Ex-Bremer Diekmeier im Interview

„Die Stimmung bei Werder soll nicht so gut sein“: Ex-Bremer Diekmeier wittert seine Chance mit Sandhausen

Dennis Diekmeier spielte von der Jugend bis zur U23 beim SV Werder Bremen. Am Sonntag trifft der Ex-Bremer mit dem SV Sandhausen auf die Grün-Weißen.
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Dennis Diekmeier spielte von der Jugend bis zur U23 beim SV Werder Bremen. Am Sonntag trifft der Ex-Bremer mit dem SV Sandhausen auf die Grün-Weißen.

Sandhausen - „Wir wollen gegen Werder Bremen den ersten Heimsieg einfahren“, verkündet Dennis Diekmeier, der frühere Bremer im Trikot des SV Sandhausen. Die Eltern des Profis wohnen in Achim und haben ihren Sohn ausführlich informiert über die aktuelle Lage beim SV Werder. „Die Stimmung soll nicht so gut sein“, sagt der 32-Jährige und rechnet sich gute Chancen aus, den Dreier im eigenen Stadion zu verbuchen. Im Gespräch mit der DeichSube plaudert Diekmeier über seinen Rekord als „Torlos-Dennis“, über die Derbys gegen den Hamburger SV und über seine Entscheidung, Werder damals als junger Spieler zu verlassen: „Es war der richtige Schritt, ich bereue es nicht.“

Herr Diekmeier, Sie sind in Thedinghausen geboren und bei Werder ausgebildet worden. Können Sie sich vorstellen, noch einmal nach Bremen zurückzukehren, um für Werder zu spielen?

Gute Frage. Ich fühle mich hier in Sandhausen sehr wohl, nun schon seit drei Jahren. Ich habe mich hier bestens eingelebt, komme gut an bei den Fans, bin anerkannt und habe Spaß. Ich möchte hier so lange spielen, wie es geht.

Haben Sie einen Zeitplan, wie lange Sie noch als Profi aktiv wollen?

Ich habe mir kein Limit gesetzt. Bis auf die Verletzung, durch die ich in dieser Saison nicht regelmäßig spielen konnte, bin ich nie länger ausgefallen. In Sandhausen habe ich vor dieser Saison nicht eine Trainingseinheit verpasst, wenn ich mich richtig erinnere.

Verfolgt das Zweitliga-Spiel des SV Werder Bremen gegen den SV Sandhausen im Live-Ticker der DeichStube!

Sandhausen-Profi Dennis Diekmeier: Abgang von Werder Bremen „war der richtige Schritt“

Was genau war das für eine Verletzung?

Erst hatte ich einen Riss des Syndesmosebandes, habe dann wieder angefangen und mir einen Muskelbündelriss zugezogen. Doch das ist überwunden, ich bin beschwerdefrei und habe in Rostock am letzten Wochenende mein Comeback gefeiert.

Mit 19 Jahren haben Sie Werder im Jahr 2008 recht früh verlassen, nachdem Sie als Junioren-Nationalspieler nur in der Reserve zum Einsatz gekommen waren. Aus heutiger Sicht: Kam Ihr Weggang zu früh?

Aus meiner Sicht war es der richtige Schritt. Ich bin nach Nürnberg gewechselt, wo ich viel Spielpraxis bekommen habe. Dort hatte ich eine schöne Zeit, nicht nur wegen des Aufstiegs im zweiten Jahr. Danach bin ich zum Hamburger SV gewechselt und bin Stammspieler bei einem Bundesligisten geworden. Ich bereue meine damalige Entscheidung nicht.

Wie haben Sie die Rivalität zwischen dem HSV und Werder erlebt?

Ich habe die direkten Duelle genossen. Für mich gab es keine geileren Spiele als die Nordderbys wegen der tollen Stimmung, wegen der Vorfreude und erst recht der Atmosphäre im Stadion. Das galt übrigens für die gesamte Familie Diekmeier. Meine Eltern, die in Achim wohnen, haben es genauso gesehen und den Spielen entgegengefiebert.

Werder hat inzwischen auch das Schicksal des HSV, sprich der Abstieg aus der Bundesliga ereilt. Wie haben Sie den Niedergang Ihres Heimatvereins verfolgt?

Es war schon traurig, dass Werder nicht den Klassenerhalt geschafft hat. Ebenso schmerzhaft wie der Abstieg mit dem HSV, den ich miterlebt habe. Beide Vereine gehören einfach in die Bundesliga.

