Handball: Der SG VfL Wittingen/Stöcken droht bei Auf- und Abstieg der Damenteams ein einmaliges „Worst Case-Szenario“

Bald in einer Liga? Das Damen-Dilemma!

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Frust nach der ersten Saisonhälfte: Die erste Damenmannschaft der SG VfL Wittingen/Stöcken (l. Nathalie Glamann, Nena Frenkel, hinten Trainer Wolfgang Zugier) liegt mit drei Punkten auf dem letzten Platz. Es droht ein Novum in der Vereinsgeschichte.

Wittingen. Über den Köpfen des Damen-Handballs bei der SG VfL Wittingen/Stöcken hängt, an einem seidenen Faden, ein Damoklesschwert an der Decke der Gelben Halle. Es ist Saison-Halbzeit.

Und während die erste Mannschaft in der Landesliga trotz eines seichten Aufschwungs und den ersten drei Zählern auf der Habenseite Weihnachten im Zwielicht der unliebsamen Roten Laterne verbringt, verbuchte die Reserve wiederum in der Regionsliga die Herbstmeisterschaft. Was nach dem Status quo bedeuteten würde: Im nächsten Jahr würde die Regionsoberliga zur Schnittstelle werden! Beide Damenteams in ein- und derselben Klasse: Das wäre ein Novum.

Und in den Augen von Tatjana Sablottny „ein Worst Case-Szenario“. Mit diesem hat sich nicht nur die stellvertretende Spartenleiterin der SG VfL, die für den Damensektor zuständig ist und ihrerseits auch in der zweiten Riege spielt, im Verein schon einmal beschäftigt. Bislang waren es nur lose Gedanken. Diese hätten sich dann auch erst einmal wieder verflüchtigt. Doch die Thematik am Horizont verdichtet sich. Eine durchaus vertrackte Situation für Wittingen/Stöcken. Doch Sablottny ist guter Dinge: „Es wird eine enge Kiste, aber ich gehe davon aus, dass die erste Damen es schafft.“ Es wäre allein schon deshalb wichtig, um den nachrückenden A-Jugendlichen weiterhin die sportliche Perspektive Landesliga bieten zu können.

Dass es für die Erste schwer werden würde angesichts des gewaltigen Umbruchs im vergangenen Sommer, war allen Beteiligten bewusst gewesen. Mit Sablottny, aber auch mit erfahrenen Kräften wie Mandy Meyer oder Svenja Schultze waren langjährige Leistungsträgerinnen aus Alters-Aspekten ins zweite Glied zurückgetreten. Und sorgen dort nun gewissermaßen für den Fluch der guten Tat. Wittingen/Stöckens Reserve mischt schon in den vergangenen Spielzeiten immer im Dunstkreis der Spitze mit. Nun steht der eigentliche Unterbau verlustpunktfrei an der Tabellenspitze. Reserve-Trainerin Mirja Lücke bekräftigte in jedem Fall, dass das Team aufsteigen will. „Wir wurden in der Vergangenheit schon einmal als Dritt- oder Viertplatzierter gefragt, ob wir hoch wollen. Das haben wir abgelehnt. Aber wenn wir es dieses Mal aus sportlicher Sicht schaffen, würden wir den Schritt auch gehen.“ Und dann womöglich auf die eigenen Vereinskolleginnen treffen, wenn diese ihrerseits die Landesliga nicht halten können. Ein Schicksal, das aktuell übrigens auch die HG Elm teilt.

Ein möglicher Ausweg könnte sein, einige Arrivierte doch noch einmal in der ersten Mannschaft aushelfen zu lassen für das Unternehmen Klassenerhalt. Darüber sei noch nicht beratschlagt worden, erklärte Sablottny. Doch wäre diese Hilfsmission überhaupt im Sinne des Erfinders? Einerseits sind die Routiniers nicht ohne Grund kürzergetreten. Zweitens würde man die Jüngeren wieder degradieren, betonte Lücke. Einen Königsweg gibt es also nicht.

Bis auf Weiteres herrscht das Prinzip Hoffnung. Dass die junge Landesliga-Truppe von Wolfgang Zugier, vielleicht gepusht durch die ersten Punkte und das geplante Trainingslager Anfang Januar, doch noch die Kurve kriegt. Und durch den Ehrgeiz, das besagte Damen-Dilemma nicht Realität werden zu lassen. „Ich hoffe, es ist ein Ansporn für unsere Erste, alles zu mobilisieren“, sagt Sablottny.

Die ersten Spiele 2019 gegen den direkten Konkurrenten HSG Liebenburg/Salzgitter werden direkt wegweisend. Sablottny: „Dann wird man eine Richtung sehen.“

Von Ingo Barrenscheen

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