Bremer Vize-Kapitän will nach Tschechien

Theodor Gebre Selassie soll nicht gehen - Werder Bremen bietet ihm einen neuen Vertrag an

Florian Kohfeldt hält überaus große Stücke auf seinen Vize-Kapitän Theodor Gebre Selassie - und hofft ihn mit einem neuen Vertrag über das Saisonende hinaus beim SV Werder Bremen zu halten.
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Florian Kohfeldt hält überaus große Stücke auf seinen Vize-Kapitän Theodor Gebre Selassie - und hofft ihn mit einem neuen Vertrag über das Saisonende hinaus beim SV Werder Bremen zu halten.

Bremen – Ein beherzter Absprung, das rechte Bein durchgestreckt – und schon hatte es Theodor Gebre Selassie wieder einmal unter Beweis gestellt, dass Werder Bremen beim besten Willen nicht auf ihn verzichten kann. Seit Jahren schon liefert der Tscheche zuverlässige Auftritte ab, mindestens solide, hin und wieder aber auch entscheidend – wie am Samstag beim zähen 2:0-Heimerfolg über den FC Augsburg, als der Verteidiger in der Schlussphase das wichtige 1:0 markierte.

Werder Bremens Problem: Im Sommer will Theodor Gebre Selassie Deutschland nach neun Jahren wieder verlassen. Ein Jammer für den Verein, der das letzte bisschen Hoffnung aber noch nicht aufgegeben hat. Nach dem Augsburg-Spiel rollte Trainer Florian Kohfeldt den roten Teppich für Theo aus. „Es liegt nur an ihm“, sagte der Coach, „Theo weiß ja, was wir von ihm halten und dass wir gerne mit ihm verlängern würden“. Das alles sei lange besprochen, beim Spieler klar hinterlegt.

Gebre Selassie hat aber andere Pläne. Er möchte mit seiner Familie, mit seiner Frau und den zwei kleinen Söhnen, nach der Saison in seine Heimat Tschechien zurückkehren. Die Kinder sollen dort zur Schule gehen. Seit Jahren schon spricht er vom Nach-Hause-Kommen, hat es aber wiederholt aufgeschoben, um bei Werder bleiben zu können. „Wenn er jetzt für sich diese Entscheidung trifft, dann muss ich das respektieren“, sagte Kohfeldt.

Neuer Vertrag? Werder Bremen wartet auf Theo Gebre Selassie, der dem Club noch nicht offiziell abgesagt hat

Offiziell abgesagt hat der Spieler dem Verein aber noch nicht. Deshalb wartet Werder Bremen geduldig – und hofft. Notfalls eben bis zum letzten Moment. „Ich kann für den ganzen Verein sprechen, auch wenn das eigentlich das Kerngebiet von unserem Sportchef Frank Baumann ist“, begann Kohfeldt – und stellte Theodor Gebre Selassie dann mit dem folgenden Satz einen Freibrief aus: „Und wenn Theo erst am 30. Mai sagt, dass er hierbleiben will, dann wird er einen Vertrag kriegen.“

Seit Gebre Selassie im Sommer 2012 von Slovan Liberec zu Werder gewechselt ist, hat er 277 Pflichtspiele für den Verein bestritten, 253 davon in der Bundesliga, was ihn zum ausländischen Spieler mit den meisten Einsätzen für Werder macht. Kohfeldt hat den zurückhaltenden und mittlerweile 34 Jahre alten Profi bis dato insgesamt sieben Jahre lang auf diesem Weg begleitet. „Wir haben so viel zusammen erlebt, Gutes wie Schlechtes“, sagte er.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt will Theodor Gebre Selassie mit tschechischem Bier von Verbleib überzeugen

„Ich habe Theos Entwicklung miterleben dürfen von einem etwas schüchternen Spieler hin zu einer Persönlichkeit.“ In der laufenden Saison hat Theodor Gebre Selassie keine einzige Bundesliga-Minute verpasst, in zehn von 16 Spielen führte er die Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Da Amtsinhaber Niklas Moisander seinen Stammplatz bei Werder Bremen verloren hat, dürften für den Vize noch einige dazukommen. Ist im Sommer tatsächlich Schluss, bleiben ihm noch maximal 18 Ligaspiele.

Es ist eine Vorstellung, die Kohfeldt lieber noch von sich schiebt, erst recht nach so Partien wie gegen Augsburg, als bei Werder Bremen offensiv fast nichts ging – bis Theo kam, beherzt absprang und das rechte Bein durchstreckte. In der Vergangenheit hatte der Trainer einmal angekündigt, Theodor Gebre Selassie eventuell bei einem tschechischen Bier zum Verbleib bewegen zu wollen. Auf die Frage, ob angesichts der großen Bedeutung des Spielers inzwischen nicht eher ein Fass angemessen wäre, sagte der Trainer am Samstagabend: „Im Studium hätte ich es vielleicht noch geschafft, ein Fass mit ihm zu trinken und am nächsten Tag wieder hier zu sein. Jetzt müsste ich danach eine Woche Urlaub nehmen.“ Sollte Gebre Selassie bleiben, wäre es das doch allemal wert. (dco)

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