Dennis Diekmeier über Werder Bremen und den HSV: „Wünsche beiden Clubs, dass es wieder aufwärts geht“

Rechnen Sie als Zweitliga-Experte beide Clubs zu den Aufstiegsfavoriten?

Ich wünsche es beiden Vereinen, dass es wieder aufwärts geht. Doch wie schwer es in der starken 2. Liga ist, haben die Hamburger bereits mehrfach erfahren.

Wer wird das Rennen in dieser Spielzeit machen?

Wir stehen vor einer ganz verrückten Saison. Alles wird noch mal kräftig durchgemischt. Es wird noch viele Verschiebungen geben. Und es wird wieder Überraschungsteams geben. Dabei ziele ich in erster Linie auf St. Pauli ab mit dem guten Lauf augenblicklich, aber auch die Paderborner sind richtig stark.

Schon jetzt verblüffen die Regensburger, die sich im Sommer erst in der Relegation gerettet haben. Behaupten sich die Bayern an der Spitze?

Ich vermute, sie können sich dort nicht halten.

Schalke macht momentan einen stabilen Eindruck. Hat der Absteiger größere Chancen als Hamburg und Bremen?

Abwarten, es ist noch nicht einmal ein Drittel der Saison gespielt.

Werder Bremen gegen den SV Sandhausen: Dennis Diekmeier erinnert an Sandhäuser Heimstärke

Welche Rolle wird Sandhausen einnehmen?

In Rostock haben wir zuletzt einen wichtigen Punkt mitgenommen. Nun wollen wir den ersten Dreier in einem Heimspiel gegen Werder einfahren. Kaum zu glauben, dass wir noch keinen Sieg zu Hause zustande gebracht haben. Sandhausen ist bekannt für die Heimstärke, diese wollen und müssen wir wieder erlangen. Im letzten Jahr haben wir die Partien daheim gerockt und 31 Zähler verbucht. Auswärts waren es nur drei Punkte.

Ist für Sandhausen nur der Klassenerhalt drin?

Wir müssen erst einmal sehen, dass wir vom Tabellenende wegkommen. Mehr ist momentan kaum möglich. Auch wegen der Trainerwechsel, die wir in der jüngsten Vergangenheit hatten.

Ist dadurch zu viel Unruhe entstanden?

Wechsel auf dem Trainerstuhl sind nie schön. Meistens gibt es viele Änderungen, der neue Coach probiert etwas Neues aus. Ich spreche da aus Erfahrung. Beim HSV habe ich solche Phasen oft durchgemacht.

Wie beurteilen Sie die Aussichten vor dem Spiel gegen Bremen?

Ich habe mit meinem Vater telefoniert, der natürlich viel mitbekommt, was in Bremen so läuft. Er sagte mir, dass die Stimmung bei Werder nicht so gut sei. Das erhöht unsere Chancen, endlich wieder zu Hause zu gewinnen.

Werder Bremen gegen den SV Sandhausen - Dennis Diekmeier: „Ich bin ein positiver Typ“

Es gibt kaum ein Interview mit Dennis Diekmeier, ohne dass die Rede auf eine Besonderheit kommt: „Torlos-Dennis“ …

… das ist doch Vergangenheit, ich habe das doch mit dem Tor klargestellt.

Sie haben erst in Ihrem 294. Profispiel Ihren ersten Treffer erzielt, was einen Rekord darstellt und medial groß behandelt wurde. Hat Sie dieses Thema genervt?

Genervt nicht, weil ich grundsätzlich ein positiver Typ bin. Doch am Ende war ich froh, als ich meinen ersten Treffer erzielt hatte und es vorbei war. Witzig war es manchmal schon, dass ich darauf immer wieder angesprochen worden bin - auf diesen Rekord, den mir wohl keiner nehmen kann.

Wissen Sie noch, wie Sie den Abend verbracht haben, nachdem Sie am 26. Mai 2020 Ihren Torlos-Fluch gegen Wiesbaden beendet hatten?

Ich bin nach Hause gekommen, und wir haben natürlich eine Flasche aufgemacht. Meine Familie war da, meine Eltern waren angereist aus dem Norden.

Gemeinsam mit Ihrer Frau betreiben Sie einen viel beachteten YouTube-Kanal namens „Team Diekmeier“. Was ist generell Ihr Antrieb und Ihr Bestreben, in den Sozialen Medien aktiv zu sein?

Ich bin, wie gesagt, ein positiver und offener Typ. Ich will die Fans und überhaupt die Leute, die mich mögen, mitnehmen und teilhaben lassen. (hgk) Lest auch: Mit Leonardo Bittencourt? Die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den SV Sandhausen!

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