Vor Werder-Heimspiel gegen Hansa Rostock

Werders Nicolai Rapp im DeichStube-Interview: „Wir sind den Fans einiges schuldig“

Für Neuzugang Nicolai Rapp ist der SV Werder Bremen der mit Abstand größte Verein der 2. Fußball-Bundesliga.
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Für Neuzugang Nicolai Rapp ist der SV Werder Bremen der mit Abstand größte Verein der 2. Fußball-Bundesliga.

Bremen – Nicolai Rapp hat schon einige Clubs in seiner Karriere erlebt, doch der SV Werder Bremen ist für ihn dann doch eine ganz andere Nummer als zuvor 1899 Hoffenheim, Greuther Fürth, Erzgebirge Aue, Union Berlin oder Darmstadt 98.

Auch nach ein paar Wochen bei seinem neuen Club wirkt der 24-Jährige durchaus noch beeindruckt. Im Interview mit der DeichStube spricht Nicolai Rapp vor dem Heimspiel von Werder Bremen gegen Hansa Rostock auch über die Qualitäten seines neuen Teamkollegen Marvin Ducksch, eine Bringschuld der Profis gegenüber den Fans und sein BWL-Studium.

Nicolai Rapp, nach Ihnen und Lars Lukas Mai ist Marvin Ducksch nun schon der dritte ehemalige Spieler von Markus Anfang, den Werder Bremen verpflichtet hat. Weitere sollen sehr interessiert gewesen sein. Liegt das vor allem an der Kiste Bier, die der Trainer angeblich nach Auswärtssiegen für die Busfahrt spendiert?

Nicolai Rapp: (lacht) Macht er das? Davon weiß ich gar nichts.

Hat er selbst mal erzählt.

Ein Bierchen habe ich sicher schon mal auf einer Rückfahrt getrunken, aber ein Dauerzustand ist das nicht. Und beim Auswärtssieg in Düsseldorf war ich nicht dabei.

Aber warum ist Markus Anfang dann so anziehend für seine Ex-Spieler?

Ich weiß gar nicht, ob das nur an ihm liegt. Werder Bremen ist einfach ein riesiger Verein, zu dem jeder Spieler gerne möchte. Wenn sich dann Herr Baumann oder Clemens Fritz melden, da überlegt man nicht lange. Ich wäre auch bei einem anderen Trainer zu Werder Bremen gegangen.

Für Nicolai Rapp ist Werder Bremen der mit Abstand größte Verein der 2. Fußball-Bundesliga

Auch zum SV Werder Bremen im Jahr 2021, der nach dem Abstieg große Probleme hat?

Ja! Das ist eine spannende Aufgabe hier, Werder ist der mit Abstand größte Verein in der 2. Liga.

Moment mal, ist das nicht eher der FC Schalke?

Für mich ist das Bremen. Wir haben ein bisschen was vor. Okay, der Start war etwas holprig, es lief nicht alles top, aber jetzt gilt es, sich da rauszukämpfen. Ich bin froh, dass ich hier bin.

Die Menschen rund um Werder Bremen machen sich aber eher Sorgen, dass aus dem großen bald ein sehr kleiner Verein wird.

Klar, die letzten zwei Jahre waren nicht so positiv. Wir müssen aus dieser Spirale herauskommen. Das kriegen wir auch hin.

Nach dem letzten Heimspiel, dem 1:4 gegen den SC Paderborn, wurde die Mannschaft ausgepfiffen. Waren Sie überrascht, weil Sie das Weserstadion anders erwartet hätten?

Nein, wenn man 1:4 zu Hause verliert, da ist es egal, wo man ist. Die Fans sind dann einfach enttäuscht. Das war nicht gut von uns, deswegen kamen die Pfiffe auch völlig zu Recht.

Was kann die Mannschaft machen, um die Fans am Sonntag gegen Hansa Rostock schnell zurückzugewinnen?

Wir haben schon in Karlsruhe eine Reaktion und eine ordentliche Leistung gezeigt. Wir haben gekämpft, standen gut als Mannschaft. Jeder hat sich reingeworfen, wir haben zu null gespielt. Es haben nur unsere Tore gefehlt.

Sie hätten einen Elfmeter bekommen können.

Für mich war es auch einer, ich bin geschubst worden, sonst hätte ich den Ball reingemacht. Der Schiedsrichter meinte zu mir, er habe es gesehen, aber der Schubser habe ihm nicht für einen Elfmeter gereicht.

Am Sonntag dürfte der Druck gegen Hansa Rostock noch etwas größer sein, denn von einem Absteiger wird gegen einen Aufsteiger definitiv ein Sieg erwartet.

Das erwarten wir auch von uns. Jeder weiß, dass wir den Fans einiges schuldig sind. Wir sind alle motiviert und haben diese Woche etwas vor.

