Fußball: TSV Bergfeld nach Zuschauer-Entgleisung mit ungewöhnlicher Maßnahme

„Der Bogen ist weit überspannt!“

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Leute, was ist los!? Der TSV Fortuna Bergfeld hatte in der jüngeren Vergangenheit häufiger Probleme mit Zuschauern und macht dies nun publik.

Bergfeld – Uwe Fredrich sah sich schlichtweg gezwungen, „die Notbremse zu ziehen“.

Deshalb greift der Vorsitzende des TSV Bergfeld zu einer ungewöhnlichen, wohl nie da gewesenen Maßnahme: Weil die Fortunen in jüngster Vergangenheit mehrfach Probleme mit pöbelnden Zuschauern beim Fußball hatten, beruft der Verein eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein! Das (Streit-)Thema am Sonntag, 18. August, um 18. 30 Uhr im Gasthof Zur Post in Bergfeld: Regeln für das Miteinander auf dem Sportplatz.

Zwei saftige Strafen

Keine Effekthascherei. Denn dem aufsehenerregenden Schritt liegen zwei explizite Vorfälle zugrunde, die dem TSV in der Vorsaison zwei saftige Geldstrafen seitens des NFV-Kreises Gifhorn einbrockten. Langjährige Mitglieder seien jeweils dem Schiedsrichter „bis in die Kabine hinterhergelaufen und haben ihm gesagt, was sie von ihm halten“, drückt Fredrich den Geleitschutz der anderen Art noch galant aus. Beileibe kein Kavaliersdelikt in seinen Augen. „Das ist schon eine Hausnummer – und der Bogen weit überspannt. Die Schiedsrichter fühlen sich dann doch bedroht.“

Schaden fürs Ehrenamt?

Bergfelds Vereins-Chef selbst wurde erst durch die Buß-Bescheide, veranlasst durch Sonderberichte der Referees, über die offenbar schon länger schwelende Problematik aufmerksam. „Aber es geht nicht nur ums Geld. Mir haben Ehrenamtliche gesagt, dass sie so keine Lust mehr haben weiterzumachen.“ Ein Punkt, der dem kleinen Verein viel mehr schaden würde. Vom ramponierten Image ganz zu schweigen. „Unser Ansehen wird zerstört“, unterstreicht Fredrich.

Offensiver Umgang

Dinge, die er so nicht stehen lassen konnte und wollte. Doch mit Entschuldigungen bei den handelnden Personen des NFV-Kreises sei es in seinen Augen schlichtweg nicht getan gewesen. Deshalb macht der TSV-Vorsitzende das heikle Thema nun bewusst publik. Wenngleich sich der Vereins-Vorstand nicht ganz einig gewesen sei, „ob das nicht überzogen ist“. Doch Fredrich tickt in mancherlei Hinsicht eben anders. Und will „offensiv damit umgehen. Irgendetwas muss passieren. Wir müssen Flagge zeigen.“ Mit dem Signal: So geht’s nicht weiter.

Als Plattform dafür dient die außerordentliche Mitgliederversammlung in neun Tagen. Kern-Inhalt: Wie verhalte ich mich gegenüber dem Schiedsrichter, den Trainern und Spielern? Und die Fortunen-Führungsriege wird den Anwesenden auch ganz klar aufzeigen, welche Konsequenzen bei Nichteinhaltung drohen. Fredrich kündigte bereits eine Satzungs-Änderung im Januar an, durch die Strafen dann von den verantwortlichen Vereinsmitgliedern selbst zu tragen sind. Und auch ein Platzverbot sei nicht ausgeschlossen.

Teichert: „Top-Schritt“

Die Verantwortlichen des Fußball-Kreises haben ihr Kommen zugesagt – und begrüßen diesen unerforschten Weg. „Es ist ein Top-Schritt in meinen Augen. Das hat schon eine andere Wirkung, als wenn man solche Themen im stillen Kämmerlein versucht zu klären“, sagt der Spielausschuss-Vorsitzende Timo Teichert. Roland Effe, lange Jahre hochrangiger Unparteiischer beim TSV Bergfeld, hat eigens eine Power-Point-Präsentation ausgearbeitet. „Der ist interessant gestaltet und macht schon Sinn“, bekräftigt auch der Kreisschiedsrichter-Obmann Dennis Laeseke. Fredrich glaubt, „dass die Botschaft rüberkommt“. Es wäre dem Verein der Außendarstellung halber zu wünschen.

VON INGO BARRENSCHEEN

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