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„Ich bin in Deutschland noch nicht fertig“: Oliver Burke will seiner Karriere bei Werder Bremen neuen Schwung verleihen

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Von: Malte Bürger

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Zell am Ziller – Den ersten unfreiwilligen Lacher hatte Oliver Burke im Zillertal-Trainingslager schnell produziert. Als Chefcoach Ole Werner während einer Einheit mit einem Teil des Teams ohne Ball das geschlossene Verschieben im Angriff übte, kam der neue Stürmer des SV Werder Bremen direkt durcheinander. Immer wieder rief Werner Kommandos über den Rasen – und als dann plötzlich alle Spieler den Rückzug einleiteten, spurtete Burke energisch nach vorne. Eine kleine sprachliche Hürde, schnell weggegrinst von allen Beteiligten. Die weitaus größere Herausforderung, die der gebürtige Schotte zu meistern hat, ist eine andere: Er will und muss beweisen, dass er ein guter Angreifer ist. Sich selbst und natürlich allen anderen bei Werder.

Zuletzt ging es in Oliver Burkes Karriere nämlich nicht wirklich aufwärts. Bewegung war trotzdem drin, weil der 25-Jährige oft den Verein wechselte. Allein in den vergangenen sechs Jahren spielte er für RB Leipzig, West Bromwich Albion, Celtic Glasgow, Deportivo Alaves, Sheffield United und den FC Millwall. Wobei, so richtig lange gespielt hat er eigentlich selten. Kein schönes Gefühl für einen Fußballer – und daraus machte Burke auch keinen Hehl, als er am Samstag beim SV Werder Bremen offiziell in Zell am Ziller vorgestellt wurde. „Jeder weiß, dass es ein Auf und Ab in meiner Karriere und viele Leihen gab. Dies ist eine neue Chance für mich“, bekräftigte der 13-fache Nationalspieler und betonte: „Ich bin hier in Deutschland noch nicht fertig.“

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Neuzugang Oliver Burke: „Ich hoffe, dass ich Werder Bremen irgendwann mein Zuhause nennen kann“

2016 war es, als Oliver Burke für satte 15,2 Millionen aus der zweiten englischen Liga nach Leipzig wechselte. Der damals 19-Jährige galt als das nächste große Sturmtalent in Europa, doch wirklich laufen wollte es nicht. Nach nur einer Saison war schon wieder Schluss in Sachsen. Und die Odyssee begann. „Ich hoffe, dass ich Werder Bremen irgendwann mein Zuhause nennen kann. Ich möchte wieder glücklich sein, wenn ich Fußball spiele.“ Für drei Jahre hat er nach eigener Aussage in Bremen unterschrieben – und endlich möchte er auch so lange bei einem Verein bleiben.

Eine Sache, die er dafür unbedingt ändern muss, ist seine Torquote. Zwischen Leipzig und Bremen liegen in seiner Bilanz nämlich gerade einmal 15 Tore. Ziemlich wenig für einen Mann, der nun eine Alternative zu Marvin Ducksch oder Niclas Füllkrug sein soll. Und aufgrund seiner mangelnden Ausbeute schrumpfte natürlich auch stets die Einsatzzeit. „Natürlich zweifelst du an dir ein bisschen in den Phasen, in denen du nicht spielst“, gestand er, gab sich aber trotzdem kämpferisch. „Ich weiß, was ich kann und je mehr Selbstvertrauen ich habe, desto heller strahlen meine Qualitäten.“

Werder Bremen-Neuzugang Oliver Burke: „Jeder fragt mich, ob ich früher ein Boxer war“

Es dürfte also eine der ganz elementaren Aufgaben von Trainer Ole Werner in der nahen Zukunft sein, den Stürmer im übertragenen Sinne zum Leuchten zu springen. Aber natürlich ist der Coach des SV Werder Bremen nicht allein gefordert. „Ich bin hier hergekommen, um zu spielen. Ich weiß, dass ich hart dafür arbeiten muss und nicht erwarten kann, dass ich automatisch dabei bin“, erklärte Burke. „Ich muss lernen, was ich zu tun habe. Aber ich bin bereit, für meine Position zu kämpfen.“

Als große Stärke von Oliver Burke gilt seine Physis. Allein sein Erscheinungsbild macht Eindruck. „Jeder fragt mich, ob ich früher gekämpft habe, ob ich ein Boxer war“, verriet er lachend. „Aber das habe ich nie gemacht. Ich glaube, das ist genetisch und liegt in unserer Familie. Von der Seite meines Vaters war jeder in der Armee.“ Gut möglich also, dass Burke nur durch bloßes Anlaufen die gegnerischen Defensivakteure einschüchtert. „Die Abwehrspieler hier sind aber auch sehr groß und stark“, sagte er mit Blick auf seine neuen Bremer Teamkollegen.

Werder Bremen-Neuzugang Oliver Burke liebt ausgefallene Mode und die Farbe Grün

Zu einem Hünen hat er sogar schon ein recht enges Verhältnis, allerdings ist dieser ebenfalls eher offensiv unterwegs: Nick Woltemade. Der 20-Jährige ist Burkes Zimmerkollege in Werders Mannschafthotel, die Chemie zwischen den beiden schien direkt zu stimmen. „Er ist ein super Typ, spricht sehr gut Englisch und hilft mir“, lobte der Stürmer, der einen eigenwilligen Modegeschmack besitzt, wie zahlreiche Fotos in den sozialen Medien dokumentieren. „Manche sagen, dass mein Stil ein wenig wild ist, aber mir gefällt er“, erzählte Oliver Burke und schmunzelte. „Ich habe sehr viel Spaß an Mode. In England ist es eine sehr populäre Sache, den eigenen Stil zu zeigen.“ Bald wird er dies auch in Bremen tun, in Österreich erhält vorerst noch die Teambekleidung den Vorzug. Was aber überhaupt nicht schlimm sei. „Ich liebe die Farbe Grün“, sagte der 25-Jährige, sie sei fast schon auch ein Grund gewesen, bei Werder Bremen den Neuanfang zu wagen.

Und ganz bald soll dann auch die Sprachbarriere überwunden sein. „Ich werde auf jeden Fall Deutsch lernen und mir dafür einen Lehrer nehmen“, versprach Burke. „Auf dem Platz ist die Sprache vielleicht nicht so wichtig, es wird ja nicht so viel gesprochen. Und Fußball ist Fußball, egal, wo du bist. Aber ich will die Kollegen kennenlernen, Freundschaften schließen. Dann versteht man sich auch auf dem Platz viel besser.“ Nicht, dass Oliver Burke sonst doch wieder in die falsche Richtung läuft. (mbü)

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