Sie agieren aktuell häufiger als Achter und nicht wie gedacht als Sechser, wie kommt es dazu?

Defensiv war es zuletzt manchmal auch eine Doppel-Sechs mit Christian Groß, da bin ich gependelt. Ich fühle mich auch in dieser Rolle wohl, ich kenne das von meinen letzten Spielen in Darmstadt: also mit Ball etwas nach vorne, gegen den Ball als Doppel-Sechs. Es kommt immer darauf an, gegen wen wir spielen.

Die Vorbereitung lief für Sie durch kleinere Verletzungen nicht glücklich. Haben Sie zu viel gewollt?

Ich weiß es nicht. Ich hatte muskuläre Probleme, das war als Neuzugang natürlich unglücklich, weil ich mich nicht so zeigen konnte. Aber jetzt ist alles gut, ich bin fit.

Es ist viel Bewegung im Kader. Wie kann man da als Mannschaft zusammenwachsen?

Im Fußball passiert doch immer viel.

Auch so viel wie bei Werder Bremen?

Das stimmt, aber das war doch nach dem Abstieg klar. Wir gehen professionell damit um. Wer auf den Platz geht, der gibt Vollgas. Jeder will gewinnen. In Karlsruhe hat man doch gesehen, dass wir eine Mannschaft sind und jeder für den anderen alles gegeben hat.

Nicolai Rapp will länger bei Werder Bremen bleiben

Bei Ihnen ist es als Neuzugang klar, dass Sie bleiben. Macht es das leichter?

Es ist auf jeden Fall gut für mich. In den letzten Jahren bin ich oft gewechselt. Da tut es auch mal gut, wenn ich weiß, dass ich bleibe. Ich will auch mal länger bei einem Verein sein, nicht nur ein Jahr.

Haben Sie Bremen schon kennengelernt?

Ein bisschen. Wir waren erst vier Wochen im Hotel, jetzt habe ich mit meiner Freundin eine Wohnung in der Nähe des Viertels. Da waren wir schon mal den einen oder anderen Kaffee trinken. In der Überseestadt soll es auch viele gute Restaurants geben, das werden wir mal ausprobieren. Wir erkunden gerade noch ein bisschen die Stadt.

In einer Woche ist die Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen. Dann wird auch die Bilanz vorgestellt. Werden Sie als BWL-Student einen speziellen Blick hineinwerfen?

(lacht) Das sind bestimmt interessante Zahlen. Aber mein Fokus liegt auf dem Fußball.

Wie schaffen Sie es, neben dem Profi-Fußball noch ein Studium zu absolvieren?

Es ist kein so großer Aufwand, weil ich es mir frei einteilen kann. In den letzten Wochen habe ich fast gar nichts gemacht, weil ich mich nach dem Wechsel voll auf Fußball konzentrieren will. Wenn hier der Alltag einkehrt, dann werde ich wieder mehr machen.

Wie weit sind Sie?

Ich mache das noch nicht so lange, habe aber immerhin schon zwei Prüfungen hinter mir.

Und bestanden?

Beide – auch nicht knapp. Es ist bisher ganz gut gelaufen.

Warum BWL, waren Sie schon immer ein Freund der Zahlen?

Ich war auf einem Wirtschaftsgymnasium, kenne das Thema also. Ich weiß noch nicht, in welche Richtung das gehen soll. Mit BWL gibt es ja viele Möglichkeiten.

Noch mal zurück zu Marvin Ducksch, wie gut kennen Sie ihn?

Ich kenne ihn vor allem als Gegenspieler.

Sie werden ihn gewiss immer gestoppt haben, oder?

Nicht immer, er hat schon das eine oder andere Tor gegen uns gemacht. Er ist ein richtig guter Stürmer, jetzt haben wir mit ihm und Niclas Füllkrug zwei gute Stürmer da ganz vorne.

Es könnte ja noch weitere Veränderungen geben. Werden Sie am Dienstag am berühmten Deadline-Day, dem letzten Tag der Transferperiode, mal etwas häufiger nachschauen, was in der Welt des Fußballs so passiert?

Bewusst nicht, aber das eine oder andere werde ich schon mitbekommen. Natürlich ist es spannend, gerade wenn man den einen oder anderen Spieler kennt, der wechselt. Wenn es in die Nähe geht, wäre es umso schöner, weil man sich dann mal wieder sehen könnte.

Wenn Sie sich noch einen Wechsel in der Fußball-Welt wünschen dürften, welcher wäre das?

Ich schaue zurzeit ab und zu mal nach Paris, da passiert ja eine ganze Menge. Wenn man sich das Team von PSG anschaut, das ist echt der Wahnsinn. Da hätte eigentlich nur noch Ronaldo gefehlt. (kni)

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