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Suchspiel mit Tradition: Werder Bremen braucht erneut einen neuen Kapitän - der Kandidaten-Check

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Von: Malte Bürger

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Wer wird der neue Kapitän des SV Werder Bremen: Leonardo Bittencourt, Christian Groß, Niclas Füllkrug, Niklas Stark und Marco Friedl gehören zum Kandidatenkreis.
Wer wird der neue Kapitän des SV Werder Bremen: Leonardo Bittencourt, Christian Groß, Niclas Füllkrug, Niklas Stark und Marco Friedl (v.l.n.r.) gehören zum Kandidatenkreis. © gumzmedia

Bremen – Werder Bremen braucht einen neuen Kapitän. Mal wieder. Die Zeiten, in denen Frank Baumann (2000 bis 2009) oder Clemens Fritz (2011 bis 2017) für Konstanz auf diesem Posten sorgten, sind lange vorbei. Die Nachfolger des heutigen Sportchefs beziehungsweise des Leiters Profifußball wechselten anschließend regelmäßig, zuletzt diente das Amt des Mannschaftsführers beinahe als Versprechen für einen baldigen Vereinswechsel. Zlatko Junuzovic verabschiedete sich als Fritz-Nachfolger nach nur einer Saison Richtung Salzburg, in der Folge übernahm Max Kruse, den es keine zwölf Monate später zu Fenerbahce Istanbul zog. Niklas Moisander blieb dann immerhin zwei Jahre Kapitän, ehe er nach Schweden ging und so Platz für Ömer Toprak machte – dessen Bremer Zeit nun ebenfalls endete. Wer also soll künftig die Binde beim SV Werder tragen?

„Für mich ist es wichtig, dass du Verantwortung übernehmen willst. Das ist ganz entscheidend“, betont Clemens Fritz im Gespräch mit der DeichStube. „Du musst innerhalb der Gruppe, aber auch in Verbindung mit dem Trainer sehr kommunikativ sein. Man muss ein Gefühl für die Mannschaft haben, für gewisse Situationen, was ihr guttut und was vielleicht nicht.“ Der heute 41-Jährige hat als Aktiver lange Jahre beim SV Werder Bremen bewiesen, dass er diesen Spagat beherrscht. Aber nicht als Solist, sondern als Teil des Ganzen. „Es ist nie nur der Kapitän allein, es läuft immer alles in Verbindung mit der Mannschaft und dem Mannschaftsrat ab.“

Wer wird neuer Mannschaftskapitän bei Werder Bremen? Die Kandidaten im Check

Letzteren gilt es bei Werder Bremen nun ebenfalls neu zu besetzen. Wann genau das passieren wird, ist ebenso offen wie die Kapitänsfrage nach dem Toprak-Abgang. „Damit beschäftigen wir uns aktuell noch nicht, das ist viel zu früh“, bekräftigt Clemens Fritz. „Wir wollen jetzt erst einmal die Mannschaft so schnell wie möglich zusammen haben. Danach werden wir uns alle austauschen und dann liegt es an Ole Werner und dem gesamten Trainerteam, sich Gedanken darüber zu machen, wie das Kapitänsamt ausgefüllt werden und der Mannschaftsrat aussehen soll.“ Im vergangenen Sommer hatte der damalige Coach Markus Anfang die Spieler in dieser Personalangelegenheit selbst abstimmen lassen. Welchen Weg Werner bevorzugt, ist noch unklar.

Mit Ömer Toprak hat Werder Bremen derweil einen Kapitän verloren, der ein enorm hohes Ansehen genoss. Auch deshalb hatten ihm die Bremer einen neuen Vertrag vorgelegt – wenn auch mit stark leistungsbezogenem Inhalt. Der bisherige Abwehrchef lehnte ab und hinterlässt nun eine menschliche Lücke, die innerhalb des Teams erst einmal geschlossen werden muss. Kandidaten für die Nachfolge gibt es allerdings, die DeichStube macht den Kandidaten-Check.

Der Stellvertreter: Es wäre die wohl nachvollziehbarste Lösung. Leonardo Bittencourt war in der vergangenen Saison Vize-Kapitän, trug in Topraks Abwesenheit bereits in fünf Partien von Beginn an die Binde. Der 28-Jährige ist zudem der erfahrenste Profi im gesamten Kader, hat in mehr als 200 Erstligapartien auf dem Platz gestanden und weiß also nur zu gut, was da in der kommenden Saison auf seine Mannschaft zukommt. Problem: Die eine oder andere Verletzung hat in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass auch Bittencourt immer wieder mal fehlte, darüber hinaus wird er nicht selten ausgewechselt - mal aus taktischen Gründen, mal wegen Erschöpfung, mal wegen Formschwankungen. Gerade in prickelnden Schlussphasen könnte der eigentliche Kapitän somit allenfalls noch von der Bank auf seine Teamkollegen einwirken.

Nach Abschied: Wer ersetzt bei Werder Bremen Kapitän Ömer Toprak?

Der Leitwolf: Niclas Füllkrug hat in der abgelaufenen Zweitliga-Saison gleich in mehrfacher Hinsicht überzeugt. Neben seinen Torjägerqualitäten war es vor allem die Einstellung, die ein ganz wichtiger Faktor für den SV Werder Bremen wurde. Der Stürmer wollte den Aufstieg unbedingt und demonstrierte dies mit seiner Körpersprache in jeder Sekunde der Saison - ohne dabei über das Ziel hinauszuschießen. Sein Wort hat in der Mannschaft Gewicht, Füllkrug scheut keinerlei Konflikte, in der internen Hierarchie gehört er ganz klar zum Führungszirkel. Bleibt er fit, wäre er ein Kapitän, der allein durch sein bloßes Auftreten auch beim Gegner für Respekt sorgt.

Der Neue: In der Abwehr hat Werder Bremen bereits gehandelt, mit Amos Pieper und Niklas Stark wurden zwei Spieler verpflichtet, die in der neuen Saison eine wichtige Rolle spielen sollen. Letzterer taugt dabei durchaus zum neuen Mannschaftsführer. Der 27-Jährige weiß jedenfalls, was es bedeutet, einen Bundesligisten mit der Binde am Arm zu repräsentieren. Bei seinem Ex-Verein Hertha BSC war der Innenverteidiger lange Zeit Kapitän, verdiente sich dabei ein hohes Ansehen. Dass er auch an der Weser direkt zur absoluten Leitfigur innerhalb des Teams aufsteigt, dürfte sich Trainer Ole Werner aus sportlichen Gesichtspunkten zwar wünschen, bei der Kapitänsfrage dürfte Stark dennoch allenfalls Außenseiterchancen besitzen.

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Kapitän gesucht: Marco Friedl und Niclas Füllkrug sind bei Werder Bremen echte Leader

Der Ehrgeizige: Für Marco Friedl gilt im Grunde Ähnliches wie für Niclas Füllkrug. Auch der Österreicher wollte mit allem, was er hat den direkten Wiederaufstieg. Der 24-Jährige strotzt nur so vor Ehrgeiz, selbst kleinste Trainingsspielchen nimmt er nicht auf die leichte Schulter. In seiner Zeit bei Werder Bremen hat sich Friedl vom Wackelkandidaten in der Abwehr zum absoluten Leistungsträger entwickelt, nun will und darf er sich wieder auf höchstem Niveau in Deutschland beweisen - auch eine Vertragsverlängerung erscheint greifbar nah. Seine Position in der letzten Kette und die langjährige Erfahrung in der Bremer Defensive machen ihn durchaus zu einem Anwärter auf das Kapitänsamt, zumal er seine Meinung in guten wie in schlechten Zeiten sowohl intern als auch öffentlich wortstark vertritt.

Die Erfahrenen: Christian Groß und Milos Veljkovic gehörten bereits jetzt zum Mannschaftsrat, beide übernahmen während der abgelaufenen Saison zwischenzeitlich sogar das Kapitänsamt. Führungsrollen scheut das Duo also nicht, im Rennen um die Chefposition dürften die genannten Teamkollegen aber Vorteile haben - zumal noch immer nicht abschließend geklärt ist, ob Veljkovic tatsächlich bei Werder Bremen bleibt. (mbü)

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