3:0-Sieg am Sonntag

Werder knackt defensive Hansa: Ducksch das entscheidende Puzzlestück - die Taktik-Analyse

Es hat natürlich noch nicht alles geklappt, doch die Verpflichtung von Marvin Ducksch erweist sich schon bei dessen Debüt als Glücksfall für Werder Bremen.
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Es hat natürlich noch nicht alles geklappt, doch die Verpflichtung von Marvin Ducksch erweist sich schon bei dessen Debüt als Glücksfall für Werder Bremen.

Pflichtaufgabe gemeistert! Absteiger Werder Bremen dominiert Aufsteiger Hansa Rostock und siegt mit 3:0. Einen gewaltigen Anteil daran hat Werders strukturierter Spielaufbau – und Neuzugang Marvin Ducksch, der gleich seine Fähigkeiten als Verbindungsspieler unter Beweis stellt. Die Taktik-Analyse.

Die Verantwortlichen des SV Werder Bremen mögen das Wort „Aufstieg“ meiden. Doch zum Selbstbild des Vereins gehört die 1. Bundesliga: Das wissen die Chefs, das wissen die Fans, und das wissen auch die Gegner. Gegen viele Zweitligisten geht Werder allein aufgrund des Namens als klarer Favorit ins Spiel. So auch gegen Hansa Rostock. Gegen den Aufsteiger stand Werder vor der Aufgabe, einen tiefstehenden Gegner zu knacken. Diese Aufgabe meisterten die Bremer mit Bravour.

Werder-Coach Markus Anfang bleibt seiner Linie treu. Seine taktischen Vorlieben kennen Werder-Fans mittlerweile: Auch im sechsten Pflichtspiel der Saison stellte Anfang seine Elf in einem 4-3-3-System auf. Hervor stachen erneut die Außenverteidiger, die bei Ballbesitz ins Mittelfeldzentrum rückten. Zusammen mit Sechser Christian Groß besetzten sie den Raum vor der Abwehr, sodass Werders Achter aufrücken konnten.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen Hansa Rostock: Werder mit extrem viel Ballbesitz

Diese Abläufe sah man im Bremer Spielaufbau gegen Hansa Rostock besonders häufig. Der Grund war der Gegner: Hansa Rostock verbarrikadierte sich von der ersten Minute an am eigenen Strafraum. Trainer Jens Härtel stellte seine Mannschaft in einem 5-4-1-System auf. Anfangs rückten die Gäste kaum aus der eigenen Ordnung heraus. Einzig die Außenspieler rückten manches Mal nach vorne. Härtel wählte ganz die Taktik eines Außenseiters: Seine Mannschaft stand tief, ließ Werder den Ballbesitz und versuchte mit langen Bällen zu kontern.

Die Grafik zeigt Werder Bremens Spielaufbau gegen Hansa Rostock. Die Außenverteidiger rückten in die Mitte und ermöglichten es den Achtern, weiter nach vorne zu gehen.

Werder Bremen nahm die Rolle des Favoriten an. Wieder und wieder baute Werder das Spiel aus der eigenen Hälfte auf. In der ersten halben Stunde sammelten sie fast zwei Drittel Ballbesitz. Die Innenverteidiger konnten den Ball untereinander passen, ohne vom Gegner gestört zu werden. Sie trugen den Ball in die gegnerische Hälfte. Dort versuchten sie, die Kugel direkt in den Sturm zu spielen oder mit Verlagerungen die Partie breit zu machen. Vor allem der halblinks postierte Kapitän Ömer Toprak wählte häufig den langen Diagonalball auf die gegenüberliegende rechte Seite. So lief Werders Spiel in der Anfangsphase häufig über Rechtsaußen Eren Dinkci.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen Hansa Rostock: Marvin Ducksch interpretiert Rolle freier als Niclas Füllkrug

So weit, so bekannt dürfte das Werder-System vielen Fans vorgekommen sein. Frischer Wind kam durch einen Neuling ins Bremer Spiel: Stürmer Marvin Ducksch rückte nur wenige Tage nach seiner Verpflichtung direkt in die Startelf. Er interpretierte die Stürmer-Rolle etwas freier, als dies Niclas Füllkrug in den vergangenen Partien getan hatte. So rückte Ducksch gegen Rostock immer wieder leicht auf die halbrechte Seite. Mit einem Kontakt leitete er den Ball nach Rechtsaußen weiter, nur um direkt im Anschluss in den Strafraum zu starten. Seine Qualitäten als Ballhalter und -verteiler waren gleich mehrfach gefragt.

Das befreite wiederum Werders Mittelfeld. Nicolai Rapp und Niklas Schmidt legten im Zentrum weite Wege zurück, rückten immer wieder auf den Flügel heraus oder bis an die letzte Linie heran. Naturgemäß passte das Zusammenspiel mit Ducksch noch nicht in jeder Situation. Der Übergang vom eigenen Aufbau ins letzte Drittel bleibt offensiv Werders größte Baustelle, hat aber gegen Hansa Rostock wesentlich besser funktioniert als in den ersten Saisonpartien.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen Hansa Rostock: Saubere Abwehr gegen lange Bälle, unsaubere Konter

Die 1:0-Führung des SV Werder Bremen zur Pause war angesichts der dominanten Leistung gegen einen passiven Gegner hochverdient. Kurz nach der Pause legte Ducksch das 2:0 nach (53.). Spätestens jetzt mussten die Rostocker ihre Mauertaktik aufgeben. In den kommenden Minuten sah man, mit welcher Spielidee die Rostocker die Klasse halten wollen: Rostock machte das Spiel lang, gleich drei oder vier Spieler gingen an die letzte Linie des Gegners. Mit langen Bällen sollte das Mittelfeld überwunden und die Stürmer gefunden werden.

Werder verteidigte diese langen Bälle jedoch sauber. Die Bremer Mittelfeldspieler hielten sich nun zurück. Rapp agierte häufig auf einer Höhe mit Groß. Zwar konnte Werder somit kaum mehr Druck auf den gegnerischen Aufbau ausüben. Die Doppelsechs aus Rapp und Groß gewann jedoch die Mehrzahl der zweiten Bälle. Ein Manko gab es in dieser Phase: Werder spielte die eigenen Konter nicht sauber aus.

Das bleibt nach einem 3:0-Sieg Meckern auf hohem Niveau. Werder Bremen bewies, dass sie dominant auftreten können gegen einen defensiv ausgerichteten Gegner. Vor allem aber zeigte Marvin Ducksch, wie er die Werder-Mannschaft stärker machen kann: nicht nur mit seinen Toren, sondern auch mit seiner fußballerischen Klasse in engen Situationen. Eins ist nämlich klar: Hansa Rostock wird nicht der letzte Gegner sein, der gegen die „großen“ Werderaner in die Außenseiter-Rolle schlüpft. (tes) Auch interessant: Kaum Spielzeit, aber Werder Bremen gibt Nick Woltemade nicht ab!

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