Fußball – Kreisliga-Relegation: 10:9 nach Elfmeterschießen gegen den SV Osloß / Hillerse II ist doch nicht unaufsteigbar

Drama, Baby! Hillerse II gewinnt Spektakel

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Raus mit der jahrelang angestauten Aufstiegsfreude: Der TSV Hillerse II feierte gestern in Wesendorf in einem denkwürdigen wie dramatischen Relegations-Duell mit dem SV Osloß den Sprung in die Fußball-Kreisliga durch ein 10:9 nach Elfmeterschießen.

Wesendorf. Stadionsprecher Stefan Müller sprach zurecht von „Wahnsinn“. Ein Begriff, der gestern unter den gut 500 Schaulustigen und Protagonisten in Wesendorf inflationär oft fiel.

In einem denkwürdigen Relegations-Spiel zur Fußball-Kreisliga – das das 7:2 nach Verlängerung vom VfL Ummern zwei Jahre zuvor in Sachen Dramatik und Spektakel noch um Längen toppte – bezwang der TSV Hillerse II den SV Osloß am gestrigen Sonntag mit 10:9 nach Elfmeterschießen (3:3 nach regulärer Spielzeit, 4:4 nach Verlängerung) und darf in der neuen Saison zum Punktspiel nach Wesendorf zurückkehren!.

Dem Ort, dem nach der verpassten Relegations-Chance fünf Jahre zuvor gegen den VfL Knesebeck (0:4) ein schlechtes Omen aus Hillerser Warte angehaftet hatte. TSV-Trainer Florian Hildebrandt, der die Freudentränen nicht zurückhalten konnte, bediente dann auch das Klischee, das Fußballer abergläubisch sind: „Wir haben extra die andere Bank und die andere Kabine genommen als damals – scheinbar hat es geholfen...“ Seit 2009 unternahm er mit der Landesliga-Reserve den Anlauf auf die Kreisliga, scheiterte immer wieder knapp. „Ich wurde ja im Dorf schon fast belächelt. Jetzt haben es wir den Kritikern gezeigt, dass wir doch nicht unaufsteigbar sind!“

Nicht nur der überglückliche Hildebrandt war nach dem atemberaubenden Geschehen „sowas von durch“. Alle Anwesenden hatten ein irres Wechselbad der Gefühle erlebt. Dabei war die erste Halbzeit nach der 1:0-Blitzführung für Osloß durch Goalgetter Mario Fischer (1.) noch recht unaufgeregt verlaufen.

Einer von acht Treffern: In dieser Szene erzielt der Hillerser Robert Plinke die zwischenzeitliche 2:1-Führung für sein Team.

Doch mit Wiederbeginn hieß es plötzlich: Heidewitzka im Heidelandstadion! Robert Plinke gab dem Straßenfeger mit seinem Doppelpack (51., 62.) eine erste Wendung. SVO-Akteur Darius Delau machte dann den Toni Kroos und stellte mit einem sehenswerten Freistoß wieder auf 2:2 (72.). Es folgte eine vogelwilde Schlussphase. Pfosten Hillerse, dann Führung Hillerse durch Landesliga-Leihgabe Andreas Ganski (86.). Doch im direkten Gegenzug trieb Fischer mit dem 3:3-Ausgleich den Tollhaus-Charakter weiter voran und schien den Wahnsinn mit seinem dritten Streich (97.) auf die Spitze zu treiben. Denkste! Denn auch die TSV-Reserve hatte noch einen im Köcher. Tobias Friedrich verwandelte einen von Lars Kascha verursachten Handelfmeter zum 4:4 (112.).

Er musste getröstet werden: Der Osloßer Lars Kascha (r.) avancierte zum Unglücksraben des Tages. 

Und der Osloßer Abwehrspieler sollte in dem Hitchcock-Krimi zur tragischen Figur avancieren. Denn Kascha war es auch, der dem nicht minder nervenaufreibenden Elfmeterschießen mit dem entscheidenden Fehlschuss im 16. Versuch die Krone aufsetzte. Hillerse II aufgestiegen! Osloß am Boden zerstört!

Das hätte die Entscheidung sein können: Osloß’ Torjäger Mario Fischer scheitert beim Stand von 4:3 an TSV-Torwart Leon Divjak.

„Es war heute nicht sein Tag. Aber man kann es nicht an einem Spieler festmachen“, spendete SVO-Coach Rene Riethus dem Unglücksraben Trost. Für die Osloßer sei es „richtig bitter“ gewesen. „Bei unserem 4:3 dachte ich, das bricht denen das Genick. Und wir waren zwei vor im Elfmeterschießen“, haderte Riethus. Derweil fasste TSV-Torwart Leon Divjak diesen phänomenalen Fußball-Nachmittag treffend zusammen. „Einfach geil!“ Auch Hildebrandt war fix und foxi: „Was wir uns gegenseitig um die Ohren gehauen haben – es tut mir leid für Osloß, beide hätten es verdient gehabt.“

Von Ingo Barrenscheen

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