Keiner weiß, ob es bei Werder Bremen weitergeht

Wechsel? Niclas Füllkrug erklärt das Dilemma des SV Werder

Niclas Füllkrug (re.) und Trainer Markus Anfang - das scheint zu passen. Mit dem SV Werder Bremen ist „Lücke“ aber nicht in Gänze zufrieden.
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Niclas Füllkrug (re.) und Trainer Markus Anfang - das scheint zu passen. Mit dem SV Werder Bremen ist „Lücke“ aber nicht in Gänze zufrieden.

Bremen/Lohne – Bisher haben sie alle geschwiegen – die Stammspieler des SV Werder Bremen. Ihre Lage ist nach dem Abstieg auch nicht ganz so einfach, denn sie sind allesamt Wechselkandidaten, ob sie wollen oder nicht. Der Club muss Transfererlöse erzielen, um zu überleben. Dazu kommen die sportlichen und finanziellen Interessen jedes einzelnen Spielers. Keiner weiß so recht, wie es weitergeht. Auch Niclas Füllkrug nicht.

Vor über einem Jahr, als Werder Bremen der Abstieg drohte, hat der 28-Jährige für sein frühes Treuebekenntnis viel Beifall bekommen. Für ihn wäre es selbstverständlich gewesen, mit Werder in die 2. Liga zu gehen, um dort den Schaden zu beheben, teilte er damals mit. Nun hat es die Grün-Weißen tatsächlich erwischt – und Niclas Füllkrug äußert sich viel zurückhaltender. Immerhin stellt er sich und beschreibt ganz gut das große Dilemma, in dem der SV Werder Bremen knapp vier Wochen vor dem ersten Ligaspiel gegen Hannover 96 steckt.

„Letztes Jahr habe ich das gesagt – und so war es ja auch“, blickt Füllkrug am Sonntag nach dem 7:0-Sieg im Testspiel gegen BW Lohne noch einmal zurück und verrät, dass eine Wiederholung dieser klaren Aussage durchaus möglich gewesen wäre: „Ich hätte das auch ganz normal gemacht.“ Doch die Zeiten seien nun mal andere. „Dieses Jahr gibt es keine Planungssicherheit bei Werder Bremen – in ganz vielen Bereichen. Ich glaube, dass das dieses Mal bei vielen Spielern nicht nur einseitig ist, sondern beidseitig, weil“ – Niclas Füllkrug stoppt kurz, sucht die richtigen Worte und spricht die Medienvertreter direkt an: „Ja, da müsst ihr vielleicht auch andere Ebenen des Vereins ansprechen und nicht mich. Vielleicht werden die Entscheidungen auch ganz woanders getroffen.“ Was so viel bedeuten kann wie: Nicht jeder ist mehr bei Werder Bremen erwünscht, weil er vielleicht nicht mehr bezahlt werden kann. Der Verein unterlässt es jedenfalls, Spieler zu benennen, die unbedingt bleiben sollen. Das macht es für die Profis natürlich noch schwieriger, sich selbst klar zu äußern. Eine ziemlich unglückliche Situation.

Niclas Füllkrug will sich nicht zu seine Zukunft bei Werder Bremen äußern

Füllkrug geht da nicht weiter ins Detail. Er hat schon vor seinem Auftritt in der Medienrunde mitteilen lassen, dass er sich nicht ausführlich zu seiner Zukunft äußern möchte. Doch der 28-Jährige will auch nicht komplett kneifen, das ist nicht seine Art. Niclas Füllkrug trägt sein Herz auf der Zunge, sagt, was er denkt. Und so gibt er einen kleinen Einblick in das Innenleben einer Mannschaft in einer besonderen Lage: „Wir genießen natürlich irgendwo auch noch die Zeit miteinander, weil man weiß, dass sie eventuell bald vorbei ist – zumindest für einige.“ Darüber würde auch schon der eine oder andere Witz in der Kabine gerissen, vieles aber angeblich auch verdrängt. „Eine Riesenrolle spielt das nicht.“ Wenngleich Füllkrug schon ein bisschen hadert: „Stand jetzt hätten wir, glaube ich, eine ganz gute Qualität beisammen. Aber wir wissen doch alle, dass wir noch Abgänge haben werden, da gehe ich zumindest von aus.“

Ob er einer dieser Abgänge sein wird, „das werden wir sehen. Da spielen viele Dinge eine Rolle – unter anderem auch die Sicht von Werder Bremen.“ Wirklich weg, so klingt es allerdings, will er nicht. Ein Wechsel dürfte aufgrund seiner Verletzungshistorie auch nicht so einfach werden. Doch das ist eine andere Geschichte. Aktuell geht es ihm gut, er hat nur die normalen Problemchen zum Start einer Vorbereitung. Die ersten Trainingseinheiten haben ihn wie seine Kollegen ein bisschen müde gemacht. Da tut es natürlich gut, gleich im ersten Spiel zu treffen. „Das war schön“, sagt Füllkrug über sein Kopfballtor: „Ich habe eine schöne Flanke bekommen, da freue ich mich immer drüber.“

Das ist nicht nur so daher gesagt, da steckt mehr dahinter. Denn als Mittelstürmer hat er diese Art des Fußballs unter dem alten Trainer Florian Kohfeldt schon etwas vermisst. „Es ist ein richtiger Neuner vorne drin gefragt. Man spielt mit zwei Flügeln, die einen bedienen können. Man spielt mit zwei Zehnern dahinter, die einen auch bedienen können. Das kann natürlich für einen Stürmer schon richtig Spaß machen“, gerät Füllkrug ob der Änderungen unter dem neuen Coach ein wenig ins Schwärmen. Niclas Füllkrug findet seinen neuen Chef Markus Anfang offenbar ziemlich gut: „Der neue Trainer hat beeindruckende Ideen, die einem auf jeden Fall das Gefühl geben, dass es klappen kann und dass es gut funktioniert. Deswegen hat man dann auch Lust darauf. Er hat viele Erfolge vorzuweisen, er hat ein gutes Standing, eine gute Autorität.“

Für Niclas Füllkrug war Florian Kohfeldt der Hauptgrund für den Wechsel zu Werder Bremen

Füllkrug betont dabei aber auch, dass Kohfeldt „ein ganz, ganz wichtiger Punkt bei meinem Wechsel zu Werder Bremen war, vielleicht sogar der ausschlaggebende“. Er möchte nicht schlecht über seinen Ex-Coach reden, aber den Abstieg auch nicht als Betriebsunfall abtun. Im Gegenteil! „Wenn jeder seine Aufgaben erledigt hätte, dann wäre es nicht so gelaufen, wie es gelaufen ist“, betont Niclas Füllkrug und wünscht sich: „Es wäre ganz gut, über einige Dinge zu sprechen, die letztes Jahr nicht optimal gelaufen sind. Das hat man vielleicht in dem Jahr davor verpasst. Das darf uns jetzt nicht passieren. Wir müssen schon aus den Fehlern lernen und unseren Mann stehen.“

Aber wie soll das in einer Mannschaft gehen, die sehr wahrscheinlich noch komplett auseinanderbrechen wird? Niclas Füllkrug hat da ein einfaches Rezept: „Ich konzentriere mich im Moment darauf, das umzusetzen, was der Trainer von mir verlangt.“ Wie lange das noch sein wird, steht in den Sternen. Sein Vertrag mit Werder Bremen läuft noch zwei Jahre, aber das hat im Sommer 2021 bei den Grün-Weißen nicht viel zu bedeuten. (kni)

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