Fußball – Nebel sorgt für Raritäten-Absagen / Absolutes Verständnis bei Klubs

„Bälle kamen aus Nichts“

Blindflug: So wie im Kreisliga-Spiel Sprakensehl gegen Grußendorf herrschten undurchsichtige Verhältnisse. Foto: Barrenscheen

Isenhagener Land. Wie sie sehen, sehen sie nichts. . . Deutschlands Trainer-Legende Helmut Schön hat seit Sonntag Schicksalsgenossen im Isenhagener Land. Am 15.

November 1978 wurde ausgerechnet das Abschiedsspiel des 74er Weltmeister-Machers gegen Ungarn in Frankfurt wegen Nebels abgebrochen. Gut 30 Jahre später ereilte dieses seltene Phänomen punktuell auch hiesige Klubs.

Knesebecks Coach Marco Lenz sprach augenzwinkernd vom „Nebel des Grauens“. In der Tat waren die – zugegeben wenigen – Spielabsagen/-abbrüche am Wochenende filmreif. Weil so außergewöhnlich. „Das hat es alles schon gegeben. Aber das ist wahnsinnig lange her“, kramte Gifhorns Spielausschuss-Vorsitzender Heinz Jeske ganz tief in der Gedächtnis-Kiste. Er selbst musste einmal als Schiedsrichter eine Partie vorzeitig wegen Smog-Alarm beenden. Wohl gemerkt in den 70er-Jahren... „Damals konnte ich wirklich nicht mehr von einer Hälfte bis zum Tor gucken“, entsinnt sich Jeske.

Derartige Verhältnisse herrschten auch am Sonntag auf einigen Plätzen. Deshalb hatte Jeske – genauso wie alle betroffenen Trainer – vollstes Verständnis für die Entscheidungen der Referees. Auch wenn der Rahmenspielplan engmaschig gestrickt ist. „Es liegt letztlich im Ermessen des Schiedsrichters. Das wird schon seine Richtigkeit gehabt haben“, urteilte Gifhorns Spielplan-Gestalter, der selbst zwei Schleier-Fußballtänze in Wesendorf und Sprakensehl miterlebte. Die Regel besagt, dass der Unparteiische von einem Tor zum anderen gucken können muss.

Diesen raumgreifenden Durchblick hatte der Unparteiische am Taterbusch nicht. Deshalb pfiff er die Partie VfL Wahrenholz II gegen SV Groß Oesingen in der 1. Kreisklasse 1 erst gar nicht an. Verzögertes Verständnis bei VfL-Coach Hans-Ulrich Peters. „Zu Anfang wäre es wohl noch gegangen. Aber dann zog es immer mehr zu. Deshalb war die Entscheidung im Nachhinein auch vollkommen richtig.“ Für ihn war die Nebel-Absage eine völlig neue Erfahrung. „Das war das erste Mal in meiner langen Fußballer-Laufbahn. Dann habe ich sowas auch noch mal erlebt“, schmunzelte Peters.

Auch für seinen Trainer-Kollegen Sven Reschke von Kreisligist SV Hankensbüttel war die Situation „Neuland“. Die Partie in Triangel wurde zur Halbzeit beim Stand von 3:2 für den HSV gecancelt. „Absolut verständlich und sinnvoll, die Gesundheit geht vor“, meinte Reschke. Die Lage sei „extrem“ gewesen. „Man konnte keine zehn Meter gucken. Die letzten Aktionen in der ersten Hälfte konnte ich von der Trainerbank aus nicht mehr verfolgen.“ Fußball auf blauen, nein weißen Dunst. Deshalb seien den Torhütern auch Schnitzer unterlaufen, „die es unter normalen Bedingungen nicht gegeben hätte“, so Reschke. „Die Bälle kamen aus dem Nebel, aus dem Nichts.“

Ebenfalls zur Pause Schluss war im Duell VfL Knesebeck gegen Bokensdorf. Dabei hatte der Ernst-Hiestermann-Platz beim Aufwärmen noch im Sonnenschein gelegen. Doch ratzfatz wurde er zum Suppen-Grün. Natürlich sei der Abbruch angesichts einer 2:0-Führung schade gewesen, doch alles andere wäre laut VfL-Coach Marco Lenz „gegen jede Vernunft gewesen“. Von den Spielern waren nur noch Silhouetten zu erkennen. Eine einzige Waschküche! Lenz süffisant: „Ich war froh, dass wir noch die richtige Kabine gefunden haben.“

Von Ingo Barrenscheen

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