Fußball – TuS Ehra-Lessien meldet zweite Herren-Mannschaft für Flüchtlingsfußballer

Ein Dorf, ein Team, zwei Mannschaften

Ehra-Lessien. Der TuS Ehra-Lessien geht in der Integrationsarbeit den nächsten Schritt und ermöglicht Bewohnern aus dem Flüchtlingscamp Lessien, im Ligaspielbetrieb Fußball zu spielen.

Dafür rief der TuS mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins „Ehra-Lessien, ein Dorf – ein Team“ eine zweite Mannschaft ins Leben.

Schulterschluss für die Integration: Der TuS Ehra-Lessien ruft eine eigens für Flüchtlingsfußballer angedachte zweite Herrenmannschaft ins Leben. Die Trainer, Christian Benecke (hintere Reihe links) und Heiko Kiene (hintere Reihe rechts), hoffen auf Offenheit und Unvoreingenommenheit bei den Liga-Konkurrenten in der kommenden Spielzeit.

Seit geraumer Zeit ermöglicht der Sportverein den hauptsächlich von der Elfenbeinküste stammenden jungen Sportbegeisterten die Möglichkeit, ein Mal in der Woche auf dem Sportgelände zu trainieren. Nun geht es einen Schritt weiter. Heiko Kiene und Christian Benecke, die das Team leiten werden, erklären unisono: „Für uns zählt nicht nur der sportliche Erfolg, vielmehr geht es um die Arbeit mit den Jungs.“ Im Vordergrund würde stehen, „jeden Einzelnen über den Fußballsport Anerkennung erfahren zu lassen“, führt das Trainerteam fort. Die Einbindung in die Gesellschaft soll dadurch unterstützt werden.

Der TuS Ehra-Lessien leistet so einen „wertvollen Beitrag zur Integration“, wie der 1. Vorsitzende, Sven Grabowski, betont. Er sieht den Verein aber auch in gewisser Weise in der Pflicht, dies zu tun: „Die Mitglieder unseres Vereins haben dem TuS Ehra-Lessien ein klares Leitbild gegeben: Jedem soll der Zugang zum Sport ermöglicht werden. Dabei grenzen wir niemanden aufgrund seiner Hautfarbe oder ethnischen Herkunft aus.“

Die nötige Trainingsausrüstung wurde durch den Förderverein über Spenden von Bürgern und Betrieben finanziert. Jenny Reissig, die Vorsitzende des Fördervereins, lobte die geflüchteten Menschen. Sie hätten eine hohe Motivation und würden sehr viel Eigeninitiative zeigen. Kürzlich packten beispielsweise bei Renovierungsarbeiten auf dem TuS-Gelände Bewohner des Camps tatkräftig mit an.

Neben der Anschaffung der Ausrüstung stellt der Förderverein auch ein Fahrzeug zur Verfügung, damit die Anreise zu Auswärtsspielen kein Problem darstellt. Die Unterstützung beschränkt sich allerdings nicht nur aufs Sportliche. Reissig: „Durch die ländliche Erwachsenenbildung und unseren Förderverein werden Deutschkurse organisiert und veranstaltet, welche sehr gut angenommen werden.“

Gemessen an der Einwohnerzahl sei die Gemeinde Ehra-Lessien „überproportional mit Flüchtlingen belegt“, sagt Jörg Böse, Bürgermeister der Gemeinde. Dies sei auf die Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände in Lessien zurückzuführen. Im Fußball sieht auch Böse eine Chance, die Einbindung zu beschleunigen: „Die sportliche Betätigung auf dem Fußballplatz wurde zur Alltagsbeschäftigung der Bewohner beschaffen und soll deren Integration in unsere Gesellschaft unterstützen.“

Das Integrationsteam TuS Ehra-Lessien II wird in der 3. Kreisklasse starten. „Von unseren zukünftigen Gegnern wünschen wir uns eine offene und unvoreingenommene Einstellung gegenüber unserem Team“, setzt das Ehraner Trainer-Duo auf ein sportliches Miteinander.

Von Michael Theuerkauf

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