Beim 3:2-Sieg des HSV gegen Werder Bremen hat es Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer mit zahlreichen schwierigen Situationen zu tun

Und wieder ein typisches Nordderby

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„Unschuldslamm“ Marko Arnautovic kann’s nicht fassen. Für seine Disziplinlosigkeit kassiert er von Referee Thorsten Kinhöfer die gelb-rote Karte.

mh Hamburg. Nicht nur im Niedersachsen-Derby, auch im 98. Bundesliga-Nordderby in Hamburg zwischen dem HSV und Bremen geht es hoch her. FIFA-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) hat in der phasenweise umkämpften und spannenden Partie bei schwierigen Bodenverhältnissen alle Hände voll zu tun.

In der 57. und in der 80. Minute leistet sich Werder-Kapitän Clemens Fritz zwei klar verwarnungswürdige Grätschen. Auch wenn es die einzigen derben Foulspiele per Grätsche durch Fritz sind – diese rücksichtslosen Attacken bedingen zwingend den gelben Karton. Dabei sieht es in der 57. Minute fast so aus, als zögere der Unparteiische und verwarne Fritz erst nach seinem Abwinken und Reklamieren. Wenn das so gewesen ist, hätte der Referee die Situation falsch bewertet: Schon die Grätsche ist ohne Wenn und Aber gelbwürdig.

Auch Marko Arnautovic fliegt in der 91. Minute zu Recht vom Platz. Der Österreicher kassiert nach wiederholten Vergehen richtigerweise den gelben Karton. Aus Frust holt der Werder-Stürmer aus, als wolle er den Ball auf Kinhöfer knallen, der reflexartig zum Schutz ein Bein hebt. Für diese Disziplinlosigkeit gegen die Autorität des Schiedsrichters muss auf jeden Fall mindestens die gelbe Karte kommen – ein Unparteiischer darf sich das nicht gefallen lassen und darüber hinwegsehen.

Glück für HSV: Aogo benutzt den Oberarm

In der 46. Minute erzielt Dennis Aogo das 2:1 für seinen HSV. Sehr schwer für das Schiedsrichter-Team und im Fernsehen nur nach mehrfachen Zeitlupen zu erkennen: Aogo benutzt seinen rechten Oberarm, um sich den Ball vorzulegen. Im Gegensatz zum korrekten 2:0-Treffer des Hannoveraners Diouf im Niedersachsen-Derby gegen Wolfsburg liegt in Hamburg ein absichtliches Handspiel vor.

Der Oberarm von Aogo geht aktiv zum Ball – es hätte direkten Freistoß für Werder Bremen und die gelbe Karte für Aogo wegen seiner Unsportlichkeit geben müssen.

In der 52. Minute, beim 3:1 von Artjoms Rudnevs, wollen tatsächlich einige Kommentatoren den lettischen Nationalstürmer zuvor bei der Flanke von Aogo drei Millimeter im Abseits gesehen haben. Der „Pfiff der Woche“ hat die bis zum Redaktionsschluss vorliegenden Rückblenden mehrfach angeschaut.

Fakt ist: Der entscheidende Moment für Abseitsbeurteilung, nämlich der Moment, in dem die Kugel den Fuß von Aogo verlässt, ist von keiner Zeitlupe sicher einzufangen. So ist es durchaus möglich, dass sich Rudnevs zum Zeitpunkt der Ballabgabe auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Abwehrspieler befindet. Und da es ohnehin heißt „Im Zweifel für den Stürmer“, macht der FIFA-Assistent Detlef Scheppe aus Wenden im Sauerland alles richtig, als er die Fahne unten lässt – ganz im Geiste des Fußball-Regelwerks, das Tore sehen und nicht etwa die beste Abseitsfalle belohnen will.

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