Sportschütze von der SGes Hankensbüttel lässt Tokio-Starterin hinter sich

Deutscher Meister! Markus Heine düpiert sensationell die Profis

Sportschütze Markus Heine (SGes Hankensbüttel) gewann bei den Deutschen Meisterschaften in München in der Handicap-Klasse sensationell die Goldmedaille.
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Ein Erinnerungsstück für die Ewigkeit: Markus Heine mit seiner Goldmedaille von den Deutschen Meisterschaften um den Hals.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Der Daumen seiner mitgereisten Freundin hinten im Zuschauerraum ging nach oben. Der Schütze am Nachbarstand gratulierte ihm artig. Doch Markus Heine wusste erst einmal gar nicht, wie ihm geschah. „Was denn? Wo denn bin ich gelandet!?“ Tatsächlich auf Platz eins! Sensationell setzte sich der Kreissportleiter des KSV Isenhagen-Wittingen bei den Deutschen Meisterschaften in München zum allerersten Mal in seinem Leben die nationale Krone auf.

Die unmittelbaren Augenblicke nach seinem letzten der insgesamt 60 Liegend-Schüsse bei den SH1-Schützen – also Aktiven mit Handicap – seien ein großes „Durcheinander“ gewesen, schilderte Heine. Wie die anderen elf Konkurrenten in seiner Wettkampfklasse auch hatte er sich vorab im Tunnel befunden. „Da ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Ich wusste im ersten Moment nicht, auf welchem Platz ich gelandet bin. Aber ich habe schon gemerkt, es läuft ganz gut.“ Dementsprechend brauchte er eine Weile, um seinen einmaligen Triumph zu realisieren.

„Da ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Ich wusste im ersten Moment nicht, auf welchem Platz ich gelandet bin. Aber ich habe schon gemerkt, es läuft ganz gut.“

Markus Heine benötigt am Schießstand erst einen Augenblick, um seinen sensationellen Triumph zu realisieren

Vor wenigen Jahren war der Sportschütze, der für die SGes Hankensbüttel startete, in derselben Disziplin als Vierter schon einmal haarscharf am DM-Treppchen vorbeigeschrammt. Die Goldmedaille 2021 war umso „überraschender“, als dass Heine mit der Zweitplatzierten Elke Seeliger eine Paralympionikin von Tokio hinter sich ließ. Er selbst brachte es auf 612,8 Ringe, die Topfavoritin auf 607,5. „Da bin ich schon stolz drauf, wenn man die Profis hinter sich lassen kann.“ Denn mit dem Nationalkader hatte der 49-Jährige bislang nie Berührungspunkte. Wer weiß, ob jetzt nicht eine Einladung kommt...

Die äußeren Bedingungen auf der Olympia-Schießanlage in München-Hochbrück seien „nicht die Allertollsten“ gewesen, erklärte der Nordkreis-Teilnehmer. Starker Sonnenschein und Wolkendecken wechselten sich ab. „Da ist ein großer weißer Kasten mit einem schwarzen Loch: Wenn da die Sonne draufbrennt, blendet es extrem. Ich kam wahrscheinlich am besten damit zurecht“, mutmaßte Heine.

Ein Novum in diesem Jahr war die Wertung. Erstmals wurde beim Handicap-Liegend-Wettkampf mit dem Kleinkaliber auch nach Zehnteln abgerechnet. Das erschwerte im Vorfeld den Vergleich, wie stark wohl die Top-Schützen einzuschätzen sind. Es stellte sich heraus: Dem Underdog aus Hankensbüttel konnte die versammelte Elite nicht das Wasser reichen.

Schwarz auf weiß: Die letzten zehn Schuss von Markus Heine bei den Deutschen Meisterschaften in München.

Solch einen Moment will man dann selbstredend auch auskosten. Heine lagerte in aller Seelenruhe sein Gewehr ein und kam aus der Waffenkammer zurück, da warteten alle schon sehnsüchtig auf ihn. „Ich hätte fast die Siegerehrung verpasst“, grinste der frischgebackene Deutsche Meister. In Corona-Zeiten wollte der Veranstalter eben jeden Wettkampf schneller als gewohnt abwickeln. Der Hankensbütteler wird von diesem Tag aber noch lange zehren. Der Name verpflichtet offensichtlich: Denn erst jüngst hatte Jörg Heine (SGi Groß Oesingen) ebenfalls ganz oben auf dem DM-Podest gestanden.

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