Laufen – Marlen Heise aus Wittingen meistert New-York-Marathon / Ein Wunschtraum für jeden Läufer

„Das Großartigste, was ich machen konnte!“

Imposante Kulisse: Wie hier auf der Verrazzano Bridge bot der New York Marathon 2014 für die Athleten wieder tolle Bilder...

Wittingen. Ich war mal wieder in New York… Erst vor wenigen Tagen ist Marlen Heise aus den USA zurückgekehrt. Schon 2012 war die Wittingerin in den Big Apple gereist, um am New-York-Marathon teilzunehmen und hatte sogar eine Medaille erhalten.

Ohne überhaupt einen Schritt auf der 42-Kilometer-Distanz gelaufen zu sein. Hurrikan Sandy hatte den Marathon im wahrsten Sinne des Wortes abgeblasen. „Ich kam freitags in den USA an und am selben Abend wurde der Marathon noch abgesagt. Das war höhere Gewalt“, meinte die Ausdauersportlerin aus dem Nordkreis. Ohne groß enttäuscht zu sein.

Nach der verpatzten Premiere stand aber fest. „Da muss ich noch einmal hin.“ Denn: Dieser Marathon ist „ein Wunschtraum für jeden Läufer“, strahlt Heise. Und diesen Traum erfüllte sie sich jetzt – mit einem Jahr Verspätung. Eine Teilnahme 2013 wäre sie nämlich doppelt teuer zu stehen gekommen. „Wenn ich im letzten Jahr gelaufen wäre, hätte ich das Startgeld von 2012 nicht wiederbekommen. Und 800 Euro wollte ich dann doch nicht bezahlen“, sagte Heise, die erst 2011 intensiv mit dem Laufen begann.

Jeden Morgen. Fünfmal pro Woche. Immer vor der Arbeit. „Ich kann nur etwas erreichen, wenn ich den Hintern aus dem Bett kriege“, grinst Heise. Und das Ziel stand auch schon früh fest. „Ich wollte unbedingt einen Marathon laufen“, sagt sie, die sich drei Monate intensiv auf den Lauf vorbereitete. Aber warum ausgerechnet New York? „Der Marathon ist eben einzigartig“, erwidert Heise. Weil die Strecke eben nicht eben ist. Es geht „hoch und runter“. Selbst im Schlussabschnitt im Central Park müssen die dann schon ausgelaugten Sportler noch einige knackige Anstiege bewältigen. Für Heise deshalb vergleichbar mit einer „Königsetappe“ im Radsport. „Das war das Großartigste, was ich machen konnte“, ist die Wittingerin froh und stolz über ihren erfüllten, läuferischen Lebenstraum.

Rund 4 Stunden und 20 Minuten hat sie für die 42 Kilometer durch die fünf New Yorker Stadtteile gebraucht. Von Staten Island ging es über die Verrazano-Narrows-Brücke hinüber nach Brooklyn, durch Queens und die Bronx bis nach Manhattan. Zeit, sich die Stadt anzuschauen, hatte Heise in den Tagen vor dem Marathon schon genug. Auf der Strecke konzentrierte sich Heise nur auf ihren Lauf. „Bis Meile 13 habe ich gar nicht gemerkt, wo ich gerade bin. Und dann war ja schon fast die Hälfte rum“, sagt die Wittingerin und muss lachen: „Mir ist die Zeit irgendwie davongelaufen.“ Zu sehr hatte sie das Flair fasziniert. „Das musste ich aufsaugen.“

Die ohnehin sportbegeisterten US-Amerikaner sorgten am Streckenrand für eine „super Stimmung. Das ist nicht in Worte zu fassen. Jeder wollte mir dir abklatschen.“ So waren auch die widrigen äußeren Temperaturen zu ertragen. „Es war schweinekalt“, meinte Heise, die auf Staten Island gut zweieinhalb Stunden auf ihren Start warten musste. Dazu ein sehr starker Wind, der die Sportler beinahe weggeweht hätte. „Auf den Brücken hat mir der Wind beinahe die Beine weggerissen.“

In den Straßenschluchten der 8,5-Millionen-Stadt ließ sie sich dann mitreißen. Es sei keineswegs bedrückend gewesen, unterhalb der riesigen Wolkenkratzer zu laufen, erzählt Heise. Viel mehr habe sie sich auf den breiten Straßen frei gefühlt. Der Druck, vielleicht noch krank zu werden und den Marathon nicht laufen zu können, fiel mit jedem Schritt mehr ab. „Ich hätte auch noch weiterlaufen können“, meinte Heise rückblickend. Letztlich war sie aber nur froh, wieder gesund ins Ziel gekommen zu sein. „Ich will nicht auf Biegen und Brechen etwas erreichen. Der Spaß soll ja bleiben.“

Fünf Marathons hat Heise nun gefinished. Zweimal Hamburg, Berlin, Hannover und eben New York. Die Begeisterung für das Laufen ist aber ungebrochen. Und Ziele gibt es für das nächste Jahr auch schon. Neben diversen Halbmarathons und dem Wasa-Lauf in Celle plant Heise im März eine Teilnahme am Marathon in Rom. Auch wegen der vielen Sehenswürdigkeiten in der ewigen Stadt. Und die 51-Jährige will noch einmal hoch hinaus. Im Juni will sie beim Zugspitzlauf mitmachen. Und New York? „Ich werde vielleicht noch ein drittes Mal dahinfliegen.“ Dann bleiben die Laufschuhe aber wahrscheinlich zu Hause in Wittingen. „Zweimal New-York-Marathon. Das reicht!“

Von Matthias Jansen

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