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Offensive Talentförderung: Warum Werder Bremen auch nach dem verpassten Aufstieg der U23 stolz auf die Nachwuchsarbeit ist

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Von: Malte Bürger

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Trainer Konrad Fünfstück (l.) hat mit der U23 des SV Werder Bremen den Aufstieg in die 3. Liga verpasst, ist aber stolz auf die Ausbildung von Talenten - wie bei Jascha Brandt (rechtes Bild vorne), Philipp Kühn (oben) und Tom Berger (r.).
Trainer Konrad Fünfstück (l.) hat mit der U23 des SV Werder Bremen den Aufstieg in die 3. Liga verpasst, ist aber stolz auf die Ausbildung von Talenten - wie bei Jascha Brandt (rechtes Bild vorne), Philipp Kühn (oben) und Tom Berger (r.). © gumzmedia, imago images/foto2press

Bremen – Vor gar nicht allzu langer Zeit hat Ole Werner einen spannenden Satz gesagt. Und ausnahmsweise ging es mal nicht allein um seine Profis und das Aufstiegsrennen. Es ging um mehr. „Es ist wichtig, dass ein Verein unabhängig vom Trainer der ersten Mannschaft eine Spielphilosophie hat, weil es – und das ist ja kein Geheimnis – auch auf dieser Position immer wieder mal Veränderungen gibt“, meinte der Cheftrainer des SV Werder Bremen damals.

Da war er selbst erst wenige Monate im Amt und ein Grund dafür, dass sich Konrad Fünfstück mal wieder umstellen musste. Und der Coach der U23 muss auch jetzt noch ein wenig lachen, wenn er an seine bisher dreijährige Arbeit bei Werder Bremen denkt. „Es ist schon spannend gewesen, denn ich habe in meiner Zeit hier bei Werder jetzt mittlerweile den dritten Cheftrainer erlebt“, sagt er im Gespräch mit der DeichStube. „Das bedeutete schließlich auch, dass man sich immer auf neue Charaktere einstellt.“ Offenkundig ist ihm das stets gut gelungen, schließlich will der Verein den Vertrag des 41-Jährigen verlängern. Und auch die Sache mit der Spielphilosophie ist weiter in Arbeit.

Werder Bremen: Profis steigen auf, U23 nicht - Abstand zwischen erster und zweiter Mannschaft vergrößert sich

Werder Bremen will angriffslustig sein, nicht mit forschen Worten, sondern vor allem auf dem Platz. Ole Werner bevorzugt für seine Profis den zielstrebigen Weg nach vorne, mit dieser Ausrichtung hat die Rückkehr in die Bundesliga geklappt. In den Mannschaften darunter soll dieses Erfolgsmodell ebenfalls zur Anwendung kommen. Bei der U23 tut es das sogar schon etwas länger. „Wir haben das Spielsystem angepasst, das ganze Jahr über sehr offensiv gespielt“, schildert Konrad Fünfstück die Vorgehensweise in der abgelaufenen Saison der Regionalliga Nord. „Wir haben von Anfang an mit zwei Stürmern gespielt.“ Bekanntlich war das unter Markus Anfang bei den Profis zunächst anders, lange wurde nur auf Marvin Ducksch im Angriff gesetzt, erst kurz vor dem Impfpass-Skandal des Coaches und dem daraus resultierenden Rücktritt wurden Ducksch und Niclas Füllkrug gemeinsam aufgeboten. Eben jenes Duo, das unter Nachfolger Werner zum Schlüssel des Erfolges wurde.

Als der Aufschwung der selbsternannten „hässlichen Vögel“ so richtig Fahrt aufnahm, erlebte die U23 im Sturm harte Wochen. Justin Njinmah wechselte zur Reserve von Borussia Dortmund, Tim van de Schepop brummte eine dreiwöchige Rotsperre ab. Und plötzlich fehlten die Torgaranten, die Werder Bremens Nachwuchs in die Dritte Liga hätten schießen können. Da auch noch Verteidiger Dominik Becker nach Saarbrücken wechselte und ein Corona-Ausbruch das Team schwächte, reichte es letztlich noch zu Rang drei. Gefordert hatte den Aufstieg niemand, geholfen hätte er aber schon. Weil Werder seine Talente dann auf einem besseren Niveau hätte weiterentwickeln können. Gerade jetzt, wo nach der Bundesliga-Rückkehr der Abstand zwischen den beiden Ligen, in denen die Bremer Mannschaften unterwegs sind, noch einmal größer geworden ist.

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Werder Bremen die beste U23 im Norden - Profi-Co-Trainer Hannes Drews für Übergangsbereich zuständig

„Natürlich darf man enttäuscht sein, wenn es am Ende gegen den VfB Oldenburg nicht ganz für den ersten Platz gereicht hat. Aber die Voraussetzungen und der Weg nach oben in der Tabelle werden in der öffentlichen Nachbetrachtung manchmal vergessen“, sagt Konrad Fünfstück, der die vergangene Spielzeit deshalb keinesfalls als misslungen ansehen will. Vielmehr zieht er einen Vergleich zur Konkurrenz, der es auch nicht spielend gelingt, die eigenen Talente tabellarisch in Position zu bringen. „Da kann man dann auch gern einmal die anderen Bundesliga-Leistungszentren in den Regionalligen durchgehen. Greuther Fürth hat im Süden die Klasse erst in der Relegation, Borussia Mönchengladbach im Westen erst am letzten Spieltag die Klasse gehalten“, zählt Fünfstück auf. „Bei uns war St. Pauli in der Abstiegsrunde, wir haben Hannover hinter uns gelassen. Wir haben es also auch in diesem Jahr wieder geschafft, die beste U23 im Norden zu sein. Ich glaube, das ist keine Selbstverständlichkeit.“

Jetzt im Sommer, wenn Ole Werner seine erste richtige Saisonvorbereitung bei Werder Bremen in Angriff nimmt, stehen natürlich auch wieder Gespräche mit den U-Mannschaften auf dem Plan. „Wir wollen noch einmal in den engen Austausch mit Ole Werner und der sportlichen Leitung gehen, um zu sehen, wie das Anforderungsprofil für die Bundesliga ausschaut und wie wir uns in dieser Hinsicht zusammenbringen können“, sagt Fünfstück, dem aber auch schon die Zusammenarbeit der vergangenen Monate gefiel. „Ole hat mit Hannes Drews einen Mann in seinem Trainerstab, der explizit für den Übergangsbereich zuständig ist, und der Austausch mit ihm war durchweg gut“, lobt er. Immer wieder tauchten U23-Akteure im Profitraining auf, die im Idealfall durch diese Erfahrung profitieren, um irgendwann den nächsten Schritt zu machen. So wie es zuletzt vor allem Ilia Gruev gelang, der 2015 einst als B-Junior an die Weser kam, in der Folge immer wieder bei den Profis schnuppern durfte und dort nun selbst Duftmarken setzt.

Werder Bremen U23: Konrad Fünfstück stolz auf Talente-Ausbildung - 2022/23 winkt ein direkter Aufstiegsplatz

Ein Weg, wie ihn sich Werder Bremen noch häufiger wünscht, der aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht immer am Osterdeich gelingt. So wie bei den bereits erwähnten Dominik Becker und Justin Njinmah. Beide waren absolute Leistungsträger in der Regionalliga – und weckten deshalb das Interesse anderer Clubs, während Werder wieder kein Drittligist wurde. Es wäre also nur zu verständlich, wenn Konrad Fünfstück nach dem Verlust solcher Spieler und dem verpassten Ziel frustriert wäre. Ist er aber nicht. „Nein, das hat uns eher stolz gemacht“, entgegnet er. „Das zeigt ja auch, dass wir diesen Ausbildungsauftrag hier eins zu eins erfüllen. In den vergangenen drei Jahren haben rund 30 Spieler den Weg über unsere U23 in die erste, zweite oder dritte Liga gefunden. Daran erkennt man, dass alle, die an dieser Arbeit beteiligt sind, einen guten Job gemacht haben.“

Und vielleicht wird dieser Job ja noch besser. In der Saison 2022/2023 erhält die Regionalliga Nord nämlich einen direkten Aufstiegsplatz zur 3. Liga. Ein besonderer Anreiz, um sich bei Werder Bremen noch ein wenig mehr ins Zeug zu legen. Der Nachwuchs würde es danken. Und die Profis irgendwann womöglich auch. (mbü)

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