DIE GEPLANTE SAISONVERLÄNGERUNG IM NFV: Viele Nordkreis-Fußballer stehen hinter dem Plan

Die Befürworter überwiegen

Die avisierte Saisonverlängerung im NFV sorgt im Nordkreis hier und da für Zündstoff. An der Basis bei den Fußballern selbst steht man dem Plan aber weitestgehend positiv gegenüber.
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Die avisierte Saisonverlängerung im NFV sorgt im Nordkreis hier und da für Zündstoff. An der Basis bei den Fußballern selbst steht man dem Plan aber weitestgehend positiv gegenüber.

Isenhagener Land – Seit dem Wochenende ist die avisierte Saisonverlängerung im NFV das Gesprächsthema Nummer 1 unter Fußballern und Fans. Das IK hat sich im Nordkreis umgehört, wie dieser Notfall-Corona-Plan mit Wiedereinstieg im Spätsommer an der Basis der Gifhorner Klubs ankommt.

Großes Gemurre macht sich nicht breit in den nördlichen Gifhorner Fußballgefilden.

Ganz klar gibt es hier und da auch zwiegespaltene Meinungen zum Vorhaben des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV), die seit dem 13. März ausgesetzte Saison 2019/20 in den Schockfroster zu verschieben und dann möglichst zwischen dem 15. August und 1. September wieder aufzutauen. Aber die breite Masse an Trainern und Spielern bekundet durchaus Verständnis für das angedachte Konzept.

Dieses hatte der NFV um seinen Präsidenten Günter Distelrath im Verbandsbeirat den 33 Mitgliedskreisen am vergangenen Freitag vorgestellt. Das Präsidium stieß auf einhellige Zustimmung. Das Konzept gilt unter den Verantwortlichen als „alternativlos“, ein Saisonabbruch aus (haftungs)-rechtlichen Gründen als ausgeschlossen. Damit schließen sich die Niedersachsen dem Vorstoß des Bayerischen Fußballverbandes an. In Brandenburg hingegen sprach sich die Mehrheit der Vereine bereits für einen Saisonabbruch aus.

Überall in Niedersachsen wird das Modell unterdessen kontrovers diskutiert. Der NFV hat sich erstmals zu seinem Vorhaben öffentlich geäußert und die unmittelbar nach Beendigung der Telefonkonferenz durchgesickerten Eckdaten bestätigt. Distelrath entschuldigte sich, dass „Teile des Ergebnisses“ bereits in die Öffentlichkeit gelangt sind, „bevor wir unsere Vereine informieren konnten. Diesen Vorgang bedauern wir außerordentlich, da er in keinster Weise der Informations- und Kommunikationspolitik unseres Verbandes entspricht.“

Am Ende dieser Woche will der NFV-Verbandsbeirat endgültig entscheiden, zuvor aber noch die Basis mit ins Boot holen. Dafür hatte es am zurückliegenden Sonntag bereits eine Online-Konferenz mit Funktionären der 83 Gifhorner Vereine gegeben, die klar das Votum pro Saisonverlängerung – bei drei Gegenstimmen – hervorbrachte (das IK berichtete). Am kommenden Sonntag wird wieder virtuell getagt, dann wird die flächendeckende NFV-Entscheidung mit all seinen Modalitäten kommuniziert.

„Kein Freund von einer Halbjahres-Lösung“

Thorsten Thielemann, VfL Wahrenholz.

Viele hiesige Kicker stehen offenbar hinter einer Fortsetzung der unterbrochenen Spielzeit. Auch die Trainer der beiden Nordkreis-Bezirksligisten. „Ich bin ein Befürworter, dass die Saison vernünftig zu Ende geführt wird“, bekräftigt Thorsten Thielemann vom VfL Wahrenholz. Wobei der Amateurfußball, letztlich nicht mehr als eine Freizeitbeschäftigung, in seinen Augen momentan absolut Nebensache sei. „Wichtig ist, dass alle selbst klar kommen im Leben.“ Mit Blick über den Tellerrand hinaus betont Thielemann andererseits aber auch: „In diesem Jahr wird es schon ganz schön eng – wie soll es dann mit der nächsten Saison aussehen? Ich bin kein Freund von einer halbjährigen Lösung. Wie will man dann entscheiden, wer welche Heimspiele hat!?“ Der VfL-Coach spielt damit auf die Idee an, die Serie 20/21 nur mit einer Hinrunde auszutragen, um dann ab Sommer 2021 wieder in den normalen Turnus zu kommen.

„Im Prinzip das Gerechteste“

Losgelöst von irgendwelchen Auf- oder Abstiegsfragen, hatte sich sein Kollege Mark-Oliver Schmidt vom FC Brome bereits frühzeitig mit dem Szenario einer Wiederaufnahme beschäftigt. „Das ist im Prinzip das Gerechteste. Jeder von oben oder unten hat die Option, die Saison zu Ende zu spielen.“

Und sein Schicksal selbst auf dem Platz zu bestimmen. Die spannende Anschluss-Frage für ihn lautet: „Macht man dann eine Saison vom 1.1. bis 31.12. oder will man wieder in den Sommer-Rhythmus rein!?“

Weber sieht noch „einige Fragezeichen“

Derweil findet Detlef Weber, Coach des Kreisligisten VfL Knesebeck, die lange Auszeit schade. Doch die Fortsetzung ist auch in seinen Augen „sinnvoll, weil ja noch einige Wettbewerbe mit Pokal und Meisterschaften auszuspielen sind“. Doch es gäbe noch einige offene Juckepunkte. Etwa das Thema Vereinswechsel. „Das ist das Störende an der Geschichte.“ Genauso wie die Frage, ob Akteure, die 18 werden, dann noch in der laufenden Spielzeit in den Herrenbereich aufrücken können. Eines pointiert Weber obendrein, sollte der Spielbetrieb wie anvisiert wieder aufgenommen werden können: „Eine Vorbereitung ist ein Muss! Von mindestens vier Wochen. Die Jungs werden sich so einiges abgewöhnt haben.“

Eilmus findet’s „schon demotivierend“

Als Marvin Eilmus vom vorgezeichneten Weg erfuhr, sei das im ersten Augenblick für ihn „schon demotivierend“ gewesen, gibt der Kapitän des SV Groß Oesingen unverhohlen zu. Sein Trainer Torben König hatte dem Kreisligisten schon ein paar Läufe verordnet zum Fitness-Erhalt. „Haben wir das jetzt alles umsonst investiert die letzten Wochen!? Schon ein krasser Schritt“, findet Eilmus. Zumal bis August/September eine „lange Zeit“ ins Land ziehen würde. Es fehle schlichtweg das Ziel Punktspiel, um den Fokus aufrecht zu erhalten. Daher ist Eilmus ein wenig zwiegespalten ob der Dinge, die da im Raum stehen: „Einerseits ist es gut, die Saison irgendwie zu Ende bringen zu wollen. Aber auf Biegen und Brechen muss es auch nicht zwingend sein. Es wäre für viele Teams aber auch unfair, wenn man jetzt einen Schnitt machen würde.“

Fetahu tendiert eher zum Abbruch

Naim Fetahu, VfL Wittingen/Suderwittingen.

Auch Naim Fetahu, Seitenlinien-Dirigent des VfL Wittingen/S., ist nach eigenem Bekunden „hin- und hergerissen“. Seiner Ansicht nach würde der NFV mit seinem Ansatz nur dem Stresstest einer Klagewelle seitens der Vereine aus dem Weg gehen wollen. Tendenziell hätte er, bei aller Rücksicht auf die sportliche Solidarität, eher zum Abbruch geneigt. „Das wäre vielleicht einfacher.“ Härtefälle in Aufstiegsfragen müsse man dann eben akzeptieren. Denn auch Fetahu hängt die schönste Nebensache der Welt nicht zu hoch: „Was ist schon fair zurzeit!? Manche Leute dürfen arbeiten, andere nicht...“ Zudem wisse ja niemand, ob die aktuelle Spielzeit im angedachten Zeitraum wirklich durchgezogen werden kann. Grundsätzlich ist dem Übungsleiter der Brauereistädter vor allem an einem gelegen: „Die Verantwortlichen müssen langfristig denken, damit ab Winter kein Leerlauf entsteht.“

Zwiespalt im Hause Drangmeister...

Man könnte ja nun auch meinen, dass dem derzeitigen Kreisliga-Primus VfL Ummern ein Cut gelegen käme – womöglich wären die Germanen dann Aufsteiger. Doch weit gefehlt! „In dieser Lage ist es der beste Weg – bei einem Abbruch hätte es immer Verlierer gegeben“, setzt Trainer Jörg Drangmeister auf den Fairness-Gedanken. Sein Sohn Jannes sei hingegen angesichts seines verkündeten Wechsels zum Landesligisten SSV Kästorf „nicht so erfreut“ gewesen. „Er hat sich schon darauf eingeschossen. Aber in dieses Fettnäpfchen müssen jetzt alle treten.“

„Nicht das letzte Wort“

In Abstiegsnot steckt der TSV Grußendorf in der 2. Kreisklasse – und will den Ligaerhalt sportlich schaffen, ist damit im Einklang mit der Entscheidung des NFV. „Es wäre schwachsinnig, wenn du die Saison komplett abbrichst“, findet Trainer Matthias Berneis. Sicherlich auch, weil es hier und da Abbruchs-Szenarien gibt, bei denen seine Mannschaft, aktuell als 13. auf einem Abstiegsplatz, absteigen könnte. Und doch bezweifelt Berneis, dass das NFV-Szenario der finale Ausweg des aktuellen Chaos’ ist. „Ich glaube, es ist noch nicht das letzte Wort gesprochen“, betont Berneis mit Blick auf die ungewisse Corona-Lage. „Wir müssen von Woche zu Woche schauen.“

„Faire Geschichte“

Andreas Tack, TV Emmen.

Mit den NFV-Plänen zeigt sich auch der TV Emmen, Spitzenreiter der 2. Kreisklasse, einverstanden. „Es ist eine faire Geschichte, so erst einmal auf Zeit zu spielen“, meint TVE-Trainer Andreas Tack. Zumal es klüger sei, die Saison ab September fortzusetzen und nicht gleich mit einer neuen Serie zu starten, „sonst hast du bei einer weiteren Unterbrechung zwei Mal so ein gebrochenes Ei“. Für Tack ist es bei einer Fortsetzung im September wichtig, „spätestens“ wieder Anfang August trainieren zu dürfen. Das sei nötig nach der viel zu langen Pause. Zudem sei er zufrieden, wenn er sportlich um den Aufstieg kämpfen könne. „Man will jetzt nichts geschenkt kriegen am Grünen Tisch“, betont Tack.

Klamme Kassen!?

Den gewissen Unmut gibt es in der 2. Kreisklasse aber doch noch. Und zwar beim SV Sprakensehl. „Finanziell ist das schwierig für die Vereine“, ahnt SSV-Spielertrainer Waldemar Bier. Zumal müsse man zusehen, die Spieler – ob Kinder oder Erwachsene – bei Laune zu halten. „Aber was bleibt uns für eine andere Wahl?“, fragt sich Bier zurecht, weshalb er die NFV-Pläne letztlich einfach hinnimmt – wenn auch mit gewissen Zweifeln.

VON INGO BARRENSCHEEN UND ROUVEN PETER

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