Handball – 3. Liga: Ex-Wittinger Kai Lemke mischt beim TuS Vinnhorst gut mit

„Cool, diesen Weg mitzugehen“

Heute und früher: Beim starken Neu-Drittligisten TuS Vinnhorst hat Kai Lemke (5. v. l.) sehr häufig Grund zu Sieger-Selfies in der Kabine...
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Heute und früher: Beim starken Neu-Drittligisten TuS Vinnhorst hat Kai Lemke (5. v. l.) sehr häufig Grund zu Sieger-Selfies in der Kabine...

Vinnhorst/Wittingen – Nicht einmal 48 Stunden vor Heiligabend ging es für Kai Lemke noch einmal gewaltig zur Sache. Auswärtsspiel in der 3.   Liga Nord-Ost beim Bundesliga-Unterbau der Füchse Berlin (28:26).

Mehr als nur ein Hauch von Profi-Handball so kurz vor der knapp bemessenen Feiertagspause. Gerade einmal elf Tage bleiben dem gebürtigen Wittinger in Diensten des ambitionierten TuS Vinnhorst, um ein wenig besinnlich zu werden und einfach die Füße hochzulegen. Dann bittet sein Cheftrainer Nei Cruz Portela schon wieder zur ersten Einheit 2020. „Wir konnten ihn gerade noch überzeugen, nicht am 2. , sondern erst am 3. Januar zu starten“, grinst der 27-Jährige. Doch Lemke nimmt diese Strapazen liebend gern in Kauf. Denn für ihn ist, in sportlicher Hinsicht, ein großer Weihnachtswunsch schon in Erfüllung gegangen.

Keine schlechte Vita

...nachdem er seinem Heimatverein VfL Wittingen 2017 den Rücken gekehrt hatte.

Ein Wittinger Drittliga-Handballer. Eine Rarität. Der Rückraum-Baum von einem Mann aus der Brauereistadt hat es geschafft. Als er 2017 den hiesigen VfL verließ, hätte er sich „nicht gleich so direkt ausgemalt“, wohin ihn das ehrgeizige Projekt TuS Vinnhorst führen würde. Der damalige Wittinger Oberliga-Spieler ging bewusst einen Schritt zurück, um letztlich zwei Schritte vorwärts zu machen im Handballer-Leben. Mit dem Hannoveraner Verein, der mittel- bis langfristig die Prinzen-Rolle in der Landeshauptstadt hinter den Recken und die 2. Bundesliga anstrebt, ging es schnurstracks von der Verbandsliga steil bergauf in die unterste Profi-Klasse. Und selbst dort mischt Aufsteiger Vinnhorst als aktueller Tabellen-Dritter direkt in der Spitzengruppe mit. Mittendrin statt nur dabei: Lemke. Und das macht ihn stolz: „Die 3. Liga ist für meine Vita schon sehr erfolgreich. Es ist cool, diesen Weg mitgehen zu dürfen. Eine super Sache, ich kann mich nicht beschweren...“

Eine einmalige Chance

Immerhin stand der Rückraum-Rechte im Aufstiegsjahr nur sporadisch im TuS-Kader. Weil bei seinem dualen Studium die Zwischenprüfung anstand und verständlicherweise Priorität genoss. „Für mich ist Handball schon noch immer ein Hobby, für andere in dieser Klasse schon der Beruf“, unterstreicht Lemke. Daher musste er sich zurücknehmen. Und doch ging er den Weg in Deutschlands dritthöchste Klasse mit, während andere Mitstreiter abwinkten. Kein Wunder bei vier Übungseinheiten und einer Partie pro Woche. „Wann bekommt man als Wittinger schon einmal die Chance, in der 3. Liga zu spielen!? Das muss man einfach nutzen und gucken, ob man mithalten kann.“

Realistisches Selbstbild

Und augenscheinlich hat Lemke die Gunst der Stunde tatsächlich am Schopfe gepackt. Spielt im Schnitt zehn bis 15 Minuten pro Partie für Vinnhorst. Vornehmlich in der Abwehr. Wobei er seine Rolle im mit ehemaligen Erst- und Zweitliga-Akteuren gespickten Kader realistisch einschätzt. „Zur ersten Riege gehöre ich nicht. Ich bin dazu da, den Leuten eine Pause zu geben oder neue Impulse zu setzen.“ Lemke hat den „großen Schritt“ von der Oberliga zum nächsten Level geschafft und sich seine Nische im Abwehr-Innenblock erkämpft. Eine Position, die er zu Wittinger Zeiten nie bekleidete. „Scheinbar habe ich mich da ganz gut entwickelt“, lacht der 27-Jährige und schiebt hinterher: „Ich kann mich ganz gut damit identifizieren.“ Offensiv hat er mit Hendrik Pollex ein Mega-Kaliber vor sich, der jahrelang für den TSV Hannover-Burgdorf im Oberhaus unterwegs war. Nicht schlimm. Lemke: „Da kann ich, trotzdem ich schon ein paar Jahre Handball spiele, viel lernen.“

Der Traum 2. Liga

Doch der ehemalige Wittinger ist sich absolut bewusst, dass „irgendwann die Grenze kommen wird“. Sollte Vinnhorst in Zukunft tatsächlich die großen Zwei Dessau-Roßlauer HV 06 und HC Empor Rostock (spielen im Schnitt vor über 1000 Zuschauern attackieren und überholen können, müsse er schauen, „ob ich dem Projekt treu bleiben darf“. Die 2. Liga wäre dann noch einmal eine andere Hausnummer, dessen ist sich Lemke bewusst. „Davon kann ich nur träumen. Ich muss gucken, was ich selbst aus mir rauskitzeln kann. Solange ich dabei sein kann, nehme ich das natürlich mit. Und wenn es nicht mehr reichen sollte, bin ich auch nicht traurig.“ Denn die tollen Erfahrungen bislang kann ihm keiner mehr nehmen. Wie etwa das Aufstiegs-Relegationsspiel in Stralsund vor immerhin 1100 Fans. „Schon ein beeindruckendes Erlebnis.“

Zurück nach Wittingen?

Wer weiß: Vielleicht führt ihn der Weg irgendwann dauerhaft und nicht nur zum Fest der Liebe im Kreise der Familie zurück in die Brauereistadt. „Ausgeschlossen ist nichts. Wenn es die Möglichkeit gibt, würde ich das machen. Maßgebend ist, wo ich beruflich lande.“ Keine Frage: Für die SG VfL wäre der Homecoming-Hüne wie eine Weihnachts-Bescherung und ein Silvester-Knaller in einem.

VON INGO BARRENSCHEEN

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