Corona „kap“pt Müllers Mission

Homeoffice mit Aussicht: Der Bromer Daniel Müller befand sich bis zum gestrigen Freitag im Zuge einer christlichen Hilfs-Organisation in der Nähe des südafrikanischen Kapstadt, heute steigt er in den Flieger zurück nach Deutschland. FotoS: MÜLLER

Hawaii, Nepal, Südafrika. Daniel Müller, Fußballer vom FC Brome, war seit über einem Jahr mit der christlichen Organisation „Youth With A Mission“ unterwegs. Wie sich sein Aufenthalt am Kap der (nicht mehr so) guten Hoffnung mit dem Coronavirus verändert hat, erklärt er dem IK.

Kapstadt/Brome – Heute endet für Daniel Müller das Abenteuer am Rande der südafrikanischen Metropole Kapstadt. Dann steigt er in den Rückhol-Flieger nach Deutschland. Seit September befand sich der Bromer dort. Mit der Organisation „Youth With A Mission“ versuchte er, Kinder und Jugendliche auf die richtige Bahn zu bringen. Auch Obdachlosenarbeit stand auf dem Programm. Wochenlang war jedoch „alles eingefroren“, bedauert er. Das Coronavirus hat der Mission einen Strich durch die Rechnung gemacht, zuletzt stand nur Online-Unterricht an. „Wir wollten in neun Monaten durch die ganze Bibel gehen, diese studieren und schauen, wie sie sich erklärt“, erzählt der gläubig aufgewachsene Müller.

Unter die Arme greifen

In Südafrika hatte er – wie auch in Nepal und Hawaii zuvor – eine unfassbar schöne und prägende Zeit. Auf Grundlage des christlichen Glaubens versuchte er mit der Organisation, den ärmeren Menschen, die kaum eine Chance auf ein geregeltes Leben haben, unter die Arme zu greifen. „Es ist schön zu sehen, den Kindern hier eine Freude zu machen und sie auf die richtige Bahn zu bringen. Das ist der Hintergrund des Projekts“, erklärt Müller. Mit den Kindern hat er im Zuge des Organisations-Projekts „Future Stars“ regelmäßig Fußballtraining gemacht. Ein Sport, der gut dafür da ist, gewisse Werte zu vermitteln, etwa den Zusammenhalt untereinander. „Ich denke, der Fußball ist da ein guter Kommunikator“, glaubt Müller. „Das Projekt nutzt den Sport, um den Kindern wichtige Werte zu vermitteln und zu zeigen, dass sie geliebt und wertvoll sind, häufig verlinkt mit Jesus als Vorbild.“

Fünf-Level-Plan

Doch das Corona-Virus setzte einen Cut. „Die Krise ist hier später losgegangen als in Deutschland. Erst Ende März. Dafür aber radikaler“, erklärt er. Es gebe einen Fünf-Level-Sicherheitsplan. Seit dem 26. März befand sich Südafrika auf Level fünf – verbunden mit einer Ausgangssperre. Nur Einkaufen, der Besuch des Arzneigeschäfts und Arztbesuche waren möglich. „Da wurde harsch kontrolliert und es wurden drastische Maßnahmen ergriffen“, erzählt Müller. Sogar Gefängnisstrafen sollen laut Müller bei Nichteinhaltung gedroht haben. Am 1. Mai und 1. Juni gab es leichte Lockerungen der Corona-Einschränkungen. Mit einem schlimmen Effekt: Die Zahl der Toten und Erkrankten stieg dramatisch. In dieser Woche durchbrach Südafrika die Schwelle von 100 000 Covid 19-Infektionen! Am Dienstag zählte das auf dem afrikanischen Kontinent am schlimmsten betroffene Land schon 2052 Tote. Und die Provinz West Kap, zu der eben auch Kapstadt zählt, hat sich zu einer Pandemie-Hochburg entwickelt.

Warum er nicht schon vorzeitig nach Hause gereist ist? Die schnelle Gefahr, bei der Rückreise das Virus zu bekommen. „Ich war da, wo ich gewesen bin, gut aufgehoben, habe weiter Kontakt mit meiner Familie gehabt. Die unterstützt mich“, erklärte Müller. Er denkt vielmehr auch an die vielen armen, obdachlosen Menschen Südafrikas. Nicht wenige davon gehören mit HIV-Infektion zur Risikogruppe. „Man macht sich natürlich Gedanken, malt sich Horrorszenarien aus, was in den Slams passieren könnte“, bangt Müller.

FCB-Rückkehr geplant

Trotz der aktuell prekären Zeit muss sich der Bromer Gedanken auch um seine Zukunft machen. Heute geht es nun tatsächlich zurück nach Hause, ab September möchte Müller dann etwas im Bereich Wirtschaft studieren. Am besten in der Nähe seiner Heimat. Denn: Auch auf dem Platz peilt Müller eine Rückkehr an – bei seinem FC Brome. „Ich bin motiviert, wieder Vollgas zu geben.“

Den Bezirksliga-Aufstieg mit Brome hatte er im Vorjahr aufgrund des Auslandsaufenthalts – 2019 war er nur in den Sommermonaten daheim – verpasst. „Das war schon bitter“, gesteht Müller ein. Doch umso größer ist die Vorfreude, wieder da zu sein und seine Kollegen wiederzusehen. Nicht ohne Grund hat er die Geschehnisse innerhalb des Klubs von so weit weg immer noch aktiv mitverfolgt. Müller erzählt etwa: „Dass sie in der eFootball-Kreisliga mitspielen, finde ich cool.“

Und wenn er zurückkehrt ist, hat er reichlich prägende Erlebnisse und einige wunderbar zu erzählende Geschichten im Gepäck. So viel ist sicher.

VON ROUVEN PETER

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