Handball: Wittingen/Stöckens Herren wollten als einziges spielen – doch Staffelleiter setzt Partie ab

Die Absageflut erreicht auch die SG VfL-Insel!

Per Verbands-Entscheid in die Knie gezwungen: Wittingen/Stöckens Herrencoach Dirk Divjak (r.) muss auf sein Punktspiel-Debüt warten.
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Per Verbands-Entscheid in die Knie gezwungen: Wittingen/Stöckens Herrencoach Dirk Divjak (r.) muss auf sein Punktspiel-Debüt warten.

Wittingen – Was für ein Hick-Hack! Die am Mittwoch erlassenen Richtlinien des Handball-Verbands Niedersachsen (HVN) mit Blick auf die ansteigenden Corona-Zahlen haben ein extremes Spieltags-Chaos ausgelöst.

Speziell in den beiden Landesliga Ost-Staffeln der Damen und Herren von der SG VfL Wittingen/Stöcken überschlugen sich seither praktisch stündlich die Ereignisse.

Die Brauereistadt stellte inmitten einer Flut von Absagen an diesem Wochenende eigentlich eine Insel dar. Doch obwohl die Herren „spielen wollten“, wie Abteilungsleiter Kai Schüttenberg bekräftigt, wurde der heutige Heim-Auftakt gegen den VfL Lehre am Freitagnachmittag durch den Staffelleiter abgesetzt! Dabei waren bis gestern weder der Landkreis Gifhorn noch Helmstedt laut Corona-Ampel Risikogebiete.

Rascher Sinneswandel

Doch beim Gast aus Lehre hatte ein Sinneswandel eingesetzt. Donnerstagfrüh hätte SG VfL-Coach Dirk Divjak zunächst in einem Telefonat die Rückmeldung erhalten, dass Lehre antreten will. Am späteren Abend sah das schon wieder anders aus. Nachdem alle anderen (!) Partien in der Staffel gecancelt wurden, sah der Kontrahent nach einer teaminternen Abfrage keinen Sinn darin, aus der breiten Masse auszuscheren. Daher bat Lehre um eine Spielverlegung.

Kein Anlass zur Absage

Die Krux: Der HVN räumt gemäß seiner neuen Maßgabe spontane Verschiebungen nur dann ein, wenn faktisch in einem der beiden Gebiete, aus denen die Teams stammen, der Corona-Inzidenz-Wert über 35 liegt. In beiden Landkreisen (noch) nicht gegeben. Daher sah Wittingen/Stöcken keine Veranlassung, die Begegnung abzublasen. „Wir könnten jetzt aus Sympathie sagen, wir verzichten. Aber es gibt keine Regelung, weil es die Vorgaben nicht hergeben“, erklärte Divjak am Freitagmorgen. Zudem sei seine Riege „heiß“, endlich wieder unter Wettkampf-Bedingungen auf die Platte zu dürfen. Gleichwohl ließ er auch Kritik am HVN durchblicken: „Es wäre sicherlich sinnvoll, das von Seiten des HVN anders zu regeln.“

Lehre stellt Sinnfrage

Doch Lehre ließ nach dem ersten Widerspruch aus Wittingen nicht locker. Auf die Formalien des HVN zu pochen, kann VfL-Coach Kai-Olaf Reinemann nicht nachvollziehen. Für ihn schlichtweg „eine Frage des gesunden Menschenverstands. Man muss sich nicht an das Gebot halten, wenn alle anderen absagen. Da muss ich die Sinnfrage stellen.“ Mit Blick über den Tellerrand hinaus warf Reinemann die berechtigte Frage auf: „Warum soll ich mich in ein System reinstürzen, wenn es morgen nur noch den Charakter eines Freundschaftsspiels hat.“ Nicht nur er rechnet damit, dass angesichts der Entwicklung der komplette Spielbetrieb wieder zum Erliegen kommt, bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Also wendeten sich die Lehrer noch einmal an den Verband – und erzwangen gewissermaßen die Absetzung...

„Froh über jedes Spiel“

Somit bleibt heute, wenn nicht noch spontan etwas passiert, nur das Debüt der SG VfL-Damen gegen die SG Südkreis Clenze. Auch in dieser Gruppe waren, Stand gestern, nur noch zwei Matches übrig geblieben. „Ich sehe keinen Drang, das Spiel abzusagen, solange sich der Gegner damit anfreunden kann und nichts anderes vom HVN kommt. Man hat es ja schon länger auf dem Schirm, dass es keine normale Saison werden kann. Wir sind froh über jedes Spiel, was wir machen können“, sagte Wittingen/Stöckens Coach Andreas Witzke. Das sei aber eine tagesaktuelle Meinung. Ob der Aufsteiger wiederum zum ersten Auswärtsspiel beim TuS Oldau-Ovelgönne (aus dem Hotspot Celle) antreten wird, steht auf einem anderen Blatt Papier. „Was nächste Woche ist, weiß keiner. Es kann sein, dass sich der HVN zusammensetzt und sagt: Feierabend.“ VON INGO BARRENSCHEEN

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