Judo: Scoccimarro freut sich auf heutigen Heim-Grand Slam in Düsseldorf

„Atemberaubendes Gefühl“

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Comeback in Düsseldorf: Nach Platz fünf im Vorjahr beim Grand Prix hofft Giovanna Scoccimarro (r.) heute, nach der Aufwertung zum Grand Slam, erneut auf eine gute Platzierung.

Lessien/Düsseldorf. Für die längste Theke der Welt hat Giovanna Scoccimarro keine Augen. Ihr Ausflug nach Düsseldorf an diesem Wochenende steht unter einem ganz anderen Gesichtspunkt.

Das Judo-Ass aus Lessien will beim deutschen Heim-Grand Slam in der Rheinmetropole einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Und nach Möglichkeit noch ein Stückchen weiter kommen als noch vor zwei Wochen in Paris, als sie in ihrer Klasse bis 70 Kilogramm auf die Weltranglistenerste Chizuru Arai (Japan) traf und trotz großer Gegenwehr die Segel streichen musste im zweiten Kampf. Im Vorjahr belegte Scoccimarro in Düsseldorf den fünften Platz. Wohl gemerkt handelte es sich damals noch um einen Grand Prix. 2018 wurde das Event zum zweiten von insgesamt fünf Grand Slams hochgestuft und deshalb auch in den ISS Dome verlagert (dort trägt etwa auch Eishockey-Erstligist DEG seine Heimspiele aus). Mit dem Umzug hofft Peter Frese, Präsident des Deutschen Judo-Bundes (DJB), auf einen Anstieg auf „4000 bis 4500 Zuschauer pro Tag am Wochenende. Das wäre ein guter Schritt nach vorne.“

Eine Kulisse, die selbstverständlich auch das Top-Talent vom MTV Vorsfelde antreiben soll. Scoccimarro freut sich schon ungemein auf ihren Start am heutigen Samstag. So ein Heimspiel sei noch einmal etwas ganz anderes. „Das Publikum pusht. Im letzten Jahr gab es in Düsseldorf sogar einen Fanblock. Das war echt der Hammer und ein atemberaubendes Gefühl!“ Auch ihre Eltern könnten „locker mal hinfahren“. Vielleicht werden also auf der Tribüne fleißig die familiären Daumen gedrückt.

Neugierige können Scoccimarro heute womöglich auch im Fernseher erspähen: Der Sender Sport 1 überträgt ab 17.30 Uhr live. „Eine Platzierung wäre schon wünschenswert“, sagt die 20-Jährige. Im Auftaktkampf trifft sie auf die Slowenin Anka Pagacnik, die sie bei der EM 2017 besiegte. Schafft sie dies wieder, würde im zweiten Durchgang, wie schon in Paris, erneut eine bärenstarke Japanerin warten: Yoko Ono gewann im Vorjahr den Grand Slam in Tokyo und ist amtierende Asienmeisterin!

Indes wäre DJB-Präsident Frese „froh, wenn wir drei Athleten in die Medaillen bringen. Und ein deutscher Titelträger wäre für die Fans natürlich hervorragend.“ Scoccimarro zählt nicht zwangsläufig zu den deutschen Medaillenhoffnungen in den Teams der Bundestrainer Richard Trautmann (Männer) und Claudiu Pusa (Frauen). Schon eher Karl-Richard Frey (Leverkusen) in der Klasse bis 100 kg und Martyna Trajdos (Hamburg) in der Klasse bis 63 kg. In dem äußerst starken Teilnehmerfeld werden 550 Athletinnen und Athleten aus 72 Nationen an den Start gehen, darunter auch der französische Judo-Superstar Teddy Riner (über 100 kg). „Da sind noch stärkere Leute dabei als in Paris“, sagte Frese in Bezug auf den ersten Grand Slam, den die DJB-Auswahl mit drei Medaillen abschloss.

Von Ingo Barrenscheen

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