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Werder unterliegt in Heidenheim: „Das Kartenhaus ist eingestürzt“ - die Stimmen zum Spiel

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Von: Mario Nagel

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Der SV Werder Bremen kassierte beim 1. FC Heidenheim die erste Niederlage unter Trainer Ole Werner.
Der SV Werder Bremen kassierte beim 1. FC Heidenheim die erste Niederlage unter Trainer Ole Werner. © gumzmedia

Heidenheim - Der SV Werder Bremen hat seine erste Niederlage unter Trainer Ole Werner kassiert. Die Grün-Weißen verloren im Topspiel des 26. Spieltags mit 1:2 (0:1) beim 1. FC Heidenheim. Nach dem Führungstreffer durch Christian Kühlwetter legte Stefan Schimmer das 2:0 nach, als Anthony Jung ein grober Fehlpass unterlief. Das Freistoßtor zum 1:2-Anschluss von Marvin Ducksch kam dagegen aus Bremer Sicht zu spät. Die Stimmen zum Spiel von Ole Werner, Niclas Füllkrug und Co..

Ole Werner (Trainer SV Werder Bremen): „Wir hatten heute viele Spieler in ungewohnter Rolle. Das hat sicherlich zu einer größeren Unruhe geführt als in den letzten Wochen, gerade was den eigenen Ballbesitz angeht. Trotzdem haben wir in der ersten Halbzeit drei sehr gute Möglichkeiten, mit denen wir das Spiel auch in unsere Richtung lenken können. Wir bekommen im Endeffekt zwei relativ einfache Gegentore: Ein Mal hatten wir Probleme mit der Aufnahme, ein Mal gab es einen einfachen Ballverlust im Spielaufbau. So haben wir den Heidenheimern heute ein bisschen in die Karten gespielt.“

Werder Bremen-Trainer Ole Werner nach erster Niederlage unter seiner Regie: „Haben Heidenheim in die Karten gespielt“

...über das 0:2: „Wichtig ist für uns, dass wir immer eine Mischung aus einer kurzen Eröffnung, um den Gegner nach vorne zu holen, und auch langen Bällen haben. Wir haben es ja auch größtenteils mit langen Bällen überspielt. Tony hat unter mir noch nie als Innenverteidiger gespielt, hat auch die gesamte Trainingswoche auf dem linken Flügel gestanden. Gerade in der Spieleröffnung ist das eine ganz andere Rolle. Eine einfachere Option wäre sicherlich gewesen, Felix Agu zu finden oder wenn Pavlas den Ball direkt in den Zehnerraum spielt, aber das sind eben Dinge, die entstehen, wenn die Abläufe nicht ganz klar sind. Das war heute bei uns leider der Fall.“

Niclas Füllkrug (Stürmer SV Werder Bremen): „Heidenheim hat uns heute vor eine Aufgabe gestellt, aber ich glaube, dass wir trotzdem immer wieder zu Torchancen gekommen sind. Wir konnten uns auch in einigen Eins-gegen-Eins-Situationen durchsetzen, aber dann kriegen wir einen bitteren Gegentreffer durch einen Sonntagsschuss. Ich glaube, wenn es weiter lange beim 1:0-Rückstand geblieben wäre, dann sind wir hinten heraus im Spiel immer für ein Tor gut, wie es Duckschi dann auch überragend erzielt hat am Ende. Der zweite Gegentreffer ist halt bitter, aber da kann man keinem einen Vorwurf machen. Alle Spieler in der Defensive bei uns haben in den vergangenen zehn Spielen Top-Spiele gemacht und dann ist das halt mal so, dass einer auch mal einen Fehler machen darf.“

Ein gut eingestellter Gegner und fehlende Umstellungen - Werder Bremens erste Niederlage unter Werner in der Taktik-Analyse

Werder Bremen-Stürmer Niclas Füllkrug nach Heidenheim-Niederlage: „Wir müssen ruhig und entspannt bleiben“

...über die Chancenverwertung und den Umgang mit der Niederlage: „Es hat bei uns heute die letzte Präzision gefehlt, dazu kam auch noch ein guter Torwart beim Gegner. Das gehört auch zu so einer Phase mal dazu, damit müssen wir jetzt auch umgehen können. Wir müssen uns jetzt nicht anschreien, sondern einfach ruhig und entspannt bleiben. Wir haben in der nächsten Woche ein wichtiges Spiel und darauf müssen wir uns jetzt wieder gut drauf vorbereiten.“

Anthony Jung (Verteidiger SV Werder Bremen) über seinen Fehlpass vor dem 0:2: „Ich habe die falsche Entscheidung getroffen. Der Raum sah größer aus, als er eigentlich war. Daraus resultiert das Gegentor, das ist ein individueller Fehler von mir, da gibt es nichts drumherum zu reden. Die andere Position hatte gar nichts damit zu tun. Das ist ja keine unbekannte Position für mich, das kann ich jetzt nicht als Ausrede verwenden. Das war einfach eine schlechte Entscheidung von mir, da gibt es nichts zu beschönigen.“

...über den Umgang mit der Niederlage: „Die Welt ist jetzt nicht untergegangen. Unsere Serie, die schöne Serie ist gerissen, das Kartenhaus ist eingestürzt. Ich hab das eben schon gesagt, wir arbeiten jetzt an einem neuen Kartenhaus und versuchen, wieder eine Serie zu starten. Natürlich wird das ernsthaft analysiert und geguckt, was falsch lief. Und dann haben wir die Chance, das vor eigener Kulisse gegen Darmstadt wieder besser zu machen.“

Rückschlag mit fiesen Tücken, aber Werder will „sich nicht zerfleischen“

Niklas Schmidt (Mittelfeldspieler SV Werder Bremen): „Insgesamt war es kein gutes Spiel, es war aber auch kein schlechtes Spiel. Wir haben viele Chancen vor allem in der ersten Halbzeit gehabt, bei denen der Ball einfach nicht reinging. In der letzten Woche sind sie reingegangen. Hinten haben wir dann leider zwei bekommen. Wir haben jetzt ein Spiel verloren und dürfen nicht alles schwarzmalen. Wir haben heute absolut kein gutes Spiel gemacht, müssen jetzt aber einen klaren Kopf behalten. Wir haben eine brutale Qualität in der Mannschaft und viele Spieler, die schon anderes erlebt haben. Wir müssen uns einfach konzentrieren auf die kommenden Wochen und es da einfach besser machen.“

...über seine eigene Rolle: „Ich mache mir da keinen Kopf. Die Spieler vor mir beziehungsweise die erste Elf macht es sehr gut. Ich freue mich einfach ein Teil der Mannschaft zu sein und auf meine Einsätze zu kommen. Ob ich dann reinkomme oder auch mal nicht – ich versuche, der Mannschaft zu helfen. Wir alle haben gemeinsam ein Ziel, wir wollen aufsteigen. Da muss man sich auch mal unterordnen.“

Werder Bremen-Leiter Profifußball Clemens Fritz über Heidenheim-Niederlage: „Wussten, dass wir auch mal ein Spiel nicht gewinnen“

Clemens Fritz (Leiter Profifußball SV Werder Bremen): Wir wussten, dass auch mal ein Spiel kommt, das wir nicht gewinnen werden. Wir müssen daraus lernen und die Fehler analysieren, das werden wir aufarbeiten. Wir hatten in der ersten Halbzeit große Probleme mit der Zuordnung. Gerade über unsere rechte Seite, was man dann auch beim Tor gesehen hat, wo wir keinen Zugriff bekommen haben. Nach vorne müssen wir das in der einen oder anderen Situation besser ausspielen, mit ein bisschen Matchglück hätten wir das eine oder andere Tor in der ersten Halbzeit auch erzielen können. Wir haben gegen eine gute Heidenheimer Mannschaft gespielt, die alles reingehauen hat und einen überragenden Torhüter hatte. Es ist nicht einfach hier zu spielen, das war uns bewusst. Es ist eine sehr intensive Spielweise, die sie an den Tag legen. Es ist jetzt heute einfach mal so, aber wir schauen weiterhin positiv nach vorne. 

über den Blick auf die Konkurrenz: „Wichtig ist für uns, dass wir bei uns bleiben. Das haben wir in den letzten Wochen wirklich sehr gut gemacht. Da haben wir uns auf uns konzentriert und gar nicht mit den anderen Mannschaften beschäftigt. Wir haben eine sehr hohe Qualität, aber man hat auch gesehen, dass man diese Woche für Woche auf den Platz bringen muss.“

Leonardo Bittencourt (Mittelfeldspieler und Kapitän SV Werder Bremen): „Ich glaube, dass wir in der ersten Halbzeit die Möglichkeit hatten das Spiel zu kippen, da wir einige gute Gelegenheiten hatten. Wir hatten Heidenheim auch gut im Griff, aber kassieren dann das 1:0 aus dem Nichts. Bei einer Mannschaft, die sehr gut ist und eine starke Heimbilanz hat, dann mit einem Rückstand in die Pause zu gehen, ist immer undankbar. Meiner Meinung nach haben wir die zweite Hälfte dann auch ordentlich gestartet. Dann kassieren wir halt durch einen individuellen Fehler das 2:0, was passieren kann. Dann rennst du einem zwei Tore Rückstand hinterher, was die ganze Aufgabe in Heidenheim halt nicht leichter macht. Wir kommen dennoch zum Anschlusstreffer, der aber ein bisschen zu spät fällt. Unter dem Strich haben wir kein gutes Spiel gemacht und Heidenheim hat am Ende verdient die drei Punkte eingefahren.“

Stefan Schimmer trifft bei 1. FC Heidenheim-Sieg gegen Werder Bremen: „Wir haben heute insgesamt verdient gewonnen“

Frank Schmidt (Trainer 1. FC Heidenheim): „Ich habe ein hohes emotionales, leidenschaftliches Pressing gesehen. Wir hatten zudem, wenn mal ein Ball durchrutscht, einen sehr gut aufgelegten Torhüter.

...über die Rote Karte: „Erst einmal ärgert mich der Ballverlust, denn dann wäre die Situation gar nicht entstanden. Ich hoffe, dass dem Bremer Spieler nichts passiert, er nicht verletzt ist. Das ist das Allerwichtigste. Ich glaube, dass das in diesem Moment damit zusammenhing, dass wir in den letzten Wochen immer noch was aus der Hand gegeben haben, deshalb war das in diesem Moment etwas übermotiviert. Das passt zu Marnon eigentlich überhaupt nicht, aber es war eine Rote Karte und sicherlich einen Tick zu viel.“

Stefan Schimmer (Torschütze 1. FC Heidenheim): „Ich glaube, vor allem letzte Woche haben wir nach der 2:0-Führung einiges liegen gelassen. Wir wollten heute, zuhause vor der Kulisse, die Punkte hier behalten. Und das hat zum Glück heute funktioniert. Wir haben gearbeitet und den Gegner zu Fehlern gezwungen. Das hat gut geklappt, hätte aber auch in der ein oder anderen Situation noch besser klappen können. Wir haben heute aber insgesamt verdient gewonnen. Beim Tor versuche ich einfach, an den Ball zu kommen und dann ist es gar nicht so schwer, weil man nicht viel überlegen muss. Am Ende gehört auch ein bisschen Glück dazu. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Gerade jetzt, nach der Corona-Pause ohne Zuschauer, gegen Werder Bremen vor den Fans zu feiern – was will man mehr. Sowas lässt dann auch das Selbstvertrauen wachsen“

1. FC Heidenheim-Torschütze Christian Kühlwetter nach Sieg gegen Werder Bremen: „Wir sind einfach happy“

Christian Kühlwetter (Torschütze 1. FC Heidenheim): „Wir haben heute einfach gearbeitet und uns am Ende dafür belohnt. Hier ist riesen geile Stimmung und das hat heute einfach Bock gemacht. Wir sind heute einfach happy und freuen uns, dass wir gleich drin noch ein bisschen feiern können.“

...über sein Tor: „Den habe ich schon schön getroffen ja. Gegen Karlsruhe habe ich letztes Jahr fast das gleiche Tor nur mit links gemacht, aber das heute ist schon noch ein bisschen schöner. Dass das im Spiel so funktioniert und man nicht unter Druck gesetzt wird, passiert nicht oft. Aber ich bin natürlich froh, dass das so geklappt hat.“

1. FC Heidenheim-Torwart Kevin Müller nach Sieg über Werder Bremen: „Das war heute für die Seele wichtig“

Kevin Müller (Torwart 1. FC Heidenheim): „Am Ende ärgert mich das Gegentor schon ein Stück weit. Nachdem ich das Foul gesehen habe, nehme ich alles zurück: die rote Karte ist gerechtfertigt. An der Stelle ein „sorry“ an den Schiedsrichter, das hatte ich in der Situation nicht so wahrgenommen. Das Foul war so um die 85. Spielminute herum, wenn du da das Gegentor bekommst, kommt da natürlich nochmal Stimmung auf. Eigentlich haben wir die zweite Halbzeit fast perfekt wegverteidigt. Am Ende war es dann eine Willensleistung, das Ding nach Hause zu fahren. Ich glaube, gerade nach letzter Woche war das heute für die Seele wichtig.“

...über seine eigene Leistung: „Ich freue mich natürlich einfach für die Mannschaft. Man träumt immer auch so ein bisschen davon und hofft: „Komm, lass heute einmal dein Tag sein und in einem engen Spiel alles rausholen“. Wenn die erste Aktion gut läuft, dann kommst du in einen Flow rein. Wir haben heute aber auch das Quäntchen Glück auf unserer Seite gehabt, gerade mit dem Pfostenschuss. Dann fallen die Aktion auch leichter. Am Ende haben wir dann mit Glück und Geschick das Spiel über die Zeit gebracht. Ich freue mich aber auch persönlich, weil ich gerade nach letzter Woche, beim 2:3 (in Darmstadt, Anm. d. Red.), schlecht ausgesehen habe und ich so heute was zurück geben konnte.

*Mit Stimmen von Sky und Sport1

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