Ex-Profi Arne Hoffart und IseLöwe Frank Kalinowski pessimistisch

Nach Abstieg: Fan-Duo aus dem Fußball-Nordkreis sieht schwere Zeiten auf Eintracht Braunschweig zukommen

Ein Bild des Jammers: Yari Otto ist nach dem Zweitliga-Abstieg von Eintracht Braunschweig in Hamburg zu Tränen aufgelöst.
+
Ein Bild des Jammers: Yari Otto ist nach dem Zweitliga-Abstieg von Eintracht Braunschweig in Hamburg zu Tränen aufgelöst.
  • Ingo Barrenscheen
    vonIngo Barrenscheen
    schließen

Schon wieder ein (Wieder-) Abstieg. Damit ist Eintracht Braunschweig, damit sind seine leiderprobten Fans vertraut. Doch anno 2021 gestaltet sich der Status quo nach dem Tiefschlag äußerst diffizil. Es blüht ein Neustart unter extrem schwierigen Bedingungen in der 3. Liga. Auch zwei bekannte Gesichter aus dem Nordkreis-Fußball und eingefleischte Löwen-Anhänger zeichnen eine eher düstere Prognose.

Arne Hoffart kennt den Stich ins Herz nur allzu gut aus eigener Erfahrung. Gerade erst war er 1992 der U19 von Eintracht Braunschweig entsprungen und in den Zweitliga-Kader aufgerückt, da ging es für die Blau-Gelben ein Jahr später am Ende der Spielzeit mit einer aufgeblähten 24er-Staffel (!) eine Etage tiefer in die Drittklassigkeit. Rund drei Dekaden später hat den BTSV dieses Schicksal wieder ereilt durch die 0:4-Schlappe am Pfingstsonntag beim Hamburger SV. Dieses Mal litt der heutige Coach des hiesigen Fußball-Kreisligisten FSV Vorhop-Schönewörde nicht als Spieler im Stadion, sondern als treuer Wegbegleiter vor dem Fernseher mit.

Duo übt Kritik für alle Eintracht-Ebenen

Der 47-Jährige hat viel mitgemacht mit seiner Eintracht. Dem Härtegrad nach katalogisieren ließen sich die bitteren Momente nicht, sagt er. „Jeder Abstieg ist schlimm als Super-GAU. Das zu vergleichen ist schlecht.“ Dem Sturz läge in seinen Augen ein Versagen auf ganzer Linie zugrunde. An einzelnen Punkten oder Personen ließe sich das nicht festmachen. „Es sind so viele Fehler passiert. Viele kleine Sachen haben dazu geführt. Auf allen Ebenen muss sich jeder an seine eigene Nase fassen.“ Letztlich hätten es die Löwen „sportlich verkackt“, bringt es der Mann mit dem Eintracht-Gen („Ich bin schon von jeher infiziert“) auf den Punkt.

Stand jetzt wird dir Angst und bange... Normalerweise müsste man einen Rundumschlag machen.

Arne Hoffart, früher selbst Eintracht-Profi und heute treuer Fan, zeichnet eine düstere Prognose für die neue Saison der Löwen in der 3. Liga

Unbeirrbar hatte er „tatsächlich noch Hoffnung“ besessen, dass Blau-Gelb am letzten Zweitliga-Spieltag den Rettungsanker auswirft. Denkste! „Nachdem ich ein paar Minuten vom Spiel gesehen habe, war das dann relativ schnell vorbei...“ Wenngleich er fünf Euro ins Phrasenschwein riskiere, aber: „Die Tabelle lügt nicht. Die Eintracht war relativ häufig schlechter als der Gegner.“ Der Abstieg sei im Grunde nicht erst gegen den HSV passiert. „Das war ein schleichender Prozess.“ Frank Kalinowski sieht’s genauso. Der Frontmann des Fanclubs IseLöwen hatte das Unheil zuletzt kommen sehen. „Man konnte den richtigen Biss nicht mehr sehen.“ Schon im Spiel zuvor gegen Erzgebirge Aue hätten alle salopp ausgedrückt „einen Kackstift in der Hose gehabt“. Eine Ärmel-hoch-Mentalität nahm der Steinhorster nicht wahr. „Wir haben es verdient nicht gepackt.“

Er kennt das Abstiegs-Szenario mit Eintracht Braunschweig aus eigener Erfahrung: Arne Hoffart (vorne, hier gegen Wolfsburgs Ralf Ewen), heute Coach vom Kreisligisten FSV Vorhop-Schönewörde, musste 1993 mit den Löwen den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten.

Und nun!? Ex-Profi Hoffart schwant, dass es „nächste Saison megaschwer wird“. Weil nach dem Rückfall in Liga 3 eine komplizierte Gemengelage an der Hamburger Straße vorherrscht. Sage und schreibe 18 Spieler-Verträge laufen aus. Nicht so bei Trainer Daniel Meyer. Doch der steht auf der Abschussliste. Er selbst sprach treffend von der „Stunde null“. Finanziell seien die Rücklagen nach der erfolgreichen Ära unter Torsten Lieberknecht „alle aufgebraucht“, pointiert Kalinowski. Daher betonte auch Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann mit Blick voraus: „Wir müssen uns strecken, damit wir wirtschaftlich mit den Spitzenteams der Dritten Liga mithalten können.“

Ruf nach Rundumschlag: Neuaufbau ohne Meyer und Vollmann

Der Begriff Scherbenhaufen sei daher nicht von der Hand zu weisen, bestätigt Hoffart. „Stand jetzt wird dir Angst und bange...“ Wenngleich er sich selbst als Coach mit Trainer-Rauswürfen schwertut, sagt er: „Normalerweise müsste man einen Rundumschlag machen.“ Dito, bestätigt Kalinowski und bezieht dabei Vollmann ganz explizit mit ein in den geforderten Cut. Braunschweigs Manager hätte in vielen Situationen, zuletzt beim vermeintlichen Saufgelage-Skandal nach dem Würzburg-Spiel, auch fragwürdig agiert und sei nicht mehr tragbar für einen vernünftigen Neuaufbau, meint der IseLöwe.

Der Fanclub IseLöwen mit dem Steinhorster Frank Kalinowski (vorne l.) steht trotz des Zweitliga-Abstiegs weiterhin eisern zum BTSV.

Aber wie kann dieser unter den gegebenen Umständen aussehen? Kalinowski hofft, dass „wenigstens ein kleines Gerüst“ rund um Jannis Nikolaou, Brian Behrendt, Danilo Wiebe oder Dominik Wydra erhalten bleibt. Vielleicht ergänzt durch junge, ausgeliehene Talente von Bundesliga-Klubs. Selbst dann könne die Eintracht „froh sein, auf einem gesunden Mittelfeld-Platz zu landen“, glaubt der Steinhorster. Eine Dauerkarte hat er trotzdem schon wieder gekauft. An den Fans wird das schwierige Unterfangen Wiederaufstieg jedenfalls nicht scheitern...

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare