Hankensbütteler foppt in Lüneburg die Konkurrenz

Mit Tempomat-Taktik: Friedrich Klasen wird überraschend Tennis-Landesmeister der Herren

Überraschungs-Coup: Das Hankensbütteler Tennis-Ass Friedrich Klasen (r.) sicherte sich im Endspiel gegen Jannik Opitz (TC Alfeld) erstmals den Landesmeister-Titel der Herren.
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Lehrmeister besiegt Padawan: Friedrich Klasen (r.) behielt im Endspiel der Landesmeisterschaft gegen Jannik Opitz die Oberhand und gewann den Titel.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Manch ein Kontrahent auf der anderen Seite des Netzes dürfte ihn buchstäblich als Spaß-Bremse wahrgenommen haben. Aber genau das war auch so gewollt von Friedrich Klasen. Mit einer klugen, tempodrosselnden Tennis-Taktik nahm der gebürtige Hankensbütteler in Lüneburg der größtenteils jüngeren Konkurrenz den Wind aus den Segeln und schwang sich zum allerersten Mal in seiner Karriere zum Landesmeister der Herren im Tennisverband Niedersachsen-Bremen auf!

Mit 29 Jahren, wohlgemerkt! Eine Tatsache, die Klasen „gar nicht bewusst gewesen war“. In Berlin hatte er schon einmal den Winter-Titel gewonnen. Platz eins aber auf Sand in seiner eigentlichen Heimat – das war neu. Was lange währt, wird irgendwann gut. Der Überraschungs-Coup ließ sich aber eben auf jene jahrelange Routine (auch als Landestrainer am DTB-Stützpunkt in Hannover) zurückführen. „Ich habe schon versucht, die Erfahrung mit reinzulegen – in den vergangenen Jahren habe ich ja auch die andere Perspektive aus Trainer-Sicht mitbekommen.“

Mal ein Slice, mal ein Stop...

Mal ließ er einen kurzen Ball direkt hinter das Netz tropfen. Dann streute er einen Slice ein. Gewiefte Schachzüge, um die Druckwelle von der anderen Seite abzufedern. „Das ist ein bisschen mein Spiel, das Tempo rauszunehmen. Für einige ist das nicht so angenehm, gegen eine Art Spieler wie mich zu spielen...“, grinste Klasen.

„Das ist ein bisschen mein Spiel, das Tempo rauszunehmen. Für einige ist das nicht so angenehm, gegen eine Art Spieler wie mich zu spielen...“

Friedrich Klasen

Tatsächlich brachte er mit diesem Tempomat-Tennis nacheinander den Gifhorner Laurenz Blickwede (6:1, 6:3), Jonas Lichte (TuS Wettbergen/6:2, 6:2), den an Nummer zwei gesetzten Luis Lentz (Bremer TV/6:3, 7:5) und Benjamin Schweizer (6:1, 2:0 Aufgabe) zur Verzweiflung. Und schlussendlich auch Jannik Opitz (TC Alfeld) im Finale mit besonderer Note. Denn als Klasen in Hannover vor vielen Jahren als Landestrainer angefangen hatte, hat er seinen Endgegner selbst noch eine zeitlang gecoacht, bevor dieser zu einem USA-Studium aufbrach. Doch auch Opitz’ konsequentes Angriffstennis verpuffte an der unbequemen Spielweise seines einstigen Lehrmeisters. Dass die Plätze in Lüneburg durch den Regen aufgeweicht waren und die Bälle nicht so hoch absprangen, kam Klasen dabei zusätzlich entgegen. Er behauptete sich mit 6:4, 3:6, 10:5.

Jeder Schritt schmerzt...

„Das war schon cool. Damit habe ich nicht so gerechnet“, war der Hankensbütteler selbst geflasht von seinem Auftritt. Eigentlich wollte er nach vielen Monaten mit sporadischen Einheiten nur möglichst viel Praxis für die bevorstehenden Punktspiel-Runden mit dem Hildesheimer Tennis-Club Rot-Weiß in der Regionalliga sammeln. „Am Ende hat einfach alles gepasst.“ Da nahm er am Tag nach dem Triumph mit einem gequälten Lächeln auch die Folgeerscheinung von fünf Matches binnen drei Tagen in Kauf: „Heute geht es fast gar nicht... Mir tut gefühlt jeder Schritt weh.“ Der Muskelkater wird vergehen. Der erste Landesmeister-Titel im Herrenbereich bleibt bestehen.

Mia-Sophie Müller und der Landesmeisterschafts-Fluch - frühes Aus auch für Oesinger Krebs

Überraschungssieger Friedrich Klasen war nicht der einzige Teilnehmer aus dem Kreis Gifhorn in der Vorwoche bei den TNB-Meisterschaften der Damen, Herren und Altersklassen in Lüneburg. In der weiblichen Konkurrenz ging nach einer längeren Turnierpause (natürlich auch Corona-bedingt) auch das Tiddischer Talent Mia-Sophie Müller an den Start. Allerdings war für die junge Akteurin vom DTV Hannover bereits in der ersten Runde Endstation. Müller unterlag gegen die an Position sieben gesetzte Neila Trklja (Tennis- und Ski-Club Göttingen) nach umkämpftem ersten Satz mit 5:7, 1:6. Zuvor hatte sie sich bei anderen Turnieren ins Halbfinale respektive Finale gekämpft, in Lüneburg wiederum holte sie ihr alter Fluch wieder ein. Schon wieder das Sofort-Aus. „Landesmeisterschaften sind einfach nicht mein Turnier - ich weiß auch nicht... Ich konnte es schon in der Jugend nicht gewinnen“, seufzte Müller. Sie hätte nicht schlecht gespielt, aber es reichte nicht.

Zumindest eine Idee weiter schaffte es Mailina Nedderhut vom TC GW Gifhorn. Sie schaltete zunächst Müllers Vereinskollegin Lillien Thielking durch ein 6:2, 6:4 aus, doch gegen die Favoritin Josy Daems (TV Sparta 87 Nordhorn) hatte die zweitjüngste Teilnehmerin im Feld dann das Nachsehen (5:7, 1:6).

Dritter Vertreter aus dem Isenhagener Land bei den TNB-Titelkämpfen war Jan-Marko Krebs vom SV Groß Oesingen im Herren 30-Wettbewerb. Er zog in der Gruppenphase gegen seine Kontrahenten Dirk Tiedemann (TC Jesteburg/1:6, 7:6, 7:10) und Michael Schock (SV Arnum/4:6, 2:6) den Kürzeren.

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