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Bekommt Werder Bremen eine Fan-Abteilung und einen weiteren Geschäftsführer?

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Von: Björn Knips

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Marco Fuchs (l.) und Dirk Wintermann aus dem Aufsichtsrat des SV Werder Bremen sprachen im Trainingslager über Struktur-Veränderungen des Vereins.
Marco Fuchs (l.) und Dirk Wintermann aus dem Aufsichtsrat des SV Werder Bremen sprachen im Trainingslager über Struktur-Veränderungen des Vereins. © gumzmedia

Zell am Ziller – Der SV Werder Bremen will sich strukturell verändern, deswegen wurde eigens eine Kommission eingesetzt. Dabei ging es vor allem darum, wie der eingetragene Verein (e.V.) als 100-prozentiger Anteilseigner der Kapitalgesellschaft (KG) für den Profisport künftig in den einzelnen Gremien vertreten sein soll. Der Aufsichtsrat spielt dabei eine Schlüsselrolle. Marco Fuchs und Dirk Wintermann haben das Kontrollgremium in der Strukturkommission vertreten. Im Trainingslager der Werder-Profis im Zillertal stellte das Duo den Medien die Ergebnisse der monatelangen Diskussionen vor – und sorgte dabei auch für eine Überraschung: Der SV Werder wird sich mit der Gründung einer Fan-Abteilung beschäftigen.

„Union Berlin und Eintracht Frankfurt haben schon sehr erfolgreiche Fan-Abteilungen. Wir wollen die Vielzahl von Fans, die Voll- und auch Förder-Mitglieder sind, aber keinen aktiven Sport betreiben, mehr einbinden“, berichtete Wintermann: „Sie sollen sich noch mehr ehrenamtlich einbringen können – zum Beispiel beim Thema Nachhaltigkeit oder Stadionumfeld, da gibt es viele Themen.“ Allein 15.000 Voll-Mitglieder der insgesamt 40.000 Mitglieder seien keiner der sechs Sparten (Fußball, Handball, Tischtennis, Schach, Leichtathletik, Turnen) zuzuordnen, denen wolle man ein Angebot machen. „Die Empfehlung der Strukturkommission ist es, eine Umsetzung zu prüfen“, formuliert es Wintermann noch etwas vorsichtig. Eine Umsetzung in diesem Jahr sei nicht geplant. Denn es ist ein durchaus heikles Thema. Es spielt immer auch die Sorge mit, dass Fans nach der Macht in einem Club streben, wie es bereits an anderen Bundesliga-Standorten geschehen ist. Doch bei Werder Bremen sollen allein die Mitglieder das Sagen haben.

Werder Bremen vor großen Veränderungen: Der Präsident soll Aufsichtsratsvorsitzender werden

Entschieden werden große Veränderungen deshalb nur auf Mitgliederversammlungen, die nächste ist für den 20. November angesetzt. Die Empfehlungen der Strukturkommission, die inzwischen vom Präsidium abgenickt worden sind, sollen nun möglichst schnell „in die Mitgliedschaft getragen werden“, wie Fuchs betont. Es soll Werbung für die geplanten Neuerungen in der Satzung gemacht werden. Im Grunde sind diese schon lange bekannt. Der e.V. soll nicht mehr durch ein Mitglied des geschäftsführenden Präsidiums in der Geschäftsführung vertreten sein. Die aktuelle Doppelfunktion von Hubertus Hess-Grunewald als Präsident und Geschäftsführer des SV Werder Bremen gilt nicht mehr als zeitgemäß. „Es ist rund um den Aufsichtsrat aufgeräumt worden und es sind Dinge, die historisch bedeutsam waren, wie das Entsenderecht des Vereins in die Geschäftsführung, angegangen worden. Da gab es Interessenskonflikte und auch eine problematische Personalunion“, berichtete Marco Fuchs: „Der Verein muss mit seiner Kapitalgesellschaft moderner und entsprechend von Good Governance aufgestellt sein. Da ist es eigentlich selbstverständlich, dass ein Eigentümer nicht durchregieren kann. Die Eigentümer nehmen ihre Interessen im Aufsichtsrat wahr – und der bestimmt die Geschäftsführung. Wir kommen jetzt in eine Richtung, die der klassischen Struktur einer Kapitalgesellschaft entspricht.“

Marco Fuchs ist aktuell Aufsichtsratsvorsitzender, hat aber schon direkt nach seiner Wahl Anfang des Jahres betont, sich nur als Übergangslösung zu sehen: „Ich war immer der Meinung, dass der höchste Vertreter des Eigentümers auch im Aufsichtsrat die Führung haben muss.“ Der neue Präsident, Hess-Grunewald muss sich im November zur Wahl stellen, soll dann auch Aufsichtsratsvorsitzender sein. Für eine Übergangszeit bis zur nächsten Wahl ist eine Aufstockung des Aufsichtsrats auf sieben Mitglieder geplant. Danach sollen es wieder sechs sein, die nur noch zur Hälfte von den Mitgliedern des SV Werder Bremen gewählt werden, bislang waren es vier.

Werder Bremen verändert sich: Tarek Brauer soll auf Geschäftsführer-Rang aufsteigen

Ganz raus aus der Geschäftsführung ist der Verein künftig übrigens nicht. Für einen Posten soll ein Mitbestimmungsrecht in der Satzung verankert werden, während alle anderen Geschäftsführer direkt vom Aufsichtsrat benannt werden. „Wenn auch andere Sportarten weiterhin in der Kapitalgesellschaft sein sollen, was wir für sinnvoll erachten, dann ist es relativ klar, dass sich darum jemand kümmern muss. Wir wollen auch keine Doppelstrukturen haben, die unnötig Geld kosten. Es ist ein Teil der Identität von Werder Bremen, dass wir auch andere Sportarten auf Bundesliga-Niveau betreiben“, sagte Fuchs und meinte damit die Sparten Schach, Handball und Tischtennis.

Unabhängig von der Arbeit der Strukturkommission gibt es noch eine spannende Personalie bei Werder Bremen: Tarek Brauer. Der Direktor für Personal und Recht bildet schon länger mit den anderen drei Geschäftsführern Klaus Filbry, Frank Baumann und Hubertus Hess-Grunewald die Geschäftsleitung und soll nun auch deren Rang einnehmen. „Wir haben noch keinen Beschluss gefasst“, stellte Fuchs klar, machte aber auch deutlich: „Natürlich führen wir Gespräche und haben eine sehr hohe Wertschätzung für Tarek Brauer. Er leistet einen sehr wertvollen Beitrag in der Geschäftsleitung.“ Gut möglich, dass schon im Zillertal die Weichen dafür gestellt werden. Denn dort hält der Aufsichtsrat seinen traditionellen Sommer-Workshop ab. (kni)

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