.“

Remis-Könige

Eine Krone von eher zweifelhaftem Ruhm, auf die Thielemann gerne verzichtet hätte. Elf Unentschieden: Kein Bezirksligist verbuchte mehr. „Das eine oder andere war ein bisschen unnötig“, rekapituliert der VfL-Vorreiter. Etwa das 4:4 beim SSV Vorsfelde II oder die Punkteteilungen beim FC Schunter. Wohl gemerkt beides abgeschlagene Absteiger. Allein sieben Patt-Situationen legte Wahrenholz in der Rückrunde hin. Deshalb sei selbst diese nicht vollends überzeugend verlaufen, sagt Thielemann. „Das zeigt aber auch umso mehr, wie ausgeglichen es in der Bezirksliga zugegangen ist.“

Fairplay-Könige

Ein Titel, den sich das Taterbusch-Team gemeinsam mit der SV Gifhorn teilt. Jeweils 40 Gelbe und eine Rote Karte zieren das Zahlenwerk. Wobei der Platzverweis Thielemann bis heute ein Schmunzeln abringt. „Was das für ein Blödsinn war! Wenn ich mit Daniel Schmidt darüber spreche, lachen wir beide immer noch.“ Ein harmloser Kommentar in einer großen verbalen Gemengelage hätten den Schiri damals echauffiert.

Aufholjäger

In zehn Spielen – immerhin ein Drittel! – holten die Wahrenholzer einen Rückstand noch auf (vier Siege, sechs Remis). Ein Merkmal für die unbändige Moral, wie der Trainer mehrfach betonte im Laufe der Serie. Wie sehr alle Spieler selbst in Abschlussspielen beim Training nach einem Sieg gieren würden, hat er anderswo noch nicht erlebt: „Wahnsinn!“

Spätzünder

Passend dazu auch ein Blick auf die Tor-Verteilung während der 90 Minuten. Stolze 22 Mal schlug der VfL in der Schlussviertelstunde zu. Ein Fakt, den Thielemann so auch aus dem Bauch heraus wahrgenommen hat. Und der nicht von ungefähr kommt. „Die Zahlen sprechen für sich. Wir trainieren hart und bekommen am Ende die zweite Kraft.“ Eingangs hätten seine Spieler noch ein wenig gestöhnt. „Aber sie haben mitgezogen. Und es zahlt sich aus, das sehen sie selbst.“ Gerade Niklas Germer entpuppte sich als Last-Minute-Spezialist. „Er ist halt ein unheimlich abgezockter Fußballer.“ Mit 13 Buden erzielte er genauso viele wie der zum Stürmer umfunktionierte Marcell Meyer.

Unterhaltungskünstler

Nur vier Mannschaften erzielten in der abgelaufenen Serie mehr Treffer, gleichwohl kassierten aber auch nur vier Vereine mehr Gegentore als Wahrenholz. Eine Divergenz, die eigentlich nicht zum Spielstil eines Thorsten Thielemann passt. „Eigentlich heißt es bei mir: Safety first. Wir müssen daran arbeiten, kompakter zu werden.“ Wobei seine Riege andersherum auch noch zig Hochkaräter vorne ausgelassen hätte. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Meister-Besieger

Als einziges Team fügten die Wahrenholzer dem Landesliga-Aufsteiger MTV Isenbüttel zwei Pleiten zu (4:0, 1:0). „Das nimmt uns keiner, darauf sind wir echt stolz“, bekräftigt Thielemann.

Dauerbrenner

Mit 29 von 30 möglichen Saisonspielen (einmal fehlte er krank) und 2585 Einsatzminuten steht Julian Koch in dieser internen Bilanz vorn. „Er ist auch der Trainingsfleißigste“, unterstreicht sein Coach. Wobei selbst dem Sechser auf der Zielgeraden ein wenig die Luft ausgegangen sei. „Julian ist ja auch erst 21, war dann doch überspielt. Aber für sein Alter ist er schon recht weit und anerkannt in der Mannschaft.“

30 Spiele, 29 Spieler

„So viele Leute habe ich in einer Saison auch noch nicht eingesetzt. Schon ein bisschen krass“, pointiert Thielemann. Doch er hat als aufmerksamer Verfolger der Wahrenholzer Vergangenheit eines gelernt: „Ich lasse keine Angeschlagenen spielen!“ Als er in der Vorsaison als Zuschauer in Barnstorf sah, wie Abwehrchef Chris Hartmann in der 90. Minute noch mal auf den Platz humpelte, fiel er vom Glauben ab: „Ich habe gedacht, er hat nicht alle Latten am Zaun. Es ist ja gut gemeint...“ Dank der bislang vier Neuzugänge sollen Engpässe noch besser überwunden werden.

VON INGO BARRENSCHEEN

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