CSI Allersehl beeindruckt bereits am ersten Turniertag / 350000 Euro Etat / Wilder Wetter-Wechsel

Chapeau!

Grüßgott, Allersehl! Thomas Brandt gewann mit seinem Pferd Cortado gestern das M*-Springen für Fünfjährige und schickt einen Willkommensgruß an das Top-Turnier. Das CSI kommt in Fahrt.

Allersehl. Mal schwarz, mal weiß, zwischendurch auch mal Grauzone: An himmlischer Abwechslung mangelte es gestern nicht über Allersehl. Zum Auftakt des Pferdesportfestivals Niedersachsen 2014 packte Petrus alle Farb-Facetten aus. Am Ende aber lachte die Sonne.

Und mit ihr die Organisatoren.

Das CSI lebt! Die Niedersachsen und speziell der Allersehler an sich sind sturmfest und erdverwachsen, das ließ Tag eins beim Reit-Spektakel ganz klar durchschimmern. Als gegen Nachmittag die Schauer einsetzten, verzog Kai Laibach keine Miene. Der Vorsitzende des gastgebenden Reit- und Fahrvereins Isenhagener Land nahm vielmehr kurzweilen die britische Staatsbürgerschaft an und kommentierte das nasse Übel mit trockenem Humor: „Was wäre Allersehl ohne Regen. Da würde doch was fehlen...“ Tatsächlich kamen die überschaubaren Regenfälle den Machern ganz recht zu diesem Zeitpunkt. „Wir hatten schon überlegt, auf den Abreiteplätzen zu wässern“, erklärte Laibach. Damit’s nicht zu doll staubt.

Abstauben möchte bei der Weltranglisten-Premiere im 137-Seelen-Örtchen auch Andre Sakakini. Möglichst viel Preisgeld. Gut 115 000 Euro werden während der fünf Turniertage ausgeschüttet. Insgesamt beläuft sich der Etat auf 350 000 Euro. Eine gewaltige Hausnummer, mit der Initiator Holger Bock und Co. hantieren. Für Sakakini ist es das erste Mal in Allersehl. Der gebürtige Ägypter mit italienischem Pass reiste aus seinem Stammsitz-Stall im Münsterland an. Ein Multi-Kulti-Debütant, der den Geist des Events bestens verkörpert. Breiten- trifft Spitzensport.

Mühe bei der Anreise hatte Sakakini übrigens nicht. Nur bei den letzten 65 Kilometer bis Allersehl abseits der Autobahnen sei etwas Geduld gefragt gewesen, grinste er. Ein befreundeter Reiter hatte ihm ans Herz gelegt, unbedingt beim Pferdesportfestival zu starten. Mundpropaganda. Als er rückseitig auf das Turniergelände fuhr und den kleinen Sand-Springplatz erspähte, gab es doch erst einmal einen kleinen Kulturschock. „Ich war ganz irritiert, hatte doch gehört, dass es einen großen Grasplatz gibt“ Doch der Anblick der herrlich grünen Haupt-Arena zauberte ein Lächeln auf seine Lippen. „Wunderschön“, lobte Sakakini. Zumal das Turnier durch seine breite Ausschreibung „ideal“ sei, um auch jüngere Pferde an das internationale Flair zu gewöhnen.

Dieses hatte Holger Bock ganz bewusst gewählt, um die nächste Stufe zu erklimmen. „Beim Brainstorming mit unserem neuen Sportdirektor Tjark Nagel haben wir uns gefragt: Was können wir besser machen? Der nächste logische Schritt kann nur international heißen“, erklärte der Turnierchef. Dank Nagels Connections kein Problem. Er sieht sich vor Ort als Bindeglied zwischen Veranstalter und Reitern.

Eine feste Bindung besteht seit einigen Auflagen – mittlerweile ist es Allersehls achte Symphonie – auch zu Volkswagen. Axel Diedrich von der VW-Sportförderung ist stolz, dass Bock beim Erfahrungsaustausch auch einige Veranstaltungstipps angenommen hat. Wie der berühmte Käfer fährt und fährt und fährt VW auch beim Pferdesportfestival – nämlich fort mit dem Sponsoring. Diedrich betonte: „Für die nächste Veranstaltung in zwei Jahren haben wir auch schon unterschrieben.“

Zwei Jahre. Diesen Zyklus will Vorreiter Bock künftig wieder einhalten. „Der Aufwand muss auch machbar sein“, sagte er mit Blick auf die vielen Ehrenamtlichen und die Familie. Aber erst einmal herrscht noch vier Tage Action pur. Speziell auf dem Haupt-Springplatz mit dem Allersehler Night Grand Slam oder dem Großen Preis von Niedersachsen. Das grüne Geläuf sei übrigens ebenfalls etwas ganz Besonderes, hob Nagel hervor. „Es gibt fast überall nur Sandplätze. Gerade für junge Pferde ist das ein ideales Umfeld, wenn sie den nächsten Schritt gehen wollen.“ Die Galopp-Freude dürfte auf das Publikum überspringen.

Von Ingo Barrenscheen

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