Handball – Oberliga: VfL Wittingen kassiert überflüssige 27:35-Pleite in Helmstedt

Der Bumerang in Überzahl...

Überzahl-Situationen als Bumerang: Für den Handball-Oberligisten VfL Wittingen (Torben Hildebrandt, Stefan Tietz) entwickelte sich aus vermeintlichen Vorteilen nachteilige Momente im Auswärtsspiel in Helmstedt. Die Quittung: Saisonpleite Nr. 1. Foto: Jansen

Helmstedt. Unweigerlich überkam Axel Bühlow ein Déjà-Vu.

Die überflüssige wie überdeutliche 27:35 (15:15)-Pleite des Oberliga-Frischlings VfL Wittingen bei HF Helmstedt-Büddenstedt erinnerte ihn in einem wesentlichen Grundzug doch arg an den Auswärts-Auftakt gut ein Jahr zuvor in Wietzendorf. Wieder machte das böse Ü-Wort die Runde.

„Wir hatten in Überzahl einen sehr, sehr schlechten Tag“, winkte Bühlow am gestrigen Sonntag enttäuscht ab. Der Aufsteiger stand summa summarum zehn Minuten lang mit einem Spieler mehr auf der Platte. Doch meist wirkte sich das Personal-Plus wie ein Bumerang aus. Statt die günstigen Momente selbst auszuschlachten, ging der VfL meist mit einer Negativ-Bilanz aus dem numerischen Übergewicht hervor. „Das hat sich langgezogen wie ein roter Faden“, grummelte Bühlow.

Das beste (respektive schlechteste) Beispiel für das merkwürdige Manko ereignete sich nach gut 40 Minuten. Wittingen, eingangs total nervös und mit einem klassischen Fehlstart (1:6), hatte sich zunehmend in die Partie gefuchst und den Rückstand wettgemacht. Kai Eschert, der nach nur fünf Minuten für den krank ins Spiel gegangenen Torben Banse auf die Mittelposition rückte, führte dabei geschickt Regie und schwang sich zur Antriebsfeder für die Kehrtwende auf. Bei 20:19-Führung verletzte sich seinerseits Helmstedts Führungsfigur Nilas Praest. Dazu noch glatt Rot gegen HF-Keeper Steffen Oppenheimer, der den starken Malte Sültmann nach einem Tempogegenstoß beim Zurücklaufen touchierte. Der VfL in doppelter Überzahl, aber mit zwei Gegentoren!

„Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht. Und für Helmstedt war das wie ein Signal zum Kämpfen“, verstand Bühlow die verkehrte Welt auf dem Feld nicht mehr. Aus einem vermeintlichen Vor- entwickelte sich ein krasser Nachteil. Oder der „Genickbruch“, wie Bühlow es ausdrückte. Die Gäste plötzlich innerlich blockiert, womöglich mit der Angst vor der eigenen Courage, mutmaßte ihr Coach. In der Schlussviertelstunde kam nur noch „Angsthasen-Handball“ von den Brauereistädtern. „Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass wir zu grün waren“, rätselte Bühlow.

Die Blockade in den Wittinger Köpfen saß mit einem Mal so fest, dass eine an und für sich ordentliche Auswärtspartie in einer Schlappe mündete. Auch wenn Bühlow relativierte: „Das Ergebnis ist zu hoch ausgefallen und spiegelt unsere Leistung nicht wider.“ Kurzum: Neuling Wittingen zahlte gestern in Helmstedt Lehrgeld. „Ich hoffe, dass die Mannschaft daraus dann auch lernt.“

Am Sonnabend wurde die zweite Runde im Pokal des HVN und BHV (25./26. Oktober) ausgelost. Der VfL Wittingen trifft in seinem Turnier im Halbfinale auf den Verbandsligisten TSV Burgdorf III. Mögliche Finalgegner wären die Staffelgefährten HSG Nienburg und TuS GW Himmelsthür.

Von Ingo Barrenscheen